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Da wird’s den Fans warm ums Herz

Der VfR Aalen schiebt sich durch einen 2:1-Heimsieg über Regensburg auf Platz zwei der 3. Fußballliga – Morgen kommt Spitzenreiter Sandhausen
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Schwupss, da war er drin und der Sieg perfekt: Fabian Weiß, Torschütze zum 2:1, dreht jubelnd ab.
Schwupss, da war er drin und der Sieg perfekt: Fabian Weiß, Torschütze zum 2:1, dreht jubelnd ab.

Von Ansgar König

Aalen Hürde eins ist genommen: Durch Tore von Tim Kister in der 65. und Youngster Fabian Weiß in der 81. Minute hat der VfR Aalen sein Heimspiel des 24. Spieltags der 3. Fußballliga gegen Regensburg mit 2:1 (0:1) gewonnen. Aalen schiebt sich damit vor dem nächsten Spitzenspiel am morgigen Dienstag um 19 Uhr gegen Tabellenführer Sandhausen auf Platz zwei der Tabelle. Über 3000 Zuschauer ließen sich von der Kälte in „schwäbisch Sibirien“ nicht abhalten. Den Fans wurde es spätestens in der zweiten Hälfte warm ums Herz.

Noch vor der Partie hatte sich Aalens Trainer Ralph Hasenhüttl schmunzelnd darüber gefreut, dass viele Fußballkenner – und insbesondere die der 3. Liga – den VfR Aalen immer noch nicht auf der Favoritenliste haben. Normalerweise sollte das einen Trainer ärgern, wenn seine Arbeit von den Fachleuten nicht anerkannt wird. Nicht so Hasenhüttl, er fühlt sich in der Rolle des Jägers wohler als in der des Gejagten.

Mit Understatement ist es jetzt aber wohl endgültig vorbei. Wer am Samstag die Gefrierschranktemperaturen in der Scholz-Arena nicht gescheut hat, der durfte einen VfR erleben, der sich Tabellenplatz zwei Schritt für Schritt, ja fast heimlich, still und leise erobert hat. Zum dritten Mal in Folge ließ sich Hasenhüttls Team von einem Rückstand nicht ins Bockshorn jagen, blieb – nicht nur wegen der Eiseskälte – cool und drehte das Spiel nach der Pause in beeindruckender Manier.

VfR Aalen auf Höhenflug

Es scheint fast so, als bräuchten Leandro und Co. diesen Kick des Rückstands, diesen Hallo-Wach-Effekt, um so richtig in Fahrt zu kommen. Der Sieg über Regensburg sagt uns aber noch mehr. Denn im Gegensatz zu den Spielen gegen Bielefeld und Wehen Wiesbaden ließ der VfR erstmals in dieser Saison ein Spitzenteam der 3. Liga über die Klinge springen. Das ist es, was der Konkurrenz tatsächlich Sorgen machen sollte. Die Form des VfR ist stabil, die Mannschaft nervenstark und hat Moral. Nicht umsonst gab’s in der Aufstellung keine Überraschungen. Hasenhüttl setzte aufs Erfolgsteam der vergangenen Spiele. Die Mannschaft hat sich gefunden.

Doch zunächst lief es gar nicht nach Plan. Vor 3200 Zuschauer in der eisig kalten Scholz-Arena hatte Mahmut Temür in der 24. Minute die Unordnung in der Aalener Defensive genutzt und die Gäste in Führung gebracht. Eine ganze Kette von Fehlern vor dem eigenen Sechzehner sorgte für die Gästeführung. Die Aalener Defensive – mittendrin Andreas Hofmann und Tim Kister – stand sich selbst im Weg. Temür schob trocken ins lange Eck.

Obwohl Aalen sofort mehr Druck machte, blieben die Gäste bis zur Pause in Führung. Sascha Traut traf mit einem abgefälschten Freistoß den Pfosten (31.) – die bis dahin größte Chance der Gastgeber. Regensburgs Trainer Markus Weinzierl beobachte es mit Grauen: „Wir haben nur 30 Minuten ordentlich Fußball gespielt“, so lautete kurz und knapp seine Analyse.

Nach dem Wechsel aber drehten die Hausherren auf, dass es den Zuschauern bei Minusgraden im zweistelligen Bereich ganz warm ums Herz wurde. „In der Pause gab’s natürlich hängende Köpfe“, gesteht Hasenhüttl, „aber wir haben Vertrauen in unsere Stärken. Das ist momentan unser Erfolgsgeheimnis.“ Zunächst köpfte Tim Kister an die Latte (47.), im Nachsetzen köpfte Hofmann drüber. Aber der Druck zahlte sich in der 65. Minute aus. Der lange Tim Kister traf nach Flanke von Leandro zum Ausgleich für das Team von Trainer Ralph Hasenhüttl, wieder per Kopf, überlegt und platziert.

Ein Treffer, der den Aalenern noch mehr Schwung verlieh. „Kommt Leute, hopp!“, rief Hasenhüttl, halb zur Mannschaft auf dem Platz, halb zu den Zuschauern auf der Tribüne hinter ihm. Beide Gruppen nahmen ihn beim Wort. In der 85. Minute sorgte dann der Sekunden zuvor eingewechselte Fabian Weiß – diesmal nach Zuspiel des über 90 Minuten bärenstarken Rechtsverteidigers Sascha Traut – mit seinem ersten Ballkontakt und dem Treffer zum 2:1-Sieg für die Entscheidung. Regensburg hatte nicht mehr viel entgegenzusetzen.

Damit liegt Aalen vor der morgigen Partie, dem nächsten Spitzenspiel, mit 40 Punkten auf dem zweiten Tabellenplatz. Denn schon am Dienstag um 19 Uhr ist Tabellenführer Sandhausen (43 Punkte) zum Nachholspiel in der Scholz-Arena zu Gast. Mit einem deutlichen Sieg könnte sich Aalen dann sogar an die Tabellenspitze der 3. Fußballliga schieben, denn auch bei den Treffern liegen die beiden Teams knapp beieinander. Sandhausen hat eine Torverhältnis von plus elf, Aalen von plus acht.

Am frühen Morgen hatten wieder zahlreiche VfR-Fans bei einer Schneeschipp-Aktion dafür gesorgt, dass überhaupt gespielt werden konnte. Deshalb wünscht sich Hasenhüttl für Dienstag sogar Schnee: "Wenn wir immer den Platz räumen müssen, um zu gewinnen, dann wünsch ich mir bis Dienstagabend zehn Zentimeter Neuschnee."

(Erschienen: 05.02.2012 15:05)

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