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Baienfurt
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Zum Kirchenjubiläum musikalische Kontraste

Großes Kirchenkonzert in Baienfurts blauer Kirche

Der Kirchenchor mit 57 Erwachsenen, die Jugendkantorei, vier Solisten und ein Orchester mit 28 Instrumentalisten beim Kirchenkonzert in Mariä Himmelfahrt in Baienfurt: Maria Hummel dirigierte, rechts stehen die Sopranistin Ingeborg Schöpf, die Altistin Ulrike Köberle, der Tenor Lothar Riehmann und der Bass Hermann Locher.
Der Kirchenchor mit 57 Erwachsenen, die Jugendkantorei, vier Solisten und ein Orchester mit 28 Instrumentalisten beim Kirchenkonzert in Mariä Himmelfahrt in Baienfurt: Maria Hummel dirigierte, rechts stehen die Sopranistin Ingeborg Schöpf, die Altisti
Dorothee L. Schaefer

Baienfurt sz Das Wetter war schon winterlich und ein eisiger Wind drängte die vielen Besucher in die dicht besetzte Kirche von Baienfurt, deren Blau die erstaunliche Fähigkeit besitzt, eine fühlbar geistige Wärme zu vermitteln - vielleicht deshalb, weil auch ein tiefblauer Sommerhimmel so leuchten kann. Der gesamte Kirchenchor und die 28 junge Stimmen zählende Jugendkantorei bildeten eine eindrucksvolle Pyramide unter dem Chorbogen, davor hatten das Orchesterensemble und auf der rechten Seite die Solisten Platz.

Zwei höchst unterschiedliche Werke kamen zur Aufführung: als erstes das „Credo“, ein Glaubensbekenntnis in zwölf Liedern von Jochen Rieger (*1956), das der Komponist eigens für dieses Konzert mit einer Orchesterbegleitung versehen hatte. Die einzelnen Glaubenssätze sind in einfache Verse gefasst und werden zunächst immer vom Chor vorgestellt, um dann von den Solisten teilweise ergänzt und bekräftigt zu werden. Es ist ein eingängiges Werk, die oft beschwingte Musik ist mit viel Piano und viel ähnlichem Schlagzeugrhythmus garniert; häufige Tutti drängen sowohl den Text als auch die Solisten oft ein wenig an den Rand. Eine Komposition mit schönen Bläserstellen und instrumentalen Soli, wie gemacht für die glänzend aufgestellte und motivierte Jugendkantorei, die sich mit Schwung und vielen frischen Stimmen hineinwarf.

„Jetzt kommt die richtige Musik“, sagt der Sitznachbar beim Zwischenapplaus leise und lächelt. Wie wahr - und nach einer kurzen Pause beginnt Ludwig van Beethovens 1807 komponierte „Messe in C op. 86“ für Soli, Chor, Orchester und Orgel. Diese Messe und die 1823 entstandene „Missa Solemnis“ blieben die einzigen kirchenmusikalischen Werke Beethovens. Die sechs Teile der lateinischen Messe sind ab dem „Gloria“ in drei oder zwei Sätze aufgeteilt; das Hauptgewicht liegt beim Chor, die Gesangssoli spielen eher eine begleitende oder dialogische Rolle oder ordnen sich weitgehend unter - nur das „Benedictus“ ist stark vom Sopran geprägt.

Sehr schön meisterte der gesamte Chor, der vom Orchester mit einem Dutzend Bläsern, 13 Streichern sowie Truhenorgel und Pauke zuverlässig und sensibel begleitet und von Dirigentin Maria Hummel umsichtig geleitet wurde, anspruchsvolle Partien wie im Gloria „Qui tollis peccata mundi“ oder im „Credo in unum Deum“. Die beiden Schlussteile „Benedictus“ und „Agnus Dei“ mit dem „Dona nobis pacem“ berührten in ihrer präzisen musikalischen Ausformung, ein Verdienst der guten Vorbereitung. Insgesamt eine große gemeinschaftliche Leistung der rund 120 Mitwirkenden, die den langen herzlichen Applaus mehr als verdiente.

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