Der Verlag Schwäbisch Media und damit die Schwäbische Zeitung nimmt in diesem Jahr an Table Stakes Europe teil, ein Programm zur digitalen Transformation von Lokal- und Regionalzeitungen. Teile des Programms werden von Google finanziert. Wir sind uns dieser nicht unproblematischen Partnerschaft bewusst.

Es gibt verschiedene Programme, die Verlage in Deutschland - regionale oder überregionale, große oder kleine - in ihrer Arbeit unterstützen. Ob durch Experten und deren Betreuung, durch technische Hilfsmittel oder auch mit finanzieller Hilfe für die Umsetzung konkreter Projekte.

Das Ziel: Unterstützung bei der Weiterentwicklung digitaler Prozesse

Solch ein Programm ist auch Table Stakes. Es kommt aus den USA und hat dort schon hunderte Verlage und Redaktionen erfolgreich begleitet. Das Programm wird von der WAN-IFRA, der World Association of Newspapers and News Publishers, geleitet und von Coaches aus mehreren Ländern unterstützt. Ziel ist es, Redaktion in der Weiterentwicklung digitaler Prozesse zu fördern.

Seit vergangenem Jahr gibt es das Programm auch in Europa. In diesem Jahr nehmen 24 Redaktionen aus zehn Ländern daran teil. Zahlreiche Medienhäuser könnten manche Projekte ohne eine derartige Unterstützung nicht oder nur erschwert umsetzen.

Auch die Schwäbische Zeitung setzt mehr und mehr den Fokus aufs Digitale, auf Kanäle wie Website und News-App, auf Produkte wie Newsletter und Push-Nachrichten und auch auf digitale Prozesse im Vertrieb und im technischen Ausbau. Diese Entwicklung bringt einige Herausforderungen mit sich. Der Blick von außen durch externe Experten und auch durch den Austausch mit anderen Medienhäusern wie bei Table Stakes ist eine hilfreiche Ergänzung und Bereicherung. Das Programm wird uns dabei helfen, nötige Prozesse zu beschleunigen.

Inhaltlich ist das Programm unabhängig von Google - und das ist wichtig

Wir tragen als Verlag die Kosten für den Zeitaufwand der Kolleginnen und Kollegen, die federführend an dem einjährigen Projekt beteiligt sind, und auch anfallende Reisekosten zu regelmäßig stattfindenden Terminen mit allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Diese Kosten fallen derzeit aufgrund der Corona-Beschränkungen natürlich weg. Die gemeinsamen Treffen finden absehbar nur digital über Video-Konferenzen statt.

Weitere Kosten, etwa für die Coaches, Lehrmaterialien oder Raummieten bei physischen Treffen in der Zukunft, trägt die Digital Growth Initiative von Google. Sie fördert durch Programme wie dieses die Nachrichtenbranche.

Maßgeblich entscheidend für unsere Bewerbung war, dass Table Stakes inhaltlich und strategisch unabhängig ist. Google ist in die Planung und Umsetzung des Programms nicht involviert. Sichtbar wird das etwa an der Auswahl der teilnehmenden Redaktionen, die die WAN-IFRA übernimmt: Auch Verlage, die sich zum Beispiel beim Thema Leistungsschutzrecht klar gegen Google positioniert haben, sind dabei.

Journalistische Unabhängigkeit ist ein hohes Gut, sie ist Grundlage unserer Arbeit und findet sich auch im Zeitungskopf der Schwäbischen Zeitung wieder. Wir werden immer intensiv darüber diskutieren und genau überlegen, wann die Teilnahme an einem durch Google oder andere Unternehmen geförderten Programm sinnvoll ist und wann nicht.

Die Otto-Brenner-Stiftung hat ganz aktuell eine kritische Studie zur Beziehung zwischen Google und deutschen Verlagen veröffentlicht. Sie finden Sie bei Interesse hier.

Haben Sie vielleicht selbst Fragen, die unsere Arbeit betreffen, mit denen wir uns in einem Blogeintrag beschäftigen sollten? Schreiben Sie uns eine Mail an einsichten@schwaebische.de