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VfB erwartet Köln: Bauchweh vor Schlüsselspiel

Der Druck für Stuttgart und Köln vor dem heutigen Kellerduell ist immens
VfB erwartet Köln: Bauchweh vor dem Schlüsselspiel
VfB erwartet Köln: Bauchweh vor dem Schlüsselspiel
Huebner/Peters

Ravensburg sz Wie schwierig es für einen Verein ist, nach einer Ära des Erfolgs plötzlich von heute auf morgen der große Verlierer zu sein, sieht man am 1. FC Köln. Der stolze Europacup-Teilnehmer, der gerade noch mit 20 000 euphorisierten Fans London unsicher machte, ist nach vier Jahre langem Wachstum in nur sieben Wochen als abgeschlagener Letzter in der tristen Wirklichkeit der Fußball-Bundesliga angekommen. Nur ein Pünktchen haben die Kölner gesammelt und dabei gerade mal zwei Tore geschossen, bereits sechs Punkte groß ist der Rückstand auf die Nichtabstiegsplätze. Weitere Niederlagen in den Kellerduellen heute beim VfB Stuttgart (20.30 Uhr/Eurosport Player) und gegen Bremen, und für Peter Stöger könnte es eng werden.

Der Österreicher, im Sommer noch in Dortmund im Gespräch, war in Köln von Beginn an mindestens so beliebt wie Bauer, Prinz und Jungfrau zusammen, eine Identifikationsfigur, ein Macher. Stöger stand für trockenen Humor, kompakten Fußball, brillante Konter, und er profitierte von einem außergewöhnlichen Stürmer namens Anthony Modeste. Seit der 26-Tore-Garant in China weilt (und in Interviews stets davon fabuliert, wie gerne er doch geblieben wäre), ist nichts mehr wie zuvor. Jhon Cordoba, für den die Kölner nicht ganz nachvollziehbare 17 Millionen Euro an Mainz zahlten, kann ihn nicht ersetzen, im Team hat sich nach dem Fehlstart Verunsicherung breitgemacht. Vor allem an Jörg Schmadtke entzündet sich die Kritik. Der Manager kündigte bereits Verstärkungen für den Winter an, ansonsten komme er mit seiner Rolle als „Punchingball“ zurecht, sagte er, „solange wir nicht dahin kommen, dass ich als Person diskreditiert werde“. Und: „Es hat den unschätzbaren Vorteil, dass Trainer und Spieler in Ruhe arbeiten können.“

Tatsächlich versucht Stöger das zu tun, was er am besten kann – gelassen bleiben und positiv: „Wir wussten, dass so eine Phase kommen kann. Die Liga ist ein gnadenloses Rad. Wir hatten in der Vergangenheit Phasen, da haben wir mehr gepunktet als uns vielleicht zustand. Jetzt haben wir eine, in der wir weniger haben als uns zusteht.“ Er habe Vertrauen in seine Arbeit und keine Versagensängste, sagt Stöger, die Probleme in der Offensive allerdings bleiben. Dass Cordoba in Stuttgart fehle, könne man kompensieren. „Wir haben noch genug Optionen, um eine Doppelspitze bringen zu können. Wir haben Zoller, Osako, Guirayys und Pizarro.“ Letzterer, Vorname Claudio, 39 Jahre junger Neuzugang, dürfte allerdings eher von der Bank kommen. Der Ex-Bayer aus Peru wird kaum Luft für 90 Minuten haben.

Auch für den VfB wird das Duell richtungsweisend. Bei einem Sieg würde Stuttgart den Rivalen bereits um neun Punkte distanzieren, bei einer Niederlage aber könnte es auch am Wasen ungemütlich werden. „Ich habe in den letzten Jahren vor einem Spiel nicht ansatzweise solche Bauchschmerzen gehabt wie vor dem FC-Spiel, weil die Bedeutung für beide Clubs so hoch ist“, räumt Michael Reschke ein. „Wenn wir verlieren, ist der FC wieder an uns dran. Das müssen wir mit aller Kraft vermeiden.“

Wolf erwägt Doppelspitze

Seine Geduld für Fehler gehe langsam zur Neige, hatte Stuttgarts Trainer Hannes Wolf nach dem unglücklichen 1:2 in Frankfurt angekündigt, allerdings muss sich der 36-Jährige auch selbst Gedanken machen. Darüber nämlich, wie es seine Mannschaft schafft, mehr Tore zu schießen. Nur vier sind es nach sieben Partien, nie in seiner Bundesligageschichte hatte der VfB weniger. Wolf erwägt deshalb einen Systemwechsel: Beim 2:2 im Testspiel gegen Aalen versuchte er es erstmals mit der in der 2. Liga bewährten Doppelspitze Simon Terodde und Daniel Ginczek, dahinter könnte Tassos Donis als Zehner auflaufen. Über die Flügel agieren könne man trotzdem, findet Wolf. Auch in einem 3-5-2 würden sich „außen Räume ergeben. Da muss man dann eben mit Tempo rein.“ Wichtig sei allerdings auch gegen Köln, „die defensive Stabilität nicht zu verlieren. Die hat gestimmt in den vergangenen Wochen.“

Tatsächlich täte der Aufsteiger gut daran, demütig zu bleiben. Reschke sprach diese Woche davon, dass auch in Stuttgart in zwei, drei Jahren 20-Millionen-Euro-Transfers möglich sein müssten. Andere Zahlen aber rufen einem schnell die Gegenwart und lästige Vergangenheit in den Blick: Seit 21 Jahren hat der VfB nicht mehr gegen Köln gewonnen. Und seitdem ein gewisser Peter Stöger 2013 den FC übernahm, hatte Stuttgart bereits neun Übungsleiter. In Sachen Konstanz und Kontinuität sind die Kölner offenbar noch leicht überlegen.

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