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Westerheim (Württemberg)
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Westerheimer Kinder schlagen zu

Michael Stahl stärkt Mädchen und Jungen bei Projekt zur Gewaltprävention mit Tipps
"Wer andere schlägt oder mobbt, verliert mehr und mehr die Achtung vor sich selbst – oder hat sie schon verloren“, erklärt Micha
"Wer andere schlägt oder mobbt, verliert mehr und mehr die Achtung vor sich selbst – oder hat sie schon verloren“, erklärt Michael Stahl. Etwa 100 Mädchen und Jungen zeigte der Personenschützer, wie sie sich selbstverteidigen können und stärkte
Claudia Meindl

Westerheim sz „Meine Kraft schöpfe ich aus meinem Glauben zu Gott“, erzählt Michael Stahl. Er bietet Kurse zur Gewaltprävention an Schulen und Kindergärten, aber auch in Heimen oder Gefängnissen an. Am Montag zeigte er etwa 100 Mädchen und Jungen des Westerheimer Kindergartens Arche Noach und der Schule am Sellenberg in der Albhalle sowie dem Hohenstadter Kindergarten, wie sie sich schützen können.

„Die Motivation, andere zu beschützen, Schwache stark zu machen und Übertätern Grenzen zu setzen, basiert auf meinem christlichen Glauben“, betont er. Nur wer sich selbst achtet, könne auch andere achten. „Der Umkehrschluss ist, wer andere schlägt oder mobbt, verliert mehr und mehr die Achtung vor sich selbst oder hat sie schon verloren.“ Alles hört auf ein Kommando

In seinem Workshop zeigte Stahl, wie wichtig es ist, seinen eigenen Wert zu erkennen, „Nein“ sagen zu können. „Selbstverteidigung ist die Abwehr von Dingen, die nicht schön sind“, erklärt der Bodyguard den Kindern. Sobald Stahl etwas erzählte war es mucksmäuschenstill in der Sporthalle, jeder hörte genau auf das Kommando des großen Mannes. Stahl vermittelte Werte und führte den Kindern vor Augen führen, dass sie wertvoll sind, dass sie auch mit anderen wertvoll umgehen sollen. „In einer Reihe aufstellen, ohne schubsen und drängeln“, forderte Stahl. Und es funktionierte – jedes Mal aufs Neue.

Respektvoller Abstand und kugelrunde Augen zu Beginn der Übungen, ein Pfiff auf der Trillerpfeife und die ganze Meute steht und schweigt – beeindruckend. Trotzdem kommt Michael Stahl mit den Jungen und Mädchen ins Gespräch, fragt sie etwas, lässt erzählen, erzählt selber. Erzählt davