Aktuelle Nachrichten
Schlecker in Österreich: „Wir bleiben eigenständig und erfolgreich“
Seit Tagen gingen Gerüchte, die Österreich-Tochter müsse notfalls für den Mutterkonzern bluten, um die Forderungen der Gläubiger tilgen zu können. Schlecker Österreich sei „definitiv nicht vom deutschen Insolvenzverfahren betroffen“, versicherte Thorsten Rusch, operativer Geschäftsführer in Österreich, gleich mehrmals während der rund eineinhalbständigen Pressekonferenz in einem Wiener Hotel.
Marktexperten bemühten Vergleiche anderer insolventer Konzerne wie Quelle oder Don Gil. Auch deren österreichische Töchter galten als profitabel und wurden letztlich doch von ihren Zentralen mit in den Konkurs gerissen.
Um die Eigenständigkeit der Austria-Tochter sichtbar zu demonstrieren, steuerte Chef-Manager Rusch souverän die Pressekonferenz, der für den unsicher wirkenden Lars Schlecker immer wieder das Wort ergriff. Gerüchten zufolge sollte der deutsche Insolvenzverwalter in Wien nicht auftreten, um den zahlreich erschienenen Journalisten keinen Anlass für Spekulationen zu liefern.
Der Sohn des Konzernpatriarchen Anton Schlecker versicherte, Familie und Insolvenzverwalter würden hart am Wiederaufbau arbeiten. Er selbst höre weiterhin auf den Rat seines Vaters. „Wer unsere Familie kennt, weiß, wir sind kämpferisch“, sagte Lars Schlecker, mehr trotzig denn entschlossen. Dann verriet der Sohn noch, nach der Sanierung werde sich sein Vater im Spätsommer endgültig zurückziehen. Er sagte dies mit einem Unbehagen, als habe er ein Geheimnis preisgegeben.
Schlecker sei in der Alpenrepublik „hervorragend unterwegs“, meinte Österreich-Chefmanager Rusch umso selbstbewusster. 2011 sei ein „siebenstelliges positives Betriebsergebnis“ zu erwarten, ebenso bei den Tochterunternehmen in Luxemburg, Belgien, Polen und Italien. 2010 erwirtschaftete Schlecker Österreich einen Jahresüberschuss von 8,7 Millionen Euro bei einem Eigenkapital von 168 Millionen Euro. Die Verbindlichkeiten betrugen 70 Millionen Euro.
Kernbotschaft des Medienauftritts war daher: „Schlecker Österreich ist auch ohne Konzernmutter überlebensfähig, die komplette Liquidität kommt aus Österreich“, versicherte Rusch. Die Konzernmutter stehe bei der Österreich-Tochter sogar mit 169 Millionen Euro in der Kreide, doch komme man während des Insolvenzverfahrens an dieses Geld nicht heran.
Warum in Österreich dasselbe Geschäftskonzept besser funktioniert als in Deutschland, begründet Lars Schlecker so: In der Alpenrepublik habe man mit Umstrukturierungen früher begonnen. Rusch sieht einen weiteren Grund in der Expansion im ländlichen Bereich. In vielen kleinen Gemeinden Österreichs sind Schleckerläden die wichtigsten Nahversorger. Dort hat man sich längst mit einem auf Familien abgestimmten Sortiment – einem Mix aus Kosmetik, Haushaltsware, Lebensmitteln und Getränken – darauf eingerichtet. Rund 20 Prozent der Lieferanten sind abgesprungen, mit dem großen Rest habe man sich auf die gleichen Konditionen wie bislang geeinigt, versicherte Rusch.
Doch in vielen dieser Gemeinden bleibt die Verunsicherung nach der Nachricht von der Insolvenz groß. Österreichische Bürgermeister fürchten, Schleckerläden würden früher oder später auch in Österreich schließen müssen. Schlecker jun. und seine Österreich-Manager verhehlten nicht, dass weniger ertragreich laufende Geschäfte geschlossen würden, doch würden an besseren Standorten neue entstehen. In der Summe werde es auch nach der Umbauphase Ende 2012 in Österreich, wie gegenwärtig, rund 900 Schleckerläden geben. Auch werde die Zahl der Beschäftigten, rund 3000, nicht viel geringer sein als heute.
Mit 23 Prozent Reichweite ist Schlecker die drittgrößte Drogeriekette in Österreich, nach dem Platzhirsch Bipa (43 Prozent) und dem dm-Konzern (31 Prozent). Laut dem Linzer Marketing-Institut Imas verlor Schlecker in den letzten drei Jahren in Österreich etwa 300000 Kunden, das bedeutet ein Minus von 16 Prozent, in Wien sogar von 59 Prozent.
Der berüchtigt miserable Umgang der alten Konzernführung mit den Beschäftigten stieß freilich auch in Österreich auf Empörung. Mit tadelndem Unterton wurde Schlecker jun. in Wien gefragt: „Werden Sie künftig ein bissl netter sein zur Ihren Mitarbeitern?“ Der künftige Konzernchef beichtete mit leicht verlegenem Lächeln, man habe sich bereits „neue Führungsgrundsätze“ gegeben. Er garantiere, er setze auf Offenheit und Transparenz und wolle sich dafür einsetzen, dass die Mitarbeiter in Österreich entsprechend dem Kollektivvertrag bezahlt würden.
(Erschienen: 08.02.2012 23:35)
| Themendossier: Schlecker - der Ehinger Drogerieriese |
Seit Tagen gingen Gerüchte, die Österreich-Tochter müsse notfalls für den Mutterkonzern bluten, um die Forderungen der Gläubiger tilgen zu können. Schlecker Österreich sei „definitiv nicht vom deutschen Insolvenzverfahren betroffen“, versicherte Thorsten Rusch, operativer Geschäftsführer in Österreich, gleich mehrmals während der rund eineinhalbständigen Pressekonferenz in einem Wiener Hotel.
