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Philipp Richter

Wie die Politik das Rutenfest verändert

Die Ehrung der Oberstköniginnen und Oberstfähnriche wird es in seiner bisherigen Form nicht mehr geben
Bisher war die Ehrung der Oberstfähnriche und Oberstköniginnen für die Werkrealschulen der Höhepunkt während des Rutenfestes. Doch bald wird es in Ravensburg keine Werkrealschulen mehr geben, sondern nur noch Gemeinschaftsschulen. Geehrt wurden die
Felix Kästle

Ravensburg sz Politik ändert die Gesellschaft und hat direkten Einfluss auf unser Leben. Auf die Tradition des Rutenfestes hatte sie bisher keinen oder nur geringen Einfluss. Das Rutenfest stand immer wie ein Fels in der Brandung – fest und stabil überdauerte es die Jahrhunderte ohne große Veränderungen. Nur die Form und die Größe änderte sich. Die letzten großen Veränderungen sind bekannt: die Schützentrommler der Realschulen nahmen im Jahr 1968 zum ersten Mal am Rutenfest teil, 2001 kreierte man das Wappenschießen für die Hauptschüler, und 2003 durften zum ersten Mal Mädchen am Adlerschießen der Gymnasien teilnehmen. Doch diese Veränderungen waren immer von der Gesellschaft vorangetrieben worden.

Nur noch eine Werkrealschule

Im Jahr 2013 ist die Situation eine ganz andere. Die Bildungslandschaft, vor allem die Schullandschaft, hat sich grundlegend geändert – und die Schulen sind schließlich ein Hauptbestandteil des Rutenfestes. So laufen die städtischen Werkrealschulen zum Schuljahr 2013/2014 aus. Nur noch das Bildungszentrum St. Konrad wird dann eine Werkrealschule führen. An der Stefan-Rahl-Schule in Obereschach ist die neue Schulform der Gemeinschaftsschule hinzugekommen, und im nächsten Jahr wird es an der Kuppelnau eine weitere Gemeinschaftsschule geben. Eine erste Änderung gab es bereits in den vergangenen Jahren: Das Wappenschießen der Hauptschulen (beziehungsweise der Werkrealschule) heißt nun nur noch Wappenschießen.

Bis zum vergangenen Rutenfest war die Ehrung der Oberstköniginnen und Oberstfähnriche, also die jeweils leistungsstärksten Schüler und Schülerinnen, der Höhepunkt der Hauptschulen beziehungsweise Werkrealschulen. „Die Ehrung der Oberstköniginnen und Oberstfähnriche ist eine uralte Tradition, die wir beibehalten wollen“, sagt Dieter Graf, der Vorsitzende der Rutenfestkommission (RFK). Dieser Brauch ist seit dem Jahr 1720 belegt und soll auch weiterhin Bestandteil bleiben.

Ausschuss setzt Thema ab

Deswegen haben sich die Schulen Ravensburgs lange und intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt. Der Schülerrat diskutierte, und nun sollte der Punkt im Verwaltungs- und Kulturausschuss des Gemeinderats beraten werden, doch die Räte setzten den Punkt von der Tagesordnung. Der Grund: Solch ein wichtiges Thema brauche Zeit. „Wir dachten, dass ist reine Formsache und wird durchgewinkt“, sagt Graf. Was passiert nun mit der Ehrung, die traditionell am Rutenmontag in der Oberschwabenhalle stattfindet?

Der Schülerrat einigte sich in seinen Sitzungen auf ein neues Modell. Die Ehrung sowie die Titel Oberstkönigin und Oberstfähnrich sollen beibehalten werden, allerdings stehen die schulischen Leistungen nicht mehr im Vordergrund. Grund zur Ehrung sollen nun die besonderen sozialen Leistungen, also das soziale Engagement, der Schüler der jeweiligen Abschlussklassen sein. Außerdem sollen die Titel nicht mehr den Werkrealschulen vorbehalten sein. Auch Schüler aller anderen Schularten sollen in diesem Jahr diese Ehrung erfahren. So können auch Waldorfschüler, die erst sehr spät Noten erhalten, geehrt werden. Dem Willen des Schülerrats nach sollen die Schüler, die Schulleitung, die Lehrer und Eltern einer jeden Schule bestimmen, wer geehrt wird. Die letzte Entscheidung soll in den Händen der Schulkonferenz liegen.

Die Rutenfestkommission ist von dem Vorschlag auch angetan und unterstützt das Vorhaben. „So bleibt die Tradition erhalten und die Würdigung sozialer Leistungen ist auch etwas Schönes“, sagt Dieter Graf.

Doch es gibt noch immer offene Fragen zum Rutenfest: Bei welchem Schießwettbewerb machen die Gemeinschaftsschüler mit? Bei welcher Trommlergruppe dürfen sie mittrommeln? Dieter Graf: „Diese Fragen gehen wir nächstes Jahr an.“

In der nächsten Sitzung des Verwaltungs- und Kulturausschusses des Ravensburger Gemeinderats am Montag, 29. April, um 16 Uhr im Rathaus werden die Ehrungen wieder Thema sein.

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