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Triathletin Berlinger: „Ich würde gerne noch im Hellen ankommen“

Lena Berlinger im Zieleinlauf des Ravensburger Triathlons.
Lena Berlinger im Zieleinlauf des Ravensburger Triathlons. (Foto: Derek Schuh)

Ravensburg / tir Die Triathletin Lena Berlinger startet am 9. Oktober beim Ironman in Hawaii. Den Startplatz hat sie sich durch ihre Platzierung beim Ironman in Klagenfurt gesichert – und das, obwohl sie bei dem Rennen nach der Schwimmstrecke aufhören wollte.

Von unserem Redakteur Timm Herre 

„Lenaaaaa, wie weit die Kraft doch reicht!“ – Als Lena Berlinger noch etwas jünger war, hat sie diese Zeile der Pop-Gruppe Pur mal bei einem Konzert gehört. Sie würde das heute vielleicht nicht mehr zugeben, aber ihr Vater Walter hat es der SZ vertrauensvoll verraten. Und für den größten Erfolg in der sportlichen Karriere der 22-Jährigen aus Baienfurt hat diese Textzeile tatsächlich einen großen Wahrheitsgehalt.

Als Lena Berlinger, 22 Jahre alt, am 4. Juli 2010 auf die Schwimmstrecke im Wörthersee geht, hat sie nicht vor, an diesem Tag über einen Zielstrich zu gehen. „Ich hatte den Startplatz bei einem Preisausschreiben gewonnen. Zwei Personen, Hotel inklusive, ich hab mich nur auf einen netten Kurzurlaub gefreut“, erklärt die Baienfurterin, die für Mengens Triathleten startet.

Berlinger ist mehr als eine Hobby-Triathletin. Über die kurzen Distanzen läuft sie in der nationalen Spitze mit, hat schon viele Top-Ergebnisse erzielt. Aber einen Ironman, also die Langdistanz über 3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Rad und einen Marathonlauf, hat sie noch nie gemacht. „Eigentlich wollte ich nach der Schwimmstrecke aussteigen“, gesteht die Maschinenbau-Studentin an der Hochschule Weingarten, „ich wollte ja Urlaub machen!“

Doch dann kommt sie mit einem guten Gefühl aus dem Wasser und auch auf dem Rad – ihrer Lieblingsdisziplin – läuft es gut. Als es dann auf die Laufstrecke geht, fängt es an zu regnen. Ihr Freund Peter Ströhle steht an der Strecke und brüllt: „Jetzt lauf! So ein Wetter magst du doch!“ Nach 10 Stunden und 37 Minuten läuft Berlinger überglücklich ins Ziel – und hört sofort die unglaubliche Nachricht: Sie hat ihre Altersklasse gewonnen. Und das bedeutet die Qualifikation für den Ironman Hawaii.

„Ich konnte das gar nicht fassen. Hawaii ist der Traum eines jeden Triathleten. Es hat eine Woche gedauert, bis ich es kapiert habe“, sagt Berlinger. Sehr schnell fällt sie die Entscheidung, den Startplatz anzunehmen. Obwohl sie jetzt alles selbst bezahlen muss. Der Trip wird sie mehrere tausend Euro kosten, „aber wenn man die Chance bekommt, muss man da hin!“

Dass Hawaii eine andere sportliche Herausforderung ist, weiß Berlinger auch: „Der Ozean, der Wind, die Hitze, das ist alles härter.“ Ziele hat sie sich keine gesetzt. „Klar will ich durchkommen, aber mit Gewalt geht da gar nichts.“ In Klagenfurt habe es auch deshalb so gut geklappt, weil ihr der Ausgang eigentlich „egal“ war. Und dann verrät sie doch noch ein kleines Ziel: „In Hawaii wird um 7 Uhr morgens gestartet, um 18 Uhr geht die Sonne unter. Ich würde gerne noch im Hellen ankommen.“

(Erschienen: 23.08.2010 18:20)

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