Bodensee
VfB: Unspektakuläre Aufführung in drei Akten

Was man von den Heimspielen des VfB weniger kennt, sind solche Abfuhren, wie sie die Mannschaft gestern in der tatarischen Metropole kassierte. Mit der Gastfreundschaft war’s praktisch mit dem ersten Ballwechsel vorbei. Geschenke verteilten die Russen nur in Ausnahmefällen und zogen stattdessen humorlos ihr hochwertiges Programm durch, begünstigt von ungewohnt vielen Patzern der Gäste vom Bodensee. „Wir haben nur 70, 80 Prozent der Partie gut gespielt, einen Haufen leichte Fehler gemacht und den Russen einfache Punktgewinne erlaubt. Solche Hilfe brauchen die gar nicht“, stellte Stelian Moculescu mit leicht sarkastischem Einschlag fest, nahm das 0:3 aber aufgrund der Golden-Set-Regel gelassen hin: „Es ist okay – das Hinspiel in der Champions League ist nicht wichtig.“
Der Druck liegt auf Kasan
Angesichts der Überlegenheit der Russen ist der Glaube an einen Heimsieg keine leichte Aufgabe, aber Marcus Böhme schafft’s trotzdem. „Wir haben’s schon mal geschafft“, erinnerte der neue Abteilungsleiter Angriff an das 3:2 in der Gruppenphase. Auch Kapitän Joao José setzt auf die Heimstärke in der ZF Arena und hofft, dass die Russen den Druck spüren, auf den Kollege Idner Faustino Lima Martins, besser bekannt als Idi, schon vor dem Spiel in Kasan gehofft hatte. „Von Kasan wird erwartet, dass sie das Final Four erreichen – von uns nicht.“ José setzt auf einen weiteren Vorteil: „Bisher ging es für die immer darum, einen oder zwei Sätze zu gewinnen – aber diesmal müssen sie das Match gewinnen.“
Bäume versetzen wird der Glaube allerdings nur in Tateinheit mit einer gewaltigen Steigerung des Leistungsniveaus beim VfB. „Zu große Erwartungen“ machte der Kapitän als Ursache des Übels aus. Nachdem zuletzt ein Rädchen ins andere gegriffen und sein Team auch schwierige Situationen hatte lösen können, sei der Verlauf der Partie in Kasan ernüchternd für die Mannschaft gewesen. „Du musst jeden Punkt am Limit spielen. Wenn du das nicht schaffst, kommt die Enttäuschung ziemlich schnell. Wir haben schon länger nicht mehr so einfach Punkte weggegeben.“
An Böhme lag es interessanterweise nicht. Der baumlange Modellathlet darf neuerdings nicht mehr blocken, sondern schult gerade auf Diagonalangreifer um, weil die beiden Experten des VfB, Oliver Venno und Zoran Jovanovic, verletzt sind. „Das ist keine komfortable Situation. Wir wissen nicht, was mit unserem Spiel passiert“, hatte Idi diesen Sachverhalt kommentiert, doch offenbar macht Böhme schnell Fortschritte. Vom Trainer gab’s ein Sonderlob: „Es ist nicht so einfach, auf der Position zu spielen. Er hat das sehr gut gemacht.“ Mit 16 Punkten erreichte Böhme eine äußerst respektable Marke und mit 58 Prozent sogar eine höhere Erfolgsquote als der Weltklassemann Mikhailov (16 Punkte/54 Prozent). Allerdings löste der russische Terminator auch einige höchst diffizile Aufgabenstellungen äußerst eindrucksvoll. „Ich fühl’ mich noch nicht pudelwohl, aber man sieht schon, dass wir ein bisschen trainiert haben“, meinte Böhme.
Das Problem des VfB an diesem Tag waren eher die mäßige Aufschlagleistung und der Außenangriff. „Da sind sie einfach besser“, sagte Moculescu über den Amerikaner Reid Priddy und Yuri Berezhko. Idi konnte noch einigermaßen mithalten, aber Milos Vemic und ab Mitte des zweiten Satzes Thomas Jarmoc fielen doch deutlich ab. „Im Angriff haben wir ein bisschen wenig Druck gemacht“, sagte Böhme. Und immer, wenn der VfB mal kurzfristig dran war am Gegner, brachte er den Meister und Tabellenführer der russischen Superleague mit fahrlässigen Fehlern wieder auf Kurs. So wie in ihrer besten Phase, als die Friedrichshafener beim Stand von 17:18 im zweiten Satz eine große Chance zum Ausgleich liegen ließen. „Das sind die Punkte, die tun dir weh, weil du immer unter Druck bist“, meinte Moculescu.
