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Arne Gabius nimmt in Istanbul den nächsten Anlauf

Arne Gabius trainiert sich seit sieben Monaten selbst. Foto: Thomas Frey
dpa

Istanbul (dpa) - Niels Arne Gabius ist ein Phänomen. Profisportler und Arzt gibt er als Beruf an. Er trainiert sich seit sieben Monaten selbst. Ausgerechnet im Olympia-Jahr muss er ohne Sponsor und Ausrüster über die Runden kommen.

Seit 16 Jahren ist der Mann Vegetarier, Mittagschlaf soll ihn schnell für die 5000 Meter machen. Als Leichtathlet bekommt er gerade die zweite Luft für den großen Coup. Und er dürfte wohl der einzige Sportler weit und breit sein, der von einem Rapper („ich bin hochbe-Gabius“) besungen wird. Eins steht fest: Der Dauerläufer Arne Gabius hat einen langen Atem.

„Nicht mal der Dieter Baumann hat ein eigenes Lied bekommen“, sagt Gabius in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. Das klingt lustig, doch der 30-Jährige meint es ganz ernst. Denn Dieter Baumann, 1992 Olympiasieger über 5000 Meter, war bis Juli 2011 sein Trainer. Über sechs Jahre lang, doch „die Zeiten wurden nicht besser, der Kracher blieb aus. Da fragt man sich: woran liegt es?“, meint Gabius, der in dieser Hallensaison schon mit Top-Zeiten glänzte. Sogar einen Baumann-Rekord (3000 Meter) hätte er fast ausgelöscht. Bei der Hallen-WM in Istanbul nimmt er den nächsten Anlauf.

Dennoch hegt er keinen Groll. „Diese Jahre bei Dieter waren einfach wichtig. Mit dem Baumann-Training habe ich sechseinhalb Jahre lang das Fundament gelegt. Jetzt kann ich in die Höhe bauen“, erklärt Gabius. Und: „Ich habe vieles anders gemacht.“ Vor allem hat der Hamburger, der für den LAV Tübingen startet, sein Training „radikal verändert. Die Qualität hat sehr stark zugenommen, da braucht man viel mehr Regenerationszeit.“ Die hat er jetzt. „Eigentlich ist Mittagschlaf das Zauberwort - zwei, drei Stunden schlafen, bevor man die zweite Trainingseinheit macht.“

Es gab Zeiten, da musste er früh um halb fünf raus, bei Wind und Wetter. Oft mit der Stirnlampe, trainieren. Dann um 7 Uhr zum Praktikum ins Krankenhaus. „Ich ziehe das Studium durch“, hatte er sich und seiner Freundin geschworen, seit fast einem Jahr hat er die Approbation als Arzt. Doch die Operation Olympia ist dem Tübinger erst einmal wichtiger, die Normzeit des Deutschen Leichtathletik- Verbandes (DLV) für die 5000 Meter steht bei 13:18 Minuten. Einmal muss er sie laufen, aber er hat „halt nur zwei Chancen“: Hengelo Ende Mai und Oslo am 7. Juni. „Es sind immer Risiken dabei.“

Vom Verband fühlt sich Arne Gabius alleingelassen. „Unterstützt werde ich nur von meinen Eltern, meiner Freundin und meinem Verein“, meint der deutsche Serienmeister. „Mit dem DLV bin ich nicht per du. Der zahlt mir im Jahr 300 Euro als Trainingslager-Zuschuss.“

Die Trainingscamps in Kenia finanzierte sein Verein. Nur im Hochland, weiß Gabius, kann er sich fit machen für sein größtes Ziel: Olympia - und 13:05 Minuten. Nach einem Zwei-Meilen-Rennen am 18. Februar in Birmingham, als Gabius deutsche Hallenbestleistung rannte, kam Weltmeister Mo Farah auf ihn zu und sagte: „Arne, du bist der nächste Weiße, der die 5000 Meter unter 13 Minuten läuft.“ Bis dahin fehlen dem rennenden Autodidakten noch 26,69 Sekunden.

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