Es gibt Kolleginnen und Kollegen, die habe ich seit einem Jahr nicht mehr persönlich getroffen. Dafür kenne ich das Bücherregal in ihrem Büro zu Hause und die Fotos an der Wand hinter dem Heimarbeitsplatz.

Ich habe inzwischen auch manche Kinder kennengelernt, wenn auch nur kurz, als sie mal in eine Video-Schalte platzten, um zu fragen, ob sie noch eine Folge “Feuerwehrmann Sam” anschauen dürfen oder wie die Mathehausaufgabe wohl zu verstehen sei.

Corona hat unser Miteinander verändert

Nach einem Jahr Pandemie schauen wir uns kaum noch persönlich ins Gesicht, dafür aber in die Wohnungen und ins private Leben. Das verbindet auf die eine und trennt auf die andere Art. Aber es ist unser neuer Alltag. Da geht es Journalistinnen und Journalisten nicht anders als vielen in diesen sonderbaren und herausfordernden Zeiten.

Corona hat unser berufliches Miteinander verändert. Die Art wie wir arbeiten und wie wir kommunizieren, wie wir über Themen diskutieren und recherchieren. Wie wir uns vergewissern, dass trotz physischer Distanz in den einzelnen Ressorts und Abteilungen alles - oder zumindest das meiste - in Ordnung ist.

Journalismus lebt davon, dass man sich austauscht. Dass man mit Kolleginnen und Kollegen über Themen diskutiert und sich abstimmt. Was ist jetzt und in den nächsten Stunden wichtig? Wer kümmert sich um was? Wie gehen wir das an? Wie präsentieren wir die Themen digital - und wie in der Zeitung?

So sind wir vor genau einem Jahr ins Homeoffice gestartet

Vor der Pandemie fanden diese Gespräche in den Redaktionen statt, über den Schreibtisch hinweg oder rund um einen Konferenztisch, auf dem Flur, manchmal auch in einem Büro. Es gab mehrere Konferenzen und Absprachen am Tag, in den einzelnen Lokalredaktionen und auch in der Zentrale in Ravensburg. 

Das ist heute anders. In den 19 Lokalredaktionen und auch in der zentralen Redaktion sitzt kaum noch jemand. Die allermeisten Kolleginnen und Kollegen arbeiten seit nunmehr einem Jahr von zu Hause. Wir kommunizieren die meiste Zeit über Video-Konferenzen und Chatfenster.

Vor genau einem Jahr, am 16. März 2020 haben wir damit begonnen die Arbeit ins Homeoffice zu verlagern. Die Kolleginnen und Kollegen des Digitalteams haben den Anfang gemacht. Sie waren es gewohnt, am Wochenende öfter mal mobil von zu Hause aus zu arbeiten, die nötige technische Infrastruktur war schon vorhanden, der Umstieg deshalb unkompliziert.

Nach und nach folgten weitere Abteilungen. Laptops wurden eingerichtet, digitale Abprachekanäle etabliert, neue Programme für Telefon- und Videoschalten installiert.

Der Aufwand war groß, es ruckelte hier und da, weil die Technik nicht immer mitspielte und Prozesse dadurch langwierig und mühsam wurden. Manches hat erst nach Wochen richtig funktioniert. Nicht wenige von uns haben geflucht. Homeoffice und mobiles Arbeiten waren vor der Pandemie keine Selbstverständlichkeit, nun sind sie das neue Normal. Wir haben unsere redaktionellen Strukturen in großen Teilen virtualisiert.

Unsere Art zu recherchieren hat sich verändert

Was für die Organisation einer Redaktion funktioniert, bringt allerdings Grenzen für den journalistischen Alltag. Es fehlt der Kontakt zu Menschen im Verbreitungsgebiet, der die Grundlage unserer Arbeit als regionales Medienunternehmen ist. Unsere Aufgabe ist es, Leserinnen und Leser über die wichtigsten Ereignisse in der Region zu informieren und aufzuklären, spannende Geschichten zu suchen und zu finden, komplizierte Sachverhalte verständlich zu machen, interessante Menschen zu porträtieren, nützliches und hilfreiches Wissen als Service aufzubereiten.

Ohne die direkte Begegnung mit Menschen ist das schwierig - die aber ist seit etwa einem Jahr die Ausnahme. Journalistinnen und Journalisten können sich zwar aufgrund ihres Jobs auch in der Pandemie ein bisschen freier bewegen. Aber selbstverständlich ist der persönliche Kontakt mit Informanten und Zitatgebern, mit Bürgerinnen und Bürgern auf der Straße oder in Behörden gerade nicht mehr. 

Wir überlegen inzwischen, welche Recherche und welcher direkte Kontakt persönlich notwendig sind, wann ein Telefonat oder eine E-Mail reichen muss, ob wir auch Videomaterial brauchen und ein zweiter Kollege unterwegs sein muss. Unsere Arbeit hat sich verändert. 

Hinzu kommt: Die wirtschaftlichen Auswirkungen der Krise haben auch unser Medienhaus getroffen und wir müssen darauf reagieren. Seit April vergangenen Jahres sind große Teile des Verlags in Kurzarbeit, die Kolleginnen und Kollegen der Redaktion arbeiten derzeit 80 Prozent.

Viele Inhalte können Sie kostenfrei lesen - aber nicht alle

Eine Herausforderung, denn gleichzeitig ist das Interesse unserer Leserinnen und Leser an verlässlichen und relevanten Informationen gestiegen. Wir sehen das an den Zugriffszahlen im Digitalen, aber auch in unserer Abo-Entwicklung. Hochwertiger und seriöser Journalismus ist wichtiger denn je, wenn rundherum die Unsicherheit steigt. Sie finden die wichtigsten Nachrichten und Information deshalb selbstverständlich auch weiter bei uns - egal ob in der Zeitung oder digital.

All das, was unsere Leserinnen und Leser in der Pandemie wissen müssen, um sich zurechtzufinden und entsprechend handeln zu können, wird im Netz wie gehabt frei zugänglich sein. Sie finden die relevantesten Informationen zu Alltagsbeschränkungen, Lockerungen und Impfstrategie seit einem Jahr etwa täglich in unserem Corona-Newsblog. Andere Geschichten sind nur für unsere Abonnentinnen und Abonnenten zugänglich. So finanzieren wir, unter anderem, unsere Arbeit. Besonders auch jetzt.

Haben Sie vielleicht selbst Fragen, die unsere Arbeit betreffen, mit denen wir uns in einem Blogeintrag beschäftigen sollten? Schreiben Sie uns eine Mail an einsichten@schwaebische.de