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Relegation zur Bezirksliga: Zehn wackere Aalener mit kühlem Kopf

SSV-Fußballer besiegen Mergelstetten in der Relegation in Unterzahl vom Punkt mit 8:7

Jubel pur beim SSV Aalen. 100 Minuten musste die Mannschaft von Günther Niggel in Unterzahl überstehen, um letztlich im Elfmeterschießen im zweiten Relegationsspiel erfolgreich zu sein.
Jubel pur beim SSV Aalen. 100 Minuten musste die Mannschaft von Günther Niggel in Unterzahl überstehen, um letztlich im Elfmeterschießen im zweiten Relegationsspiel erfolgreich zu sein.
Peter Schlipf

Aalen sz Was für eine unfassbare kämpferische Leistung des SSV Aalen. Nachdem Kapitän Gianfranco Gandolfo bereits nach 20 Minuten und beim Stand von 1:2 Gelb-Rot gesehen hat, haben sich die Aalener bis ins Elfmeterschießen gerettet - und im zweiten Relegationsspiel zur Fußball-Bezirksliga gegen den SV Mergelstetten am Ende mit 8:7 gewonnen. Die Mannschaft von Günther Niggel ist damit nur noch einen Sieg von der Bezirksliga entfernt. Am Samstag (16 Uhr) geht es gegen den (Noch-)Bezirksligisten FV Burgberg auf dem Sportplatz in Steinheim um alles. „Wir haben super gekämpft und die Räume entscheidend zugemacht“, freute sich Niggel nach dem Weiterkommen.

Irrwitziger Auftakt

Die erste Halbzeit war nichts für schwache Nerven, es verging fast keine Minute, in der nicht irgendetwas passiert ist. Die zweite Minute war gerade angebrochen, da zirkelte Mergelstettens Marcel Frischling einen Freistoß aus rund 20 Metern unter die Latte. Die Zuschauer hatten noch nicht einmal richtig Platz genommen im Spieselstadion. Ohnehin wurde die Partie wegen des großen Andrangs, rund 1000 Zuschauer wollten dieses Spiel zwischen den Vizemeistern der A II und der A III sehen, rund fünf Minuten später angepfiffen - das hatte sich gelohnt. Der SSV wirkte nicht geschockt, sondern spielte nun nach vorne, ohne jedoch Zwingendes zustande zu bringen. Also musste auch hier ein Standard helfen. Gianfranco Gandolfo schnappte sich das Leder im Halbfeld und dieses wurde aus großer Distanz immer länger, bis es schließlich, an Freund und Feind vorbei, zum 1:1 im Netz landete (8.).

In diesem Rhythmus ging es weiter. Einem schnell vorgetragenen Angriff Mergelstettens hatte der SSV, der vor allem in der ersten Halbzeit auf der eigenen linken Abwehrseite seine Probleme hatte, nichts entgegen zu setzen. Tim Stampf bediente den freistehenden Denis Baamann, der keine Probleme aus kurzer Distanz hatte - 2:1 für den SVM, gerade einmal eine Viertelstunde war da gespielt.

Gandolfo fliegt runter

Fünf Minuten später zeigte der Unparteiische Johannes Röhrig dann Gandolfo Gelb-Rot (20.), weil er einen Freistoß vor dem Pfiff ausgeführt hatte - eine harte Entscheidung, die im Spiesel allgemeines Kopfschütteln auslöste. Niggel war deutlicher: „Schwachsinn - und ein enormer Verlust für uns.“

1:2 hinten, nur noch zu zehnt, Dreiviertel der Partie waren noch zu gehen, die Chance auf ein Weiterkommen schien in diesem Moment verschwindend gering. Doch beim SSV gibt man auf solche Momentaufnahmen scheinbar nichts. Es gibt nicht nur Gandolfo, der Freistöße treten kann, so schnappte sich SSV-Routinier Rene Hammerl das Leder. Dieses klatschte mit Hilfe des Mergelstetter Schlussmanns an den Pfosten, wo auch Steffen Michel stand und zum 2:2 abstaubte (21.). Fast im Gegenzug wären die Mergelstetter wieder in Führung gegangen, doch Tobias Reinhardt kratzte das Leder soeben noch von der Linie. Der SVM erhöhte nun weiter den Druck. Wieder von rechts flankte Frischling und wieder war es Baamann, der diesmal per Kopf die erneute Führung markierte (33.). Zwei Minuten später versuchte es der SVM wieder über rechts, doch diesmal passte SSV-Schlussmann Heiko Maier auf (35.). Eine Minute später war Stampf an Maier vorbei, wurde dabei aber zu weit nach außen gedrängt und vergab schließlich kläglich (36.). Wieder schien der SSV zu wackeln - doch wieder fiel er nicht. Im Gegenteil. Nach einer Ecke Sekunden vor dem Pausenpfiff war es Aalens Torjäger Semir Velagic, der per Kopf zum 3:3-Pausenstand traf.

Nach dieser spektakulären ersten Hälfte konnte die zweite nur schlechter werden, was die 22 Akteure auf dem Platz auch prompt in die Tat umsetzten. Mergelstetten wusste plötzlich nichts mehr mit der Überzahl anzufangen, der SSV verschob in seinen Reihen clever. Maier passte bei einem Versuch von Enes Say gut auf (53.), dann parierte er nochmals einen Freistoß von Frischling stark (72.). Velagic schlug eine Kerze, die an die Latte klatschte und Luca Kaufmann wäre nach einem klasse Solo fast mit einem Treffer belohnt worden, scheiterte aber an SVM-Schlussmann Jonas Haas (86.) - Verlängerung. Diese nahm erst in der zweiten Hälfte an Fahrt auf. In der 110. Minute war es wieder Maier, der gegen Say stark parierte, zwei Minuten später klärte Timo Hägele für den zu früh aus dem Tor geeilten Maier erneut auf der Linie. Die Entscheidung sollte somit vom Punkt fallen. Hier trafen die Aalener Hammerl, Hägele, Michel und Merk, während bei Mergelstetten Say an Maier scheiterte. Luca Kaufmann war es vorbehalten, den letzten Strafstoß zu schießen - und zu treffen. Der SSV gewinnt auch das zweite Spiel, was wieder enorme Kräfte gekostet hat. Doch diesen SSV darf man nicht abschreiben, mit dieser Leidenschaft ist der Niggel-Elf alles zuzutrauen.

SSV: Maier - Hammerl, Hägele, Reinhardt, Michel, Merk, Kaufmann, Gandolfo, N. Frank, Velagic (95. Goth) , L. Frank (70. Bauer). Bes. Vorkommnis: Gandolfo sieht Gelb-Rot (20.). Tore: 0:1 Frischling (2.), 1:1 Gandolfo (8.), 1:2, 2:2 Michel (21.), 2:3 beide Baamann (15., 33.), 3:3 Velagic (45.+2).

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