Marktexperten bemühten Vergleiche anderer insolventer Konzerne wie Quelle oder Don Gil. Auch deren österreichische Töchter galten als profitabel und wurden letztlich doch von ihren Zentralen mit in den Konkurs gerissen.
Um die Eigenständigkeit der Austria-Tochter sichtbar zu demonstrieren, steuerte Chef-Manager Rusch souverän die Pressekonferenz, der für den unsicher wirkenden Lars Schlecker immer wieder das Wort ergriff. Gerüchten zufolge sollte der deutsche Insolvenzverwalter in Wien nicht auftreten, um den zahlreich erschienenen Journalisten keinen Anlass für Spekulationen zu liefern.
Der Sohn des Konzernpatriarchen Anton Schlecker versicherte, Familie und Insolvenzverwalter würden hart am Wiederaufbau arbeiten. Er selbst höre weiterhin auf den Rat seines Vaters. „Wer unsere Familie kennt, weiß, wir sind kämpferisch“, sagte Lars Schlecker, mehr trotzig denn entschlossen. Dann verriet der Sohn noch, nach der Sanierung werde sich sein Vater im Spätsommer endgültig zurückziehen. Er sagte dies mit einem Unbehagen, als habe er ein Geheimnis preisgegeben.
Schlecker sei in der Alpenrepublik „hervorragend unterwegs“, meinte Österreich-Chefmanager Rusch umso selbstbewusster. 2011 sei ein „siebenstelliges positives Betriebsergebnis“ zu erwarten, ebenso bei den Tochterunternehmen in Luxemburg, Belgien, Polen und Italien. 2010 erwirtschaftete Schlecker Österreich einen Jahresüberschuss von 8,7 Millionen Euro bei einem Eigenkapital von 168 Millionen Euro. Die Verbindlichkeiten betrugen 70 Millionen Euro.
Kernbotschaft des Medienauftritts war daher: „Schlecker Österreich ist auch ohne Konzernmutter überlebensfähig, die komplette Liquidität kommt aus Österreich“, versicherte Rusch. Die Konzernmutter stehe bei der Österreich-Tochter sogar mit 169 Millionen Euro in der Kreide, doch komme man während des Insolvenzverfahrens an dieses Geld nicht heran.
Warum in Österreich dasselbe Geschäftskonzept besser funktioniert als in Deutschland, begründet Lars Schlecker so: In der Alpenrepublik habe man mit Umstrukturierungen früher begonnen. Rusch sieht einen weiteren Grund in der Expansion im ländlichen Bereich. In vielen kleinen Gemeinden Österreichs sind Schleckerläden die wichtigsten Nahversorger. Dort hat man sich längst mit einem auf Familien abgestimmten Sortiment – einem Mix aus Kosmetik, Haushaltsware, Lebensmitteln und Getränken – darauf eingerichtet. Rund 20 Prozent der Lieferanten sind abgesprungen, mit dem großen Rest habe man sich auf die gleichen Konditionen wie bislang geeinigt, versicherte Rusch.
Doch in vielen dieser Gemeinden bleibt die Verunsicherung nach der Nachricht von der Insolvenz groß. Österreichische Bürgermeister fürchten, Schleckerläden würden früher oder später auch in Österreich schließen müssen. Schlecker jun. und seine Österreich-Manager verhehlten nicht, dass weniger ertragreich laufende Geschäfte geschlossen würden, doch würden an besseren Standorten neue entstehen. In der Summe werde es auch nach der Umbauphase Ende 2012 in Österreich, wie gegenwärtig, rund 900 Schleckerläden geben. Auch werde die Zahl der Beschäftigten, rund 3000, nicht viel geringer sein als heute.
Mit 23 Prozent Reichweite ist Schlecker die drittgrößte Drogeriekette in Österreich, nach dem Platzhirsch Bipa (43 Prozent) und dem dm-Konzern (31 Prozent). Laut dem Linzer Marketing-Institut Imas verlor Schlecker in den letzten drei Jahren in Österreich etwa 300000 Kunden, das bedeutet ein Minus von 16 Prozent, in Wien sogar von 59 Prozent.
Der berüchtigt miserable Umgang der alten Konzernführung mit den Beschäftigten stieß freilich auch in Österreich auf Empörung. Mit tadelndem Unterton wurde Schlecker jun. in Wien gefragt: „Werden Sie künftig ein bissl netter sein zur Ihren Mitarbeitern?“ Der künftige Konzernchef beichtete mit leicht verlegenem Lächeln, man habe sich bereits „neue Führungsgrundsätze“ gegeben. Er garantiere, er setze auf Offenheit und Transparenz und wolle sich dafür einsetzen, dass die Mitarbeiter in Österreich entsprechend dem Kollektivvertrag bezahlt würden.
(Erschienen: 08.02.2012 23:35)
Themendossiers
In loser Folge stellen wir im Wirtschaftsteil der Schwäbischen Zeitung sowie auf Schwäbische.de alte Unternehmen aus der Region vor. Unsere Reporter haben Weltmarktführer und Familienfirmen, Handwerksbetriebe und Industrieriesen besucht: allesamt Unternehmen, die seit 100 Jahren und mehr die Wirtschaft auf der Alb, in Oberschwaben und am Bodensee prägen. Porträtiert werden neben Steiff unter anderem der Maschinenbauer Voith aus Heidenheim, der Holzhändler Habisreutinger aus Weingarten, der Kunststoffspezialist Hüni aus Friedrichshafen und Kürschner Mayer aus Wangen.
mehr










































