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Wirtschaft

Weitere Alno-Tochter geht in die Insolvenz

Streit zwischen Küchenbauer und Liechtensteiner Großgläubiger eskaliert

Mit der Pino Küchen GmbH ist eine weiter Tochter des Pfullendorfer Küchenmöbelherstellers Alno in die Pleite gerutscht.
Mit der Pino Küchen GmbH ist eine weiter Tochter des Pfullendorfer Küchenmöbelherstellers Alno in die Pleite gerutscht.
Sebastian Korinth

Ravensburg sz Nach dem Küchenbauer Alno und seinen beiden Töchtern Gustav Wellmann GmbH & Co. KG sowie Alno Logistik & Service GmbH ist eine weitere Konzerngesellschaft in die Pleite gerutscht. Am späten Montagabend hat das Amtsgericht Hechingen für die Pino Küchen GmbH ebenfalls die vorläufige Eigenverwaltung angeordnet. Alno hatte bereits am vergangenen Freitag einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens für die Tochter mit Sitz in Coswig in Sachsen Anhalt gestellt, wollte diesen am Montag jedoch wieder zurückziehen, wenn die Gläubigerverhandlungen am Wochenende eine Einigung ergeben hätten. Dies kam jedoch nicht zustande. Zum vorläufigen Sachwalter wurde, wie bei den anderen Gesellschaften auch, der Jurist Martin Hörmann von der Kanzlei Anchor bestellt.

Wie Alno am Dienstag mitteilte soll der Geschäftsbetrieb bei Pino unverändert weiterlaufen. Für das Unternehmen arbeiten 225 Mitarbeiter, Umsatzzahlen gibt Alno nicht preis. Pino-Küchen rangieren im Konzern hinter Alno- und Wellmann-Küchen am unteren Ende der Modellpalette.

Müller und Demirtas noch im Spiel

Über den Grund des Insolvenzantrages gibt es Streit: Laut Alno wurde dieser nötig, da die Verhandlungen mit den Gläubigern von Pino – unter anderem einer Liechtensteiner Gesellschaft – nicht zu einer Einigung führten. An dieser von Alno nicht namentlich genannten Liechtensteiner Gesellschaft hält die ehemalige Alno-Finanzchefin Ipek Demirtas ein Drittel der Geschäftsanteile. Einem Bericht der Zeitschrift „Inside Wohnen“ zufolge soll auch Ex-Alno-Chef Max Müller Gesellschafter sein.

Am Dienstag nun äußerte sich die Gesellschaft, die unter First EPA Holding AG firmiert und von Michael Gassner als Vorstand geführt wird, erstmals zu den Alno-Darstellungen und widerspricht diesen. Im Gespräch mit der „Schwäbischen Zeitung“ erklärte ein First-EPA-Sprecher, dass man in der vergangenen Woche ein Angebot zur Übernahme der eigentlich gesunden Tochter vorgeschlagen habe – der Zeitschrift „Inside Wohnen“ zufolge in Höhe von 100 000 Euro –, das von Alno jedoch abgelehnt wurde. Zuvor hatte die Gesellschaft Forderungen vom Pino-Lieferanten Whirlpool im Volumen von 22,7 Millionen Euro aufgekauft und ist nach eigener Aussage aktuell der größte Gläubiger der Alno-Tochter.

Ziel ist es, so der First-EPA-Sprecher, Pino vor der Insolvenz zu bewahren. Dazu wollte man das Unternehmen auch mit zusätzlichem Eigenkapital ausstatten. Der Insolvenzantrag von Pino macht dieses Vorhaben nun erst einmal zunichte.

Symbolischer Euro

Schlimmer noch für den mutmaßlichen Retter: Mit der Insolvenz von Pino hat Alno, vertreten durch den Restrukturierungsexperten Stefan Denkhaus, die First EPA Holding angeblich aufgefordert, ihre Forderungen über 22,7 Millionen Euro für den symbolischen Betrag von einem Euro zuzüglich eines sogenannten Besserungsscheins an den Alno-Großaktionär Tahoe zu übertragen. Hinter Tahoe steht die bosnische Unternehmerfamilie Hastor, die seit Jahresanfang das Sagen hat bei dem Pfullendorfer Küchenbauer.

Ein Besserungsschein ist ein Vertrag über einen Schuldenerlass, wobei ein Teil der Schulden wiederaufleben, wenn es dem Schuldner wirtschaftlich besser geht. Im Fall von Pino ist der Besserungsschein auf maximal zehn Prozent des Nominalwertes der Forderungen (22,7 Millionen Euro) beschränkt, die die First-EPA-Holding gegenüber Pino hält. Damit wären für die First EPA Holding im besten Fall 90 Prozent der Forderungssummer und im schlechtesten Fall die Gesamtsumme verloren. „Das Angebot zielt darauf ab, die First EPA Holding AG als größte Gläubigerin der Pino Küchen GmbH durch die Hastor-Gruppe zu ersetzen, um auf diese Weise die Pino Küchen GmbH unter die unmittelbare Kontrolle der Hastor-Gruppe, unter Ausschluss externer Gläubiger, zu bringen“, hieß es in der Stellungnahme.

Der Sprecher der First EPA Holding wurde im Gespräch mit der „Schwäbischen Zeitung“ deutlicher: „Pino muss aus der Insolvenz herausgenommen werden, andernfalls wird es eine rechtliche Auseinandersetzung mit Alno geben.“

Insolvenzantrag zurückdrehen

Zwischenzeitlich will die First EPA Holding mit einem nachgebesserten Angebot – eine Million Euro im ersten Schritt und insgesamt eine mittlere siebenstellige Summe – „die handelnden Personen zur Vernunft bringen“, wie „Inside Wohnen“ berichtet. Demnach sollen die Forderungen gegen Pino durch einen Verzicht erlöschen und damit das Eigenkapital der Alno-Tochter wieder ins Positive gedreht werden. Da Müller und Demirtas sowohl zu wichtigen Lieferanten wie Whirlpool als auch zu Kunden ein nach wie vor gutes Verhältnis hätten, sehe man die Chance, den Geschäftsbetrieb bei Pino wieder zum Laufen zu bringen. Die Insolvenzgründe wären damit hinfällig, so der Plan.

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