Bundesligavorschau
Mönchengladbach: Chance statt Chaos
Der Entwicklungshelfer
Favre ist kein Kauz. Er ist ein penibler Arbeiter, der nichts dem Zufall überlassen will und den Teamgedanken hegt und pflegt. „Wir haben gelernt, dass das Kollektiv wichtig ist“, sagt sein Spieler Dante, „und wir lernen jeden Tag dazu.“ Sportdirektor Max Eberl singt das hohe Lied auf seinen Cheftrainer: „Favre will nicht die besten Fußballer kaufen. Er will sie entwickeln.“ Das ist schön. Unschön ist halt, wenn die Konkurrenz Favre seinen besten Spieler wegkauft, wie in diesem Fall Borussia Dortmund den Nationalstürmer Marco Reus, der ab der kommenden Saison für Dortmund stürmen wird. „Ich kann kein Geheimnis aus meiner Enttäuschung machen“, sagte Lucien Favre daraufhin. Dass diese Enttäuschung von Dortmund mit 17,5 Millionen Euro Ablöse gelindert wird, ist für den Trainer nur ein schwacher Trost. Das Adieu von Roman Neustädter, der nach Saisonschluss ablösefrei zu Schalke geht, trifft die Borussia ebenfalls ins Herz. Und nun macht auch noch Abwehrchef Dante Zicken: „Mein Berater regelt, ob ich bleibe, oder nicht. Ich weiß nur, dass mein Vertrag in Gladbach bis 2014 läuft.“ Die Schlagzeilen, dass jetzt und hier ein Erfolgsteam auseinanderfalle, schlagen dem Sportdirektor aufs Gemüt: „Kein Verein verliert gern wichtige Spieler“, sagt Eberl. „ Aber es ist für Mönchengladbach auch eine Chance, den nächsten Schritt zu gehen.“
Da Gladbach als Tabellenvierter von allen Vereinen des Spitzenquartetts die mit Abstand schwächste Trefferquote hat – nur jeder zehnte Torschuss fand sein Ziel – darf für die nächste Saison nicht allzu rosig gesehen werden. Was die Rückrunde angeht, so lassen der wahrlich beispielhafte Teamgeist und die Kampfmoral hoffen – und die Verpflichtung des Finnen Alexander Ring von HJIK Helsinki. Stürmer Mike Hanke glaubt felsenfest daran, dass der bevorstehende Reus-Transfer keine Blockaden auslösen wird: „Wir sind so sehr gefestigt, dass wir diese Saison keinen Einbruch bekommen und eine ähnlich erfolgreiche Rückrunde spielen werden wie die Hinrunde. Egal, ob am Ende fünf Spieler gehen sollten, das können wir sowieso nicht beeinflussen.“
Kein Chaos
Auch der Trainer hält den Ball flach: „Wir haben jetzt 33 Punkte, stehen auf dem vierten Tabellenplatz, im DFB-Pokalviertelfinale, wir haben noch alle Spieler an Bord und im Sommer stehen uns 17,5 Millionen Euro zur Verfügung. Das sind Fakten, bei denen ich mich schwertue, von einem Chaos zu sprechen.“
Chaos gibt es unter Lucien Favre prinzipiell nicht, weder theretisch noch praktisch. Wichtig ist ihm nämlich bei aller persönlichen Wertschätzung nicht der Spieler, sondern das Spielsystem, so dass die „Rheinische Post“ schon mal von „Borussia Barcelona“ schrieb, was vielleicht doch lokalpatriotisch ein bisschen zu hoch gehängt ist. Mönchengladbach hat nämlich weder einen Xavi, noch einen Iniesta, noch einen Messi. Dafür Lucien Favre. Der ist nicht ganz so spektakulär, aber am Niederrhein eine Qualitätsgarantier; eine ausgesprochen polyvalente.
(Erschienen: 12.01.2012 17:05)
Der Entwicklungshelfer
Favre ist kein Kauz. Er ist ein penibler Arbeiter, der nichts dem Zufall überlassen will und den Teamgedanken hegt und pflegt. „Wir haben gelernt, dass das Kollektiv wichtig ist“, sagt sein Spieler Dante, „und wir lernen jeden Tag dazu.“ Sportdirektor Max Eberl singt das hohe Lied auf seinen Cheftrainer: „Favre will nicht die besten Fußballer kaufen. Er will sie entwickeln.“ Das ist schön. Unschön ist halt, wenn die Konkurrenz Favre seinen besten Spieler wegkauft, wie in diesem Fall Borussia Dortmund den Nationalstürmer Marco Reus, der ab der kommenden Saison für Dortmund stürmen wird. „Ich kann kein Geheimnis aus meiner Enttäuschung machen“, sagte Lucien Favre daraufhin. Dass diese Enttäuschung von Dortmund mit 17,5 Millionen Euro Ablöse gelindert wird, ist für den Trainer nur ein schwacher Trost. Das Adieu von Roman Neustädter, der nach Saisonschluss ablösefrei zu Schalke geht, trifft die Borussia ebenfalls ins Herz. Und nun macht auch noch Abwehrchef Dante Zicken: „Mein Berater regelt, ob ich bleibe, oder nicht. Ich weiß nur, dass mein Vertrag in Gladbach bis 2014 läuft.“ Die Schlagzeilen, dass jetzt und hier ein Erfolgsteam auseinanderfalle, schlagen dem Sportdirektor aufs Gemüt: „Kein Verein verliert gern wichtige Spieler“, sagt Eberl. „ Aber es ist für Mönchengladbach auch eine Chance, den nächsten Schritt zu gehen.“
Da Gladbach als Tabellenvierter von allen Vereinen des Spitzenquartetts die mit Abstand schwächste Trefferquote hat – nur jeder zehnte Torschuss fand sein Ziel – darf für die nächste Saison nicht allzu rosig gesehen werden. Was die Rückrunde angeht, so lassen der wahrlich beispielhafte Teamgeist und die Kampfmoral hoffen – und die Verpflichtung des Finnen Alexander Ring von HJIK Helsinki. Stürmer Mike Hanke glaubt felsenfest daran, dass der bevorstehende Reus-Transfer keine Blockaden auslösen wird: „Wir sind so sehr gefestigt, dass wir diese Saison keinen Einbruch bekommen und eine ähnlich erfolgreiche Rückrunde spielen werden wie die Hinrunde. Egal, ob am Ende fünf Spieler gehen sollten, das können wir sowieso nicht beeinflussen.“
Kein Chaos
Auch der Trainer hält den Ball flach: „Wir haben jetzt 33 Punkte, stehen auf dem vierten Tabellenplatz, im DFB-Pokalviertelfinale, wir haben noch alle Spieler an Bord und im Sommer stehen uns 17,5 Millionen Euro zur Verfügung. Das sind Fakten, bei denen ich mich schwertue, von einem Chaos zu sprechen.“
Chaos gibt es unter Lucien Favre prinzipiell nicht, weder theretisch noch praktisch. Wichtig ist ihm nämlich bei aller persönlichen Wertschätzung nicht der Spieler, sondern das Spielsystem, so dass die „Rheinische Post“ schon mal von „Borussia Barcelona“ schrieb, was vielleicht doch lokalpatriotisch ein bisschen zu hoch gehängt ist. Mönchengladbach hat nämlich weder einen Xavi, noch einen Iniesta, noch einen Messi. Dafür Lucien Favre. Der ist nicht ganz so spektakulär, aber am Niederrhein eine Qualitätsgarantier; eine ausgesprochen polyvalente.
(Erschienen: 12.01.2012 17:05)
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