(Erschienen: 22.02.2012 18:50)

Was man von den Heimspielen des VfB weniger kennt, sind solche Abfuhren, wie sie die Mannschaft gestern in der tatarischen Metropole kassierte. Mit der Gastfreundschaft war’s praktisch mit dem ersten Ballwechsel vorbei. Geschenke verteilten die Russen nur in Ausnahmefällen und zogen stattdessen humorlos ihr hochwertiges Programm durch, begünstigt von ungewohnt vielen Patzern der Gäste vom Bodensee. „Wir haben nur 70, 80 Prozent der Partie gut gespielt, einen Haufen leichte Fehler gemacht und den Russen einfache Punktgewinne erlaubt. Solche Hilfe brauchen die gar nicht“, stellte Stelian Moculescu mit leicht sarkastischem Einschlag fest, nahm das 0:3 aber aufgrund der Golden-Set-Regel gelassen hin: „Es ist okay – das Hinspiel in der Champions League ist nicht wichtig.“
Der Druck liegt auf Kasan
Angesichts der Überlegenheit der Russen ist der Glaube an einen Heimsieg keine leichte Aufgabe, aber Marcus Böhme schafft’s trotzdem. „Wir haben’s schon mal geschafft“, erinnerte der neue Abteilungsleiter Angriff an das 3:2 in der Gruppenphase. Auch Kapitän Joao José setzt auf die Heimstärke in der ZF Arena und hofft, dass die Russen den Druck spüren, auf den Kollege Idner Faustino Lima Martins, besser bekannt als Idi, schon vor dem Spiel in Kasan gehofft hatte. „Von Kasan wird erwartet, dass sie das Final Four erreichen – von uns nicht.“ José setzt auf einen weiteren Vorteil: „Bisher ging es für die immer darum, einen oder zwei Sätze zu gewinnen – aber diesmal müssen sie das Match gewinnen.“
Bäume versetzen wird der Glaube allerdings nur in Tateinheit mit einer gewaltigen Steigerung des Leistungsniveaus beim VfB. „Zu große Erwartungen“ machte der Kapitän als Ursache des Übels aus. Nachdem zuletzt ein Rädchen ins andere gegriffen und sein Team auch schwierige Situationen hatte lösen können, sei der Verlauf der Partie in Kasan ernüchternd für die Mannschaft gewesen. „Du musst jeden Punkt am Limit spielen. Wenn du das nicht schaffst, kommt die Enttäuschung ziemlich schnell. Wir haben schon länger nicht mehr so einfach Punkte weggegeben.“
An Böhme lag es interessanterweise nicht. Der baumlange Modellathlet darf neuerdings nicht mehr blocken, sondern schult gerade auf Diagonalangreifer um, weil die beiden Experten des VfB, Oliver Venno und Zoran Jovanovic, verletzt sind. „Das ist keine komfortable Situation. Wir wissen nicht, was mit unserem Spiel passiert“, hatte Idi diesen Sachverhalt kommentiert, doch offenbar macht Böhme schnell Fortschritte. Vom Trainer gab’s ein Sonderlob: „Es ist nicht so einfach, auf der Position zu spielen. Er hat das sehr gut gemacht.“ Mit 16 Punkten erreichte Böhme eine äußerst respektable Marke und mit 58 Prozent sogar eine höhere Erfolgsquote als der Weltklassemann Mikhailov (16 Punkte/54 Prozent). Allerdings löste der russische Terminator auch einige höchst diffizile Aufgabenstellungen äußerst eindrucksvoll. „Ich fühl’ mich noch nicht pudelwohl, aber man sieht schon, dass wir ein bisschen trainiert haben“, meinte Böhme.
Das Problem des VfB an diesem Tag waren eher die mäßige Aufschlagleistung und der Außenangriff. „Da sind sie einfach besser“, sagte Moculescu über den Amerikaner Reid Priddy und Yuri Berezhko. Idi konnte noch einigermaßen mithalten, aber Milos Vemic und ab Mitte des zweiten Satzes Thomas Jarmoc fielen doch deutlich ab. „Im Angriff haben wir ein bisschen wenig Druck gemacht“, sagte Böhme. Und immer, wenn der VfB mal kurzfristig dran war am Gegner, brachte er den Meister und Tabellenführer der russischen Superleague mit fahrlässigen Fehlern wieder auf Kurs. So wie in ihrer besten Phase, als die Friedrichshafener beim Stand von 17:18 im zweiten Satz eine große Chance zum Ausgleich liegen ließen. „Das sind die Punkte, die tun dir weh, weil du immer unter Druck bist“, meinte Moculescu.
(Erschienen: 22.02.2012 18:50)
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