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Eschach ist erfolgreich ohne Kohle-Kicker

TSV klettert in zwölf Jahren von der Kreisliga B auf Platz fünf der Landesliga

TSV-Urgestein: Patrik Rudorf kickt seit 1990 für die Eschacher Jugend, seit 2003 hat er auch bei den Aktiven alle Höhen und Tiefen miterlebt.
TSV-Urgestein: Patrik Rudorf kickt seit 1990 für die Eschacher Jugend, seit 2003 hat er auch bei den Aktiven alle Höhen und Tiefen miterlebt.
Christian Metz

Eschach sz Der TSV Eschach ist die Überraschungsmannschaft der abgelaufenen Landesliga-Saison. Der Aufsteiger kletterte mit dem 3:0-Derby-Sieg beim FV Ravensburg II am letzten Spieltag noch auf Platz fünf (48 Punkte) – der nächste Höhepunkt in einer nunmehr fast 15 Jahre andauernden Erfolgsgeschichte.

Patrik Rudorf ist der Kapitän des TSV Eschach. Der 32-Jährige stieg 1990 bei den Bambini des TSV ein und ist dem Verein bis heute treu geblieben. Rudorf, der im echten Leben Teamleiter in der Logistik bei BorgWarner in Markdorf ist, hat als Aktiver den ganzen Weg der Eschacher aus der Kreisliga B bis in die Landesliga mitgemacht. Im Mai 2003, kurz nach seinem 18. Geburtstag, hat Rudorf die ersten Spiele bei den Aktiven absolviert und dann alle Höhepunkte hautnah miterlebt: Den Aufstieg in die Kreisliga A im Jahr 2005 über die Relegation. 2010 den Aufstieg in die Bezirksliga. Und schließlich den Weg vom gerade noch über die Relegation gesicherten Bezirksliga-Klassenerhalt 2015 bis zu Platz fünf in der Landesliga 2017.

„An die Landesliga war eigentlich nie zu denken“, sagt Rudorf – schon gar nicht im Jahr 2003, als der TSV sportlich am Tiefpunkt angelangt war. Der Plan, ganz auf junge Spieler zu setzen, ging aber nach und nach auf – und Rudorf erinnert sich noch gut daran, wie der damalige Fußball-Abteilungsleiter Klaus Großmann die Devise ausgegeben hat: „Ohne Kohle-Kicker in die Bezirksliga.“

Kein Geld für Spieler

Bis heute gibt es beim TSV kein Geld für die Spieler. Der Verein lobt zwar Prämien aus, aber die wandern in eine Kasse, aus der gemeinsame Aktionen bezahlt werden. „Unsere Stärke ist ein echtes Miteinander“, sagt Patrik Rudorf. „Wir haben vielleicht nicht so professionelle Strukturen wie andere. Dafür haben wir viel Spaß und unternehmen auch viel zusammen.“ Davon fühlten sich offenbar auch Spieler von außen angezogen: „Schon in der Kreisliga A haben wir einige gute Jungs aus dem Umfeld – wie zum Beispiel Julian Glonnegger oder Holger Weilekes - dazu bekommen.“ Wie viele Vereine der Region profitierten die Eschacher dabei aber auch von der Jugendarbeit des FV Ravensburg: Glonnegger oder im aktuellen Team unter anderem Manuel Ruess – viele Spieler bringen vom FV eine gute fußballerische Ausbildung mit.

Zusammen hat die Mannschaft einiges durchgestanden. Eines der persönlichen Highlights von Patrik Rudorf: „Der Schlusspfiff im Relegationsspiel 2015.“ Mit einem 2:1-Sieg gegen den SV Bergatreute sicherte der TSV damals die Klasse. „Martin Blank (Anm. d. Red.: heute Sportlicher Leiter) hatte einen großen Anteil daran, dass wir den Klassenerhalt geschafft haben. Er hat, als er als Trainer eingesprungen ist, unglaublich viel bewegt.“ Und danach Jens Rädel zurückgeholt, unter dem der TSV Eschach noch einmal einen riesigen Sprung gemacht hat. „Jens hat uns von Beginn an das Vertrauen gegeben, dass wir besser sind als das, was wir in der Saison vorher gespielt haben“, erinnert sich Rudorf. „Das hat schon in der Vorbereitung begonnen. Und Mitte der Saison waren wir dann richtig im Fluss und haben 15 Spiele in Serie nicht verloren. Jeder hat gesehen: Da geht mehr als Abstiegskampf.“

In der Tat: es ging Meisterschaft. „Wir hatten den Vorteil, dass wir der kleine Dritte waren“, sagt der Kapitän. „Alle haben sich auf das Duell zwischen Heimenkirch und Haisterkirch konzentriert - und wir konnten in Ruhe arbeiten.“ Ausgerechnet 2016, im Jahr des 50. Bestehens des Vereins, konnte der TSV Eschach im Fußball den größten Erfolg der Vereinsgeschichte feiern. Für Patrik Rudorf einer der Höhepunkte seiner Karriere: „Dass ich die Mannschaft als Kapitän beim ersten Landesliga-Spiel der Vereinsgeschichte aufs Feld führen durfte.“ Das mit dem größten Erfolg hat sich inzwischen schon wieder überholt. „Der größte Erfolg ist Platz fünf in der Landesliga“, legt sich Rudorf fest. „Niemand hatte uns das vor der Saison zugetraut.“ Ein wichtiger Pfeiler für den Erfolg war die Rückkehr von Benedikt Böning vom SV Kehlen. Der Offensiv-Leader zog gleich in die Top-Five der Landesliga-Torschützen ein. Überhaupt ist es die starke Offensive, die dem TSV die gute Saison ermöglichte: Nur Meister SSV Ehingen Süd hat mehr Tore geschossen als Eschach (74). Der Start in die Saison verlief noch ernüchternd: Die Eschacher hielten mit, standen aber viermal in Serie am Ende als Verlierer da. „Es gab viele Gespräche mit der sportlichen Leitung, um zu klären, ob wir etwas verändern müssen“, erinnert sich Patrik Rudorf. „Alle waren sich einig, dass wir genauso weitermachen wie bis dahin, schließlich waren es oft nur Kleinigkeiten, die fehlten.“

Mit dem 4:3-Sieg in Ochsenhausen kam der Erfolg und nach einer Serie ziemlich schnell die Erkenntnis: „Da geht was. Wir können die Klasse halten.“ Gerne erinnert man sich beim TSV an das Freitagabend-Derby in Oberzell zurück, als Torwart Patrick Rebstock in der Nachspielzeit das 3:3 erzielte: „Das Spiel hatte eine sensationelle Kulisse.“ Das setzte sich fort: Sechs Punkte gegen den FV Ravensburg II, vier gegen den SV Weingarten – am Ende standen die Eschacher keineswegs unverdient in der Tabelle vor allen Lokalrivalen.

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