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Annabel Breuer peilt Edelmetall an

Annabel Breuer im Trikot der Ulmer Sabres.
Privat

Birkenhard sz Sie ist jung, äußerst erfolgreich, attraktiv. Und sie sitzt im Rollstuhl. Annabel Breuer aus Birkenhard ist deutsche Nationalspielerin im Rollstuhlbasketball. Mit ihrem Team fährt die gebürtige Tübingerin, die als Kleinkind von einem ausparkenden Auto erfasst wurde und seitdem im Rollstuhl sitzt, zu den Paralympischen Spielen nach London (29. August bis 9. September). Mit Deutschland gehört sie dort zu den heißesten Anwärtern aufs Treppchen. „Eine Medaille ist auf jeden Fall das Ziel“, sagt die ehrgeizige 19-Jährige, die im Verein für die Ulmer Sabres auf Korbjagd geht. Mit diesen feierte sie im Frühjahr den Aufstieg in die 2. Bundesliga Süd. Ein großer Erfolg, der größte in der Vereinsgeschichte.

Nun also London. Der nächste Meilenstein in ihrer noch jungen Karriere. Diese begann in einer völlig anderen Sportart, erfolgreich war sie auch dort. Breuer kam über eine Rollstuhlfreizeit zum Rollstuhlfechten. Der Sport faszinierte sie. „Da ist alles Kopfsache“, so die Oberschwäbin. Über mehrere Leistungslehrgänge schaffte es Breuer bald ins Nationalteam, mit welchem sie große Erfolge feierte. Sie wurde Europameisterin mit der Mannschaft und mehrfacher Deutscher Meister. Im Einzel brachte sie es sogar zum Vizeweltmeister. Das einzige was fehlte in der Sammlung: olympisches Edelmetall. Eine komplizierte Operation am Rückenmark, die sie ein komplettes Jahr zur Pause zwang, verhinderte die Teilnahme.

Nun, vier Jahre nach den Olympischen Spielen in Peking, will sich die Schülerin, die nächstes Jahr ihr Abitur an der Matthias-Erzberger-Schule in Biberach macht, diesen Traum erfüllen. Es ist ihr größter Traum, seitdem sie Sport treibt. „Die Vorfreude ist riesig“, so die sympathische 19-Jährige, die es in ihrer seltenen freien Zeit gern ruhig angehen lässt. Mit Freunden treffen, entspannen, „viel schlafen“, sagt Breuer mit einem Lächeln auf dem Gesicht. Es wird nötig sein, wenn sich die Gelegenheit bietet neben Trainingslagern, Bundesligaspielen, Länderspielen auf der ganzen Welt. Sechs Wochen fehlte sie daher dieses Jahr in der Schule. Die Noten sind trotzdem gut. Auch deshalb, sagt sie, ist es meist kein Problem, wenn sie mal wieder weg ist. Weg in Australien, den USA, England oder Holland. Hier war sie schon dieses Jahr. Als Vorbereitung für das große Event in London.

Sie kann es kaum erwarten. „Ganz aufgeregt“ sei sie. Und selbstbewusst: „Wir müssen eh jeden schlagen“, sagt Breuer. Zu den Favoriten zählt sie Australien, Kanada, Holland, natürlich die USA – und Deutschland. Zwei Siege in der Vorbereitung gegen die Amerikaner machen sie zuversichtlich. Nach der WM-Finalniederlage 2010 gegen die USA sowie einer knappen Niederlage gegen selbige in Peking ist nun klar: Gold soll her! Dafür hat die Flügelspielerin, die über Freunde zum Rollstuhlbasketball gekommen ist, hart gearbeitet. „Tägliches Training“, sagt sie, sei derzeit angesagt, Wurftraining, Kondition, Kraft. Und das noch neben den offiziellen Terminen mit Verein und Nationalmannschaft.

Die Schule kann sie derzeit zum Glück etwas ruhen lassen, es sind Sommerferien. Wo andere in den Urlaub fahren fährt sie zu Olympia. „Die ganze Familie ist dabei“, freut sich die Jüngste im Team auf die Unterstützung aus der Heimat. Kaum vorstellbar, was los ist in ihrem Dorf, wenn sie zurückkehrt mit der Goldmedaille im Gepäck, die zweite nach EM-Gold 2011 in Israel.

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