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Zwölfjährige wird als Lebensretterin geehrt

Mia Kulb aus Baindt wird nach Brand auf einem Ponyhof in Geigelbach als Lebensretterin geehrt
Eine besondere Schwierigkeit bei diesem Brand war die Versorgung mit Löschwasser. Unter anderem waren Landwirte mit sieben Vakuumfässern und Zugmaschinen im Einsatz, um Wasser heranzuschaffen.
Eine besondere Schwierigkeit bei diesem Brand war die Versorgung mit Löschwasser. Unter anderem waren Landwirte mit sieben Vakuumfässern und Zugmaschinen im Einsatz, um Wasser heranzuschaffen.
Archiv Thomas Warnack

Ebersbach-Musbach sz Eine besondere Ehrung wird der zwölf Jahre alten Mia Kulb aus Baindt zuteil. Sie erhält am kommenden Dienstag in Ebersbach-Musbach eine staatliche Ehrung für Lebensretter. Mia hatte Ende Mai bei einem Brand auf einem Ponyhof in Geigelbach einen brennenden Mann gelöscht, nachdem es in einer Werkstatt bei Schweißarbeiten zu einer Verpuffung gekommen war.

Es war ein warmer Tag im Frühsommer, als sie mit anderen Kindern auf dem Ponyhof mit einem Gartenschlauch spielte. „Wir haben eine Wasserschlacht gemacht, und dann sind meine Freundinnen auf einmal weggerannt“, sagt sie. Als sie sich umdrehte, brannte die Werkstatt hinter ihr bereits. Zuerst habe sie einen lauten Knall gehört und dann sei es richtig hell geworden. An allen Ecken habe sie einen hellen Lichtschein gesehen. Innerhalb kürzester Zeit hat die Werkstatt in Flammen gestanden. „Und dann ist ein brennender Mann rausgerannt.“

Ein furchtbarer Moment

So etwas habe sie vorher noch nie gesehen, es sei schrecklich gewesen. Aber weil sie im Fernsehen schon oft gesehen habe, wie Brände gelöscht werden, habe sie den Wasserschlauch, den sie von der Wasserschlacht noch in der Hand hatte, auf den Mann gerichtet. „Kurz später kam ein zweiter Mann aus der Werkstatt gerannt“, erinnert sie sich. „Aber dann hat mir jemand zugerufen, dass ich mich in Sicherheit bringen soll.“ Sie ließ den Schlauch fallen und rannte auch weg. Trotzdem hat sie möglicherweise beiden Männern – Vater und Sohn – das Leben gerettet. Denn der Vater, der zuerst aus der Werkstatt kam, konnte dann seinen Sohn löschen.

Auch für Mias Eltern war der Brand ein Schock. „Wir sind angerufen worden. Es hieß, auf dem Hof habe es gebrannt und unsere Tochter würde uns jetzt brauchen“, erzählt ihre Mutter Nicole Kulb. Auf dem Weg dort hin hätten sie und ihr Mann kein Wort gesprochen. „Das Gefühl wurde immer mulmiger“, sagt sie.

Erleichterung bei der Mutter

 

Als sie in Gigelbach ankamen, sahen sie die vielen Einsatzkräfte, Feuerwehrfahrzeuge und zwei Rettungshubschrauber. „Überall waren Leute. Ich war so erleichtert, als ich meine Tochter gesehen habe“, sagt sie. Ein Mädchen habe schlimm geweint und gesagt: „Wie es erst der Mia geht.“ Erst dann sei ihnen bewusst geworden, dass ihre Tochter ganz nah am Unglücksort gewesen sein muss.

Am Tag des Brandes seien die Kinder und die Angehörigen vom Kriseninterventionsdienst des Deutschen Roten Kreuzes gut betreut worden. Auch in den Wochen nach dem Brand sei das Thema immer wieder zur Sprache gekommen. „Es ist wichtig, dass man über solche Erlebnisse spricht, um sie zu verarbeiten“, sagt Nicole Kulb. Auch heute denkt Mia noch manchmal an den Samstag im Mai. „Es gibt Momente, in denen ich daran denke und dann ist es genauso wie in dem Moment, als es passiert ist“, sagt sie.

Zur richtigen Zeit am richtigen Ort

Den Antrag auf die Ehrung hat die Gemeinde Ebersbach-Musbach gemeinsam mit dem Polizeipräsidium Konstanz beim Staatsministerium gestellt. Bürgermeister Roland Haug ist es wichtig, Mia Kulb seinen Respekt auszudrücken. Sie sei zur richtigen Zeit am richtigen Ort gewesen und habe dann noch zufällig mit Wasser hantiert. Durch ihr Eingreifen habe die Zwölfjährige wahrscheinlich noch Schlimmeres verhindern können. „In dem Moment hat sie einen Schutzengel gehabt und den auch weitergeben können“, sagt Roland Haug. Das Mädchen habe nicht gezögert, sie sei sofort einsatzbereit gewesen. Das sei nicht selbstverständlich, denn viele bekommen es in solchen Momenten mit der Angst zu tun.

Mias Handeln solle auch ein Beispiel für andere sein, denn schließlich könne jeder in eine Situation geraten, in der er als Ersthelfer gebraucht wird. „Deswegen wollen wir das würdigen“, sagt Haug. „Und auch ihr soll es bewusst sein, dass es eine ganz besondere Leistung ist.“ Sie erhält nun eine Rettungsmedaille, eine Urkunde, einen Geldbetrag und ein Geschenk. Zu der kleinen Feier, die aber nicht öffentlich ist, sind Uwe Stürmer, Polizeivizepräsident, Oliver Surbeck, Kreisbrandmeister im Landkreis Ravensburg, Elmar Buemann, Bürgermeister der Heimatgemeinde Baindt, die Ehefrau und Mutter der beiden Brandopfer und die Familie des Mädchens eingeladen. „Uns ist es wichtig, dass man zusammensteht“, sagt Bürgermeister Roland Haug.

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