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Alno-Insolvenzverwalter sucht neuen Investor

Martin Hörmann hat nun alle Macht bei dem Küchenbauer aus Pfullendorf - Tahoe und First Epa sind außen vor

Alno-Insolvenzverwalter Martin Hörmann.
Alno-Insolvenzverwalter Martin Hörmann.
OH

Pfullendorf sz Der Machtkampf zwischen alten Chefs und neuen Besitzern von Alno ist entschieden - zumindest wenn es um die Macht bei dem Traditionsunternehmen mit Sitz in Pfullendorf (Landkreis Sigmaringen) geht. Denn mit dem Wechsel von einem Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung zu einer Regelinsolvenz hat nach dem früheren Vorstand um die ehemalige Finanzchefin Ipek Demirtas nun auch die bosnische Unternehmerfamilie Hastor, die im vergangenen Jahr über ihre Beteiligungsgesellschaft Tahoe bei Alno eingestiegen ist, jede Einflussmöglichkeit verloren.

 „Das Unternehmen gehört mit der Insolvenz den Gläubigern“, sagt der vorläufige Insolvenzverwalter Martin Hörmann der „Schwäbischen Zeitung“. Der Partner der auf Insolvenzrecht spezialisierten Kanzlei Anchorage ist der neue starke Mann in Pfullendorf, seit der von Tahoe installierte Alno-Vorstand in der vergangenen Woche seinen Antrag auf Eigenverwaltung zurückgezogen und die Macht an Hörmann abgegeben hat. Bei einer Insolvenz in Eigenverwaltung bleibt das alte Management im Amt und versucht, in Abstimmung mit einem Sachwalter den bei Gericht vorgelegten Insolvenzplan abzuarbeiten, um das Unternehmen zu sanieren.

Keiner der Kontrahenten hat länger Einfluss

Diese Eigenverwaltung hat Tahoe nun freiwillig, wie Hörmann betont, beendet, so dass nun keiner der beiden Kontrahenten mehr Einfluss ausüben kann. Schließlich hatte bereits die Insolvenz in Eigenverwaltung der Liechtensteiner Holding First Epa von Ipek Demirtas ihre Druckmittel genommen: Die Finanzexpertin hatte Investorengeld eingesammelt und Forderungen gegenüber Alno aufgekauft, um den Küchenbauer wieder zu kontrollieren.

Die Kontrolle hat aber nun Martin Hörmann - und der lässt keinen Zweifel daran, worum es ihm geht. „Wir müssen nun Investoren finden, die sich für das Unternehmen interessieren“, erläutert Hörmann. „Wer nun aus Sicht der Gläubiger das attraktivste Angebot abgibt, der bekommt den Zuschlag - und Alno.“ Die wichtigsten Gläubiger, die im Gläubigerausschuss darüber befinden, sind die Lieferanten, die Agentur für Arbeit als Geldgeber für da Insolvenzgeld der Mitarbeiter, der Pensionssicherungsverein und die Anleihegläubiger, die zwei Alno-Anleihen in Höhe von rund 60 Millionen Euro gezeichnet haben. Tahoe und First Epa sind an der Entscheidung aller Voraussicht nach nicht beteiligt: Die seit Wochen erbittert streitenden Kontrahenten halten zwar ebenfalls Forderungen gegenüber Alno, diese sind aber wohl als nachrangig zu betrachten, weil es Forderungen von früheren Alno-Gesellschaftern sind.

Ziel: Ruhe ins Unternehmen bringen 

 „Mein Ziel ist es, Ruhe in das Unternehmen zu bringen, es zu stabilisieren, damit Alno wieder interessant wird“, sagt Hörmann. Zurzeit ist die Situation der „Schwäbische Zeitung“ aus Kundenkreisen immer noch sehr kritisch. Weil das Unternehmen seit Anfang des Jahres kaum eine Küche ohne fehlende Teile ausgeliefert hat, haben die wichtigsten Kunden das Vertrauen verloren.

Dieses verlorene Vertrauen war nach Informationen aus Unternehmenskreisen auch einer der Gründe, warum Tahoe den Antrag auf Eigenverwaltung zurückgezogen und die Macht an Hörmann abgegeben hat: Immer wieder haben Kunden signalisiert, dass sie nicht gewillt seien, mit Tahoe und den Hastors zusammenzuarbeiten. Der Grund für das Misstrauen liegt nach Informationen der „Schwäbischen Zeitung“ aus Gewerkschaftskreisen auch in der Tatsache, dass Tahoe seit langem überfällige Restrukturierungsmaßnahmen angegangen ist, dabei aber zuweilen die rauen Methoden der Autoindustrie, in der die Hastors seit langem mit dem Zulieferer Prevent aktiv sind, auf die viel sensibler reagierende Möbelindustrie übertragen hat. Als dann Lieferanten absprangen, Alno fehlerhafte Küchen auslieferte, haben viele Kunden das an den Hastors festgemacht.

Hinzu kommt - und auch daran lässt Martin Hörmann keinen Zweifel: Es gibt bei Alno Dinge aufzuarbeiten, die in der Vergangenheit liegen und unter der Ägide der früheren Vorstände geschehen sind. „Die Überprüfung einer Vielzahl von Geschäftsvorfällen unter insolvenzrechtlichen Gesichtspunkten ist komplex und wird voraussichtlich Jahre dauern“, sagt Hörmann. „Deshalb ist das Insolvenzplanverfahren in Eigenverwaltung, welches nur sehr kurze Laufzeiten hat, nicht mehr die passende Verfahrensart.“

Löhne und Gehälter bis Ende September

Die nächsten Wochen entscheiden über das Schicksal von Alno, sie entscheiden darüber, ob der Küchenbauer seine Produktion wieder in den Griff bekommt, das Vertrauen der Kunden gewinnt und einen Investor findet. „Wir hoffen, in Kürze einen oder mehrere Investoren zu finden. Bis Ende September werden die Löhne und Gehälter über das Insolvenzgeld bezahlt“, sagt Hörmann. „Anschließend muss das Unternehmen sie aus eigener Kraft erwirtschaften.“

Tahoe und First Epa sind zum Zuschauen verdammt. Sie können sich allenfalls am Verkaufsprozess beteiligen und um Alno mitbieten. Auf Anfrage der „Schwäbischen Zeitung“ wollten am Mittwoch weder die alten Chefs noch die neuen, machtlosen Besitzern die Frage beantworten, ob sie ein Gebot abgeben werden. Ein Gebot, das den Kampf um Alno für beide Seiten weiter verteuern würde: First Epa hat bislang schon rund zehn Millionen Euro in den Streit gesteckt, Tahoe ist mit weiter mehr als 70 Millionen Euro in Pfullendorf investiert.

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Kommentare (2)
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Um bei diesen Vorgängen durchzublicken, sollte man wohl mehrere Studiengänge durchlaufen haben? Man kann nur hoffen, dass die Fachleute bei der SZ den Durchblick behalten.

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Der Insolvenzverwalter solle mal bei der Sendung Höhle des Löwen vorstellig werden. Vielleicht findet er dort einen Investor.

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