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Wirtschaft

Alno-Pleite: Max Müllers langer Schatten

Der Ex-Alno-Chef will mit der ehemaligen Finanzchefin Ipek Demirtas die Alno-Tochter Pino Küchen übernehmen

Soll angeblich hinter der Liechtensteiner Gesellschaft stehen: Der ehemalige Alno-Chef Max Müller.
Soll angeblich hinter der Liechtensteiner Gesellschaft stehen: Der ehemalige Alno-Chef Max Müller.
dpa

Ravensburg sz Die ehemalige Alno-Führungsriege um Vorstandschef Max Müller und Finanzvorstand Ipek Demirtas mischt im Insolvenzverfahren des Pfullendorfer Küchenbauers kräftig mit. Anhaltspunkte dafür hatte Alno bereits am Montag geliefert. Da wurde bekannt, dass Demirtas Großaktionärin einer Liechtensteiner Gesellschaft sei, die Lieferantenforderungen der Alno-Tochter Pino Küchen GmbH aufgekauft haben soll. Einem Bericht der Zeitschrift „Inside Wohnen“ zufolge stellt sich nun heraus, dass auch Ex-Alno-Chef Max Müller hinter der Gesellschaft steht, die unter dem Namen First EPA Holding AG firmiert.

Bereits am vergangenen Freitag hatte Alno darauf hingewiesen, dass Verhandlungen mit den Pino-Gläubigern, unter anderem einer Liechtensteiner Gesellschaft, gescheitert seien. Deshalb müsse die Pino Küchen GmbH – nach der Alno AG und deren beiden Töchtern Gustav Wellmann sowie Alno Logistik & Service – in das Insolvenzverfahren einbezogen werden.

Dazu ist es nun tatsächlich gekommen. Am späten Montagabend hat das Amtsgericht Hechingen für Pino Küchen mit Sitz in Coswig in Sachsen Anhalt ebenfalls die vorläufige Eigenverwaltung angeordnet. Über den Grund des Insolvenzantrags gibt es zwischen Alno und der EPA nun jedoch Streit.

Am Dienstag äußerte sich die Liechtensteiner Gesellschaft, die von Michael Gassner als Vorstand geführt wird, erstmals zu den Alno-Darstellungen und widerspricht diesen. Im Gespräch mit der „Schwäbischen Zeitung“ erklärte ein EPA-Sprecher, dass man in der vergangenen Woche ein Angebot zur Übernahme der eigentlich gesunden Tochter gemacht habe – der Zeitschrift „Inside Wohnen“ zufolge in Höhe von 100  000 Euro –, das von Alno jedoch abgelehnt wurde. Zuvor hatte die Gesellschaft Forderungen vom Pino-Lieferanten Whirlpool im Volumen von 22,7 Millionen Euro aufgekauft und ist nach eigener Aussage aktuell der größte Gläubiger der Alno-Tochter.

Millionen im Feuer

Ziel ist es, so der EPA-Sprecher, Pino vor der Insolvenz zu bewahren. Dazu wollte man das Unternehmen auch mit zusätzlichem Eigenkapital ausstatten. Der Insolvenzantrag von Pino macht dieses Vorhaben nun erst einmal zunichte. Schlimmer noch für den mutmaßlichen Retter: Mit der Insolvenz von Pino hat Alno EPA angeblich aufgefordert, ihre Forderungen über 22,7 Millionen Euro für den symbolischen Betrag von einem Euro zuzüglich eines sogenannten Besserungsscheins an den Alno-Großaktionär Tahoe zu übertragen. Hinter Tahoe steht die bosnische Unternehmerfamilie Hastor, die seit Jahresanfang bei dem Pfullendorfer Küchenbauer das Sagen hat.

Ein Besserungsschein ist ein Vertrag über einen Schuldenerlass. Ein Teil der Schulden kann jedoch wiederaufleben, wenn es dem Schuldner wirtschaftlich besser geht. Im Fall von Pino ist der Besserungsschein auf maximal zehn Prozent des Nominalwertes der Forderungen (22,7 Millionen Euro) beschränkt. Damit wären für die Liechtensteiner Gesellschaft im besten Fall 90 Prozent der Forderungssumme und im schlechtesten Fall die Gesamtsumme verloren. Im Gespräch mit der „Schwäbischen Zeitung“ wurde der EPA-Sprecher deutlich: „Pino muss aus der Insolvenz herausgenommen werden, andernfalls wird es eine rechtliche Auseinandersetzung mit Alno geben.“

Zwischenzeitlich will die EPA mit einem nachgebesserten Angebot „die handelnden Personen zur Vernunft bringen“, wie „Inside Wohnen“ berichtet. Das Angebot, das der „Schwäbischen Zeitung“ vorliegt, lautet auf vier Millionen Euro. Zudem würden die Forderungen gegen Pino erlöschen und damit das Eigenkapital der Alno-Tochter wieder ins Positive gedreht werden. Da Müller und Demirtas sowohl zu wichtigen Lieferanten wie Whirlpool als auch zu Kunden ein nach wie vor gutes Verhältnis hätten, sehe man die Chance, den Geschäftsbetrieb bei Pino wieder zum Laufen zu bringen. Die Insolvenzgründe wären damit hinfällig, so der Plan.

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