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„Putze mir vor jedem Spiel meine Zähne“

United Volleys-Mittelblocker Tobias Krick über sich selbst und die tolle EM
Tobias Krick, Mittelblocker der United Volleys (hier im Gespräch mit Trainer Michael Warm), will in der neuen Saison eine Finale erreichen.
Tobias Krick, Mittelblocker der United Volleys (hier im Gespräch mit Trainer Michael Warm), will in der neuen Saison eine Finale erreichen.
günter kram

Frankfurt sz Am 3. September hat für Tobias Krick eine neue Zeitrechnung begonnen. Seit dem Gewinn der Silbermedaille bei der Europameisterschaft denkt der Mittelblocker in Volleyball-Zyklen. „Am zweiten Bundesliga-Spieltag werde ich 19“, schmunzelt der Youngster, der im Finale gegen Russland (2:3) eine grandiose Leistung zeigte. Christian Schyma sprach mit der Nachwuchs-Hoffnung der United Volleys über die Wochen nach der EM und seine sportlichen Ziele.

Knapp sechs Wochen liegt das tolle Finale (2:3 gegen Russland) nun zurück. Hat man den Erfolg überhaupt schon realisiert, wie sieht die Gemütslage bei Ihnen aus?

Ein wenig habe ich es inzwischen schon verarbeiten können. Wenn ich aber im Internet, auf Facebook und Instagram die Bilder sehe, komme ich auch ins Grübeln: Wäre da nicht noch mehr drin gewesen? Was wäre gewesen wenn? Natürlich freut man sich über Silber, war aber auch so nah dran an Gold. Deshalb ist es auch schon etwas bitter.

Es gab viele Gratulanten. Wie haben Sie das öffentliche, das Interesse der Medien wahrgenommen?

In den ersten Tagen gab es viele Anfragen von Zeitungen, auch vom Fernsehen. In dieser Form habe ich das noch nie erlebt. Als Sportler freut man sich natürlich über diese Popularität. Und darüber, dass man mal im Gespräch ist – sonst sind es immer die Fußballer. Es ist eine große Ehre für den Volleyball, auch mal ins ZDF-Sportstudio eingeladen zu werden wie Lukas Kampa und Bundestrainer Andrea Giani.

Was war das Geheimnis des Erfolgs in Polen?

Unser guter Teamspirit, kein Zweifel. Jeder hatte Lust, zu gewinnen. Das war das Entscheidende. Und wenn das ganze Team gewinnen will, dann gelingen einem auch Punkte in Phasen, in denen es darauf ankommt.

Wie schafft man es als 18-Jähriger, so cool und abgezockt in ein Finale zu gehen?

Auch wenn man es vielleicht nicht gesehen hat, war ich sehr nervös. Schließlich habe ich zwei Jahre zuvor noch in der 2. Liga gespielt – und stand plötzlich gegen Russland im EM-Finale. Da fragt man sich schon, was geht denn hier ab. Aber mit der Zeit legte sich das. Ich habe alles ausgeblendet, war wie im Tunnel. Und irgendwann merkt man, dass die Russen auch nur mit Wasser kochen.

Was bedeutet dieser Erfolg für Ihre sportliche Entwicklung?

Natürlich gibt es nach solch einem Erfolg während der Saison mal Angebote. Aber meine ganze Priorität gilt den United Volleys. Es ändert nichts daran, dass sie meine Nummer eins sind. Ich bin noch Schüler, werde im nächsten Jahr das Abitur machen.

Was rechnen Sie sich in dieser Saison mit den United Volleys aus?

Wir wollen wieder oben mitspielen. Ziel ist es aber auch, weiterzukommen als in der vergangenen Saison. In irgendeinem Finale wollen wir schon stehen – in der Meisterschaft, im Pokal oder im CEV-Cup.

Kann der EM-Erfolg auch die Bundesliga beflügeln?

Ich hoffe, aber es wird sehr schwierig. Zuletzt ist unser Sport etwas in den Hintergrund geraten. Ich bin Schalke-Fan, doch auch mir läuft inzwischen zu viel Fußball im Fernsehen. Wir Spieler können aber nur wenig Einfluss darauf nehmen, vielmehr müssen die Fernsehsender reagieren. Es müssen sich noch viel mehr Leute für Volleyball begeistern.

Viele Spieler haben ein Ritual. Schnüren Sie sich auch zuerst den linken Schuh, bevor sie aufs Spielfeld laufen?

Nein, das nicht. Klingt vielleicht seltsam, aber ich putze mir vor jedem Spiel meine Zähne. Das habe ich mal vor einem Spiel der U17-Nationalmannschaft gemacht – und es lief danach sehr gut. Seitdem habe ich es beibehalten, auch vor jedem Training. Und natürlich auch vor dem EM-Finale.

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