Ein kleines Start-up-Unternehmen ist schneller als Google
Von unserem Redakteur Ulrich Mendelin
Der Stadtbummel durch München führt über den Stachus, vorbei am Hofbräuhaus und durch den Englischen Garten – und das alles bei strahlend blauem Himmel. Wer sich im durch die Münchner Innenstadt klickt, braucht sich um trübes Winterwetter oder Nieselregen nicht zu sorgen. Der 360-Grad-Panorama-Blick im Hofgarten zeigt München wie aus dem Bilderbuch.
Mit virtuellen Stadtansichten wollte eigentlich der amerikanische Web-Konzern Google seinen Internet-Dienst Google Maps aufpeppen. Doch Sightwalk war schneller: Während auf der Seite von Google noch immer kein einziges Bild aus Deutschland freigeschaltet worden ist, hat das Kölner Vier-Mann-Unternehmen schon sechs Stadtrundgänge ins Netz gestellt. Einer davon ist der durch München.
„Über Street-View redet jeder seit eineinhalb Jahren – wir machen es einfach“, sagt Sightwalk-Vertriebschef Leon Fuller selbstbewusst. Für Nutzer ist die Internetseite kostenlos, der Service soll sich durch Werbung finanzieren. Da ähnelt Sightwalk dem großen Bruder aus den USA. Gewerbetreibende können das Foto ihres Restaurants oder ihres Geschäfts mit einer digitalen Visitenkarte veredeln, auch virtuelle Innenansichten von Kaufhäusern sind möglich. Verlinkungen zu Informationsdiensten wie Wikipedia sollen Mehrwert für die Nutzer schaffen. Allerdings weisen die Konzepte auch Unterschiede aus. Google geht es darum, Straßen und Städte möglichst flächendeckend abzubilden. In den USA muss man schon in den endlosen Weiten Alaskas suchen, um längere Strecken unfotografierter Straßen zu finden. Dagegen beschränkt sich Sightwalk auf touristisch interessante Gebiete, vor allem in den Innenstädten. Jenseits von Schwabing ist Schluss mit dem digitalen Stadtrundgang.
Und noch etwas unterscheidet die beiden Webseiten: Während die Vorbereitungen für Street-View von einem Sturm der Entrüstung von Datenschützern, Kommunalpolitikern und besorgten Bürgern begleitet wurden, ist bei Sightwalk nur wenig davon zu hören. Zwar beurteilen die Grünen im Münchner Stadtrat die Seite als ebenso „datenschutzrechtlich bedenklich“ wie die Pläne von Google. Doch weil sie bereits vor einem Jahr mit einem Street-View-Verhinderungsantrag gescheitert sind, ist ihr Kampfeswille erloschen.
Und Leon Fuller müht sich wortreich darum, möglichen Ängsten von vornherein den Wind aus den Segeln zu nehmen: „Wir sind keine Datenkrake“, beteuert der Marketing-Mann. „Vor Sightwalk braucht man keine Angst zu haben“. Unter anderem, weil nur aus der menschlichen Augenhöhe von 1,80 bis 1,90 Meter fotografiert werde. Bei Google spähen die Kameras dagegen aus einer Höhe von drei Metern über Zäune hinweg und durch Wohnzimmerfenster.
Bei den sechs Stadtpanoramen, die über Sightwalk bereits abrufbar sind – neben München sind das Köln, Bonn, Düsseldorf, Hamburg und Berlin – soll es nicht bleiben. Schon in den nächsten Wochen will Leon Fuller den virtuellen Stadtrundgang für Stuttgart freischalten.
Vom US-Konzern Google heißt es unterdessen, die ersten Straßenansichten aus Deutschland sollen „in diesem Jahr“ ins Netz gehen. Konkretere Angaben seien derzeit leider nicht möglich.
Hier gehts zu den virtuellen Stadtrundgängen von Sightwalk.
(Erschienen: 20.01.2010 10:20)
Von unserem Redakteur Ulrich Mendelin
Der Stadtbummel durch München führt über den Stachus, vorbei am Hofbräuhaus und durch den Englischen Garten – und das alles bei strahlend blauem Himmel. Wer sich im durch die Münchner Innenstadt klickt, braucht sich um trübes Winterwetter oder Nieselregen nicht zu sorgen. Der 360-Grad-Panorama-Blick im Hofgarten zeigt München wie aus dem Bilderbuch.
Mit virtuellen Stadtansichten wollte eigentlich der amerikanische Web-Konzern Google seinen Internet-Dienst Google Maps aufpeppen. Doch Sightwalk war schneller: Während auf der Seite von Google noch immer kein einziges Bild aus Deutschland freigeschaltet worden ist, hat das Kölner Vier-Mann-Unternehmen schon sechs Stadtrundgänge ins Netz gestellt. Einer davon ist der durch München.
„Über Street-View redet jeder seit eineinhalb Jahren – wir machen es einfach“, sagt Sightwalk-Vertriebschef Leon Fuller selbstbewusst. Für Nutzer ist die Internetseite kostenlos, der Service soll sich durch Werbung finanzieren. Da ähnelt Sightwalk dem großen Bruder aus den USA. Gewerbetreibende können das Foto ihres Restaurants oder ihres Geschäfts mit einer digitalen Visitenkarte veredeln, auch virtuelle Innenansichten von Kaufhäusern sind möglich. Verlinkungen zu Informationsdiensten wie Wikipedia sollen Mehrwert für die Nutzer schaffen. Allerdings weisen die Konzepte auch Unterschiede aus. Google geht es darum, Straßen und Städte möglichst flächendeckend abzubilden. In den USA muss man schon in den endlosen Weiten Alaskas suchen, um längere Strecken unfotografierter Straßen zu finden. Dagegen beschränkt sich Sightwalk auf touristisch interessante Gebiete, vor allem in den Innenstädten. Jenseits von Schwabing ist Schluss mit dem digitalen Stadtrundgang.
Und noch etwas unterscheidet die beiden Webseiten: Während die Vorbereitungen für Street-View von einem Sturm der Entrüstung von Datenschützern, Kommunalpolitikern und besorgten Bürgern begleitet wurden, ist bei Sightwalk nur wenig davon zu hören. Zwar beurteilen die Grünen im Münchner Stadtrat die Seite als ebenso „datenschutzrechtlich bedenklich“ wie die Pläne von Google. Doch weil sie bereits vor einem Jahr mit einem Street-View-Verhinderungsantrag gescheitert sind, ist ihr Kampfeswille erloschen.
Und Leon Fuller müht sich wortreich darum, möglichen Ängsten von vornherein den Wind aus den Segeln zu nehmen: „Wir sind keine Datenkrake“, beteuert der Marketing-Mann. „Vor Sightwalk braucht man keine Angst zu haben“. Unter anderem, weil nur aus der menschlichen Augenhöhe von 1,80 bis 1,90 Meter fotografiert werde. Bei Google spähen die Kameras dagegen aus einer Höhe von drei Metern über Zäune hinweg und durch Wohnzimmerfenster.
Bei den sechs Stadtpanoramen, die über Sightwalk bereits abrufbar sind – neben München sind das Köln, Bonn, Düsseldorf, Hamburg und Berlin – soll es nicht bleiben. Schon in den nächsten Wochen will Leon Fuller den virtuellen Stadtrundgang für Stuttgart freischalten.
Vom US-Konzern Google heißt es unterdessen, die ersten Straßenansichten aus Deutschland sollen „in diesem Jahr“ ins Netz gehen. Konkretere Angaben seien derzeit leider nicht möglich.
Hier gehts zu den virtuellen Stadtrundgängen von Sightwalk.
(Erschienen: 20.01.2010 10:20)










































