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Ehingen (Donau)
Lokales

Zusammenhalt am Wenzelstein soll wachsen

Erste Ergebnisse einer Befragung der Bewohner wurde vorgestellt – Nachbarschaftshilfe ist ein Wunsch
Am Donnerstag machte sich eine Gruppe noch einmal Gedanken zum Leben am Wenzelstein.
Am Donnerstag machte sich eine Gruppe noch einmal Gedanken zum Leben am Wenzelstein.
SZ- Prandl

Ehingen sz Noch lebendiger soll es im Stadtteil werden und noch mehr Zusammenhalt wünschen sich die Menschen, die am Wenzelstein wohnen. Es soll noch mehr Begegnungen zwischen Familien, Kulturen, Jung und Alt geben. So kann man die ersten Ergebnisse der Sozialraumanalyse des Instituts für angewandte Sozialwissenschaften Stuttgart zusammenfassen. Sie wurden am Freitag vorgestellt. Die Bewohner wurden dabei seit Sommer im Auftrag des Caritas-Verbands und der Ehinger Stadtverwaltung befragt.

Nach einem verkürzten Spaziergang durch das Quartier, weil das Wetter nicht mitmachte, haben Mitarbeiter des Stuttgarter Instituts am Freitag die Ergebnisse der Interviews präsentiert und Anregungen gegeben. Ein Dutzend Bürger nahm an der Veranstaltung teil. Jeder in der Gruppe schilderte noch einmal seine persönlichen Eindrücke, am Ende wurden Ideen für die Zukunft konkretisiert.

Multikulturalität wird positiv erlebt

Die Wenzelstein-Bewohner wünschen sich mehr Begegnungsräume und der Stadtteil soll verschönert werden. Die Multikulturalität, die von außen negativ bewertet wird und dem Stadtteil so immer wieder die Bezeichnung „Ghetto“ einbringt, werde von den Bewohnern selbst durchweg positiv erlebt, erklärte Anne Deremetz vom Stuttgarter Institut. Doch solle etwa aus dem jetzigen Umschlagplatz beim Lebensmittelgeschäft Bumis ein Verweilort gemacht werden. Dazu gehören einladende Sitzgelegenheiten oder auch eine öffentliche Toilette. Es fehle zudem an gastronomischen Angeboten. Bisher gebe es nur eine Bäckerei und ein Pizzaservice im zentralen Bereich.

Die Etablierung einer Nachbarschaftshilfe ist ein weiteres Ziel nach den Befragungen. Bisher lebe jeder mehr für sich, doch würden sich viele mehr nachbarschaftliches Miteinander wünschen. Das gelte etwa für Mütter und Väter mit mehreren Kindern, die einkaufen müssen, überfordert sind und ein bisschen Unterstützung bräuchten. Hierfür gebe es den Wunsch nach einer Stelle, die die Hilfen organisiert, erklärte Sebastian Rahn vom Institut. Bei den Hilfen könne sich jeder mit seinen Fähigkeiten einbringen.

Für Jugendliche bräuchte es mehr Orte, an denen sie sich vor allem spät am Tag treffen können. Denn immer wieder gebe es Reibereien, wenn sie sich etwa im Bushäuschen treffen und zu laut sind. Spielplätze gebe es viele im Ort – hier sei aber die Vermüllung teilweise ein Problem.

„Es gibt wenig Verständigung zwischen verschiedenen Altersgruppen“, fasste Rahn ein weiteres Ergebnis zusammen. Angebote wie an der Realschule, wo Schüler Senioren das Smartphone näherbringen, seien eine Chance zu mehr Austausch. Eine weitere Idee wäre ein Vorlese-Opa in einem Kindergarten. Doch müssten die Leute die Angebote kennen. „Warum gibt es dafür keine Wenzelstein-Litfaßsäule?“, fragte Deremetz. Alle Anwesenden waren sich einig, dass eine Informationsplattform für Dinge, die vor Ort ablaufen, eine tolle Sache sei – etwa am „Marktplatz“ beim Bumis. Doch auch die müsse gepflegt werden.

Beim Thema Verkehr gab es Sicherheitsbedenken wegen spielender Kinder auf den Straßen und zu wenigen Parkplätzen.

Für Ältere sei es teilweise auch schwierig, zum Lebensmittelgeschäft zu kommen. Die Busfahrpläne seien schwierig zu lesen. Nicht immer sei an der Infotafel für Menschen mit Rollstuhl, Rollator oder Kinderwagen ersichtlich, ob der Bus barrierefrei sei, erklärte Deremetz.

Mehr Unterstützung im Alltag

Die Senioren wünschen sich noch mehr Alltagsunterstützung. Man könne etwa eine Einkaufshilfe organisieren, regte Rahn an. Auch gebe es die Möglichkeiten eines Bürgerbusses, der Menschen einsammelt und sie gemeinsam zum Einkaufen bringt.

Die Bürger am Wenzelstein wünschen sich auch mehr interkulturelle Angebote. Teilnehmer bei der gestrigen Veranstaltung berichteten, dass die verschiedenen Kulturen teilweise sehr unter sich bleiben, teilweise eine große Barriere bestehe. Der Dialog sei zum Teil sehr mühsam. „Für uns Außenstehende gibt es auch wenig Dialog zwischen katholischer und evangelischer Gemeinde“, sagte Deremetz.

Es müssten Anlässe geschaffen werden, um den Dialog zu fördern. Das könne etwa eine Stadtteilfest sein mit verschiedenen Essensständen, die Spezialitäten aus den verschiedenen Kulturen anbieten.

Die Anwesenden versuchten die Anregungen sogleich aufzunehmen und die Ideen fortzuspinnen. Jetzt müssten Prioritäten herausgearbeitet werden, dann gelte es in einem Dialog mit der Stadt herauszufinden, wie das Vorhaben gestemmt werden kann, erklärte Harald Fallert-Hepp von der Caritas Ulm/Alb-Donau.

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