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Leichtathletik: Zum 90. Geburtstag von Elle Freudenberger gibt es Geschenke und Dankesworte – und ein Versprechen

Gratulationen für eine Legende der Ulmer Leichtathletik: Vereinschef Willy Götz, Elle Freudenberger und Abteilungsleiter Wolfgang Beck (von links).
Gratulationen für eine Legende der Ulmer Leichtathletik: Vereinschef Willy Götz, Elle Freudenberger und Abteilungsleiter Wolfgang Beck (von links).
Stefan Kuemmritz

Ulm sz Vorgestern ist sie 90 Jahre alt geworden und es ist noch nicht lange her, dass sie im Ulmer Donaustadion nach dem Rechten, vor allem nach ihren Schützlingen gesehen hat: Elle Freudenberger, eine Legende in der Ulmer Leichtathletik. Die Trainerin des SSV 1846, die erst kürzlich krankheitsbedingt aufhören musste, war das Herz der Abteilung. Bei einer vom SSV 46 ausgerichteten Geburtstagsfeier wurde sie im Vip-Raum des Donaustadions mit Lobes- und Dankesworten sowie Geschenken überschüttet.

Die für Elle Freudenberger vielleicht wichtigste Gabe kam vom Vereinsvorstand. Präsident Willy Götz versprach Elle Freudenberger, die nicht mehr gut laufen kann, dass sie, die auch eine der sechs Ehrenvorsitzenden des Vereins ist, zu jeder wichtigen Sitzung, zu jeder Versammlung und zu jeder Feier mit dem Auto abgeholt und dann wieder zurückgefahren wird. Götz: „Anruf genügt.“

Elle Freudenbergers eigene sportliche Erfolge als Mehrkämpferin und Läuferin, die Großtaten ihrer Schützlinge, die sie über Jahrzehnte betreut hat, und ihre Auszeichnungen – unter anderem erhielt sie das Bundesverdienstkreuz – aufzuzählen, käme einem Roman gleich. 1984 wurde sie im Rahmen des Turnfests vom Ulmer Stadtverband für Leibesübungen als hauptamtliche Trainerin angestellt. Spätestens seitdem verbrachte sie auf den Leichtathletikanlagen in der Friedrichsau wohl genauso viel Zeit wie zu Hause. Sie hatte im Verein verschiedene Ämter und war auch Vizepräsidentin und Frauenwartin des württembergischen Leichtathletikverbands.

Jetzt wurde Elle Freudenberger 90 Jahre alt, die Gratulanten schauten voller Respekt und Dankbarkeit auf die lange Zeit ihres Wirkens in der Leichtathletik zurück. Am 20. Dezember 1934 ist sie in den Turnverein Ulm 1868 eingetreten ist, der später im Großverein aufgegangen ist. Dass Elle Freudenberger auch sehr pragmatisch dachte, wird aus einer Anekdote deutlich, die der Vereinspräsident erzählte: „Als Elle 2013 in einem Interview während der deutschen Leichtathletik-Meisterschaft in Ulm gefragt wurde, wie man sich am besten auf einen Wettkampf vorbereitet, hat sie geantwortet, man solle auf jeden Fall aufs Klo gehen.“

Carolin Ehringer als Vertreterin der Stadt Ulm würdigte Elle Freudenberger mit Tränen in den Augen: „Sie war immer in allem ein echtes Vorbild. Das gibt es heute nur noch ganz, ganz selten.“ Ins gleiche Horn stieß Leichtathletik-Abteilungsleiter Wolfgang Beck, der auch als Trainer viele Jahre mit Elle Freudenberger zusammen die Sportler gefördert hat. Er beteuerte, sie sei immer da gewesen, wenn man sie gebraucht habe. Man habe sich zu hundert Prozent auf sie verlassen können. Beck: „Sie hat nur eines verlangt. Man musste Grüß Gott sagen und die Hand geben, sonst hatte man es bei ihr für alle Zeiten verbockt.“

Glückwünsche gab es unter anderem auch vom württembergischen und badischen, sowie vom deutschen Verband. Glückwünsche für eine Frau, die einen Großteil ihres Lebens mit großer Leidenschaft und viel Einfühlungsvermögen ganz uneigennützig dem Sport gewidmet hat.

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