Oberschwaben
Fünf Mädels machen dem Seniorensport Beine
Von unserem Redakteur Timm Herre
Das Aulendorfer ESV-Heim ist das Abbild von Hunderten Kegelhallen in ganz Deutschland: Möbel der Stilrichtung „Eiche brutal“, an den Wänden Pokale und Zinnteller aus mehreren Jahrzehnten und auf zwei der vier Kegelbahnen schieben einige Rentner ihre Kugeln. Einer der Herren hat hörbar schlechte Laune, denn auf den beiden anderen Bahnen spielen welche, die hier an einem Dienstag gar nichts zu suchen hätten: Die Mädels.
Michelle Bürger, Franziska Zimmermann, Julia Schmidt, Kathrin Magel und Jasmin Betzler trainieren sonst immer montags – nur diesmal war der Dienstag eben besser. Und für das Quintett schichtet man in Aulendorf derzeit gerne Trainingspläne um, schließlich hat man nicht alle Jahre den Deutschen Vize-Meister in den eigenen Reihen.
Mitte Mai mussten die ESV-Keglerinnen im pfälzischen Ludwigshafen nur ihren Altersgenossen aus Pirmasens den Vortritt lassen. Bereits vor einem Jahr reichte es bei der „Deutschen“ mit dem dritten Rang fürs Treppchen, nun gab es noch eine Steigerung. „Im letzten Durchgang hab ich fast mehr gerechnet als gekegelt“, erzählt Franziska, die als letzte Spielerin den ESV-Vorsprung ins Ziel brachte. Den Grundstein zum Erfolg legte mit 409 Kegeln Michelle Bürger, die laut Trainer Josef Zimmermann im Verlauf der Saison „explodierte“. „Im Moment ist sie unsere beste Spielerin.“
Der Team-Überflieger bringt auf jeden Fall genug Selbstvertrauen mit. Dass Kegeln als Seniorensport gilt, der bei den Klassenkameraden eher belächelt wird, wischt sie mit zwei kurzen Sätzen vom Tisch: „Ich erzähle in der Schule gern, dass ich kegle.“ Warum? „Weil wir so gut sind!“. Auch die anderen haben ihre Sprüche, wenn über ihren Sport gelästert wird: „Mach halt 120 Schübe, dann wirst Du schon sehen, was für einen Muskelkater man danach hat“, ist Julias Standard-Replik.
Kein Hobby-Charakter
Den reinen Hobby-Charakter will auch Coach Zimmermann loswerden. „Es gibt schulbuchmäßige Abläufe, die will ich lehren. Wir machen seit Jahren eine kontinuierliche Jugendarbeit mit gezieltem Training und ernten jetzt die Früchte“, sagt der 52-jährige Trainer und Vater von Franziska. Dass der Sport überaltert ist, sieht auch er als Problem – weswegen der ESVA Kooperationen mit zwei Schulen hat. Vielleicht kommt auf diesem Weg auch weiterhin talentierter Nachwuchs nach Aulendorf.
(Erschienen: 08.06.2010 17:30)
Von unserem Redakteur Timm Herre
Das Aulendorfer ESV-Heim ist das Abbild von Hunderten Kegelhallen in ganz Deutschland: Möbel der Stilrichtung „Eiche brutal“, an den Wänden Pokale und Zinnteller aus mehreren Jahrzehnten und auf zwei der vier Kegelbahnen schieben einige Rentner ihre Kugeln. Einer der Herren hat hörbar schlechte Laune, denn auf den beiden anderen Bahnen spielen welche, die hier an einem Dienstag gar nichts zu suchen hätten: Die Mädels.
Michelle Bürger, Franziska Zimmermann, Julia Schmidt, Kathrin Magel und Jasmin Betzler trainieren sonst immer montags – nur diesmal war der Dienstag eben besser. Und für das Quintett schichtet man in Aulendorf derzeit gerne Trainingspläne um, schließlich hat man nicht alle Jahre den Deutschen Vize-Meister in den eigenen Reihen.
Mitte Mai mussten die ESV-Keglerinnen im pfälzischen Ludwigshafen nur ihren Altersgenossen aus Pirmasens den Vortritt lassen. Bereits vor einem Jahr reichte es bei der „Deutschen“ mit dem dritten Rang fürs Treppchen, nun gab es noch eine Steigerung. „Im letzten Durchgang hab ich fast mehr gerechnet als gekegelt“, erzählt Franziska, die als letzte Spielerin den ESV-Vorsprung ins Ziel brachte. Den Grundstein zum Erfolg legte mit 409 Kegeln Michelle Bürger, die laut Trainer Josef Zimmermann im Verlauf der Saison „explodierte“. „Im Moment ist sie unsere beste Spielerin.“
Der Team-Überflieger bringt auf jeden Fall genug Selbstvertrauen mit. Dass Kegeln als Seniorensport gilt, der bei den Klassenkameraden eher belächelt wird, wischt sie mit zwei kurzen Sätzen vom Tisch: „Ich erzähle in der Schule gern, dass ich kegle.“ Warum? „Weil wir so gut sind!“. Auch die anderen haben ihre Sprüche, wenn über ihren Sport gelästert wird: „Mach halt 120 Schübe, dann wirst Du schon sehen, was für einen Muskelkater man danach hat“, ist Julias Standard-Replik.
Kein Hobby-Charakter
Den reinen Hobby-Charakter will auch Coach Zimmermann loswerden. „Es gibt schulbuchmäßige Abläufe, die will ich lehren. Wir machen seit Jahren eine kontinuierliche Jugendarbeit mit gezieltem Training und ernten jetzt die Früchte“, sagt der 52-jährige Trainer und Vater von Franziska. Dass der Sport überaltert ist, sieht auch er als Problem – weswegen der ESVA Kooperationen mit zwei Schulen hat. Vielleicht kommt auf diesem Weg auch weiterhin talentierter Nachwuchs nach Aulendorf.
(Erschienen: 08.06.2010 17:30)
Schwaben11.de

Towerstars

























































