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Photovoltaikausbau im Südwesten stagniert

Die Anfang des Jahres erlassene Freiflächenöffnungsverordnung zeigt nicht die erhofften Ergebnisse
EnBW-Solarpark bei Tuningen (Schwarzwald-Baar-Kreis).
EnBW-Solarpark bei Tuningen (Schwarzwald-Baar-Kreis).
Enbw

Stuttgart sz Der deutsche Solarmarkt ist wieder auf Wachstumskurs, doch in Baden-Württemberg werden im Bundesvergleich nur sehr wenig neue Photovoltaikanlagen gebaut. „Trotz gesunkener Stromerzeugungskosten stagniert der Ausbau“, sagte Umweltminister Franz Untersteller (Grüne) auf einem Branchentreffen am Dienstag in Stuttgart. Ein Grund dafür: das quasi komplett zum Erliegen gekommene Geschäft mit großen Freiflächenanlagen im Südwesten. Dabei hatte die schwarz-grüne Landesregierung erst im März dieses Jahres die sogenannte Freiflächenöffnungsverordnung erlassen. Ziel war es, die Wettbewerbsfähigkeit bei Photovoltaik-Ausschreibungen im Südwesten zu verbessern.

Durch die Verordnung ist es möglich, dass auch Projekte auf Acker- und Grünlandflächen in landwirtschaftlich benachteiligten Gebieten an den Ausschreibungen der Bundesnetzagentur teilnehmen können. Rund 900 000 Hektar sollen so grundsätzlich für Solarparks geöffnet werden, und ein jährlicher Ausbau von 100 Megawatt soll möglich werden, hieß es seinerzeit aus dem Umweltministerium. Nun musste Untersteller indirekt jedoch eingestehen, dass dieses Ziel nicht zu halten sei. „Der Zubau von 100 Megawatt, den ich mir wünsche, wird schwer zu erreichen sein“, sagte Untersteller.

Freiflächenanlagen mit einer Leistung größer 750 Kilowatt müssen sich seit gut zwei Jahren in einem Ausschreibungsverfahren um den Zuschlag bewerben. Die günstigsten Projekte dürfen realisiert werden. In der Mitte Juni zu Ende gegangenen Ausschreibungsrunde, in der erstmals auch Gebote für Freiflächenanlagen auf Acker- und Grünlandflächen in benachteiligten Gebieten zugelassen waren, bekam Baden-Württemberg jedoch nur einen einzigen Zuschlag – für den Solarpark in Granheim bei Ehingen (Alb-Donau-Kreis). In dieser Kategorie gingen ganze 17 Zuschläge nach Bayern. Der Nachbar im Osten hatte, wie Baden-Württemberg auch, eine solche Freiflächenöffnungsverordnung erlassen.

Carsten Tschamber, Geschäftsführer des Solar Clusters Baden-Württemberg, macht für das schlechte Abschneiden unter anderem die kleinteilige Flächenlandschaft in Baden-Württemberg verantwortlich. Während der Solarpark in Granheim stolze 41 Flurstücke umfasse, seien es in Bayern viel weniger – nämlich im Durchschnitt nicht mal vier und maximal elf. Das mache die Projektierung so kompliziert und teuer.

Bundesweit wurden in den ersten drei Quartalen dieses Jahres Solaranlagen mit einer Gesamtleistung von rund 1,1 Gigawatt installiert (2016: 790 Megawatt). Damit dürfte der jährliche Zielkorridor für Neuinstallationen von 2,5 Gigawatt für 2017 nur schwerlich zu erreichen sein.

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