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Zeichnungen kanalisieren den Schmerz

Friedrichshafen kaba Entwurzelt, verängstigt, ausgegrenzt. So fühlen sich viele Migrantinnen, die ein neues Leben beginnen. Kunst kann ihnen helfen, sich auszudrücken und ihre Gefühle zu verarbeiten. Aus der Zusammenarbeit zwischen dem Zeppelin Museum und dem Interkulturellen Frauenarbeitskreis GEA entstanden Postkarten, die jetzt erhältlich sind.

Die Frau hält eine Waage in der Hand. Sparsam ist sie dargestellt, ein Piktogramm aus schwarzen und grauen Linien auf einer weißen Karte. Der rote Mund zeigt traurig nach unten, die großen Augen blicken den Betrachter fragend an. Auf der Waage halten die Worte „Hier“ und „Dort“ die Balance. Das Piktogramm drückt aus, was Migrantinnen aus der Region fühlen, es packt ihre Zerrissenheit in ein Bild.

Entworfen hat es das Kollektiv Migrantas aus Berlin im Rahmen der Ausstellung „Neue Heimat – Zwischen den Welten“, die am 25. April im Zeppelin Museum zu Ende ging. Die Künstlerinnen des Kollektivs arbeiten vor Ort mit Frauen aus verschiedensten Ländern. Die Migrantinnen zeichnen ihre Ängste, Hoffnungen, Träume und Wünsche, „Migrantas“ erarbeitet daraus aussagekräftige, zugespitzte Piktogramme. In Friedrichshafen hat der Frauenarbeitskreis GEA die Frauen zu Workshops, Gesprächsrunden und eben zum Zeichnen zusammengebracht. „Wir haben uns die Ausstellung angeschaut und dann haben wir über unsere Gefühle gesprochen. 200 bis 250 Frauen nahmen insgesamt daran teil“, berichtet Andrea Balikavlayan, Vorstandsmitglied von GEA. Entstanden sind 151 Zeichnungen, die in drei Piktogramme einflossen.

„Aus kuratorischer Sicht ist der Ansatz spannend, denn das, was die Frauen machen, wird wirklich gezeigt“, betont Frank-Thorsten Moll, Leiter der Kunstabteilung des Zeppelin Museums. Um die Nähe zur Kunst aufrechtzuerhalten, bietet er den Frauen des Arbeitskreises an, künftig kostenlos die Ausstellungen besuchen zu können und Führungen zu bekommen.

Ein Angebot, das die Frauen sichtlich freut und ihnen neue Möglichkeiten eröffnen kann, gemeinsam etwas zu unternehmen und ihr Empfinden auszudrücken. Denn die Balance zwischen den Kulturen ist ständig Thema zwischen den Frauen, sie bricht hervor, wann immer sie aufeinandertreffen. Vor allem, wenn es um ihre Kinder geht. „Wer ein Kind hat, muss hier bleiben“, sagt Khadija Douib aus Marokko. Es klingt hart, fast bitter. „Mein Sohn spricht Spanisch und Deutsch“, sagt Carmen Rondón de Guggenbühler aus Venezuela. Es klingt stolz.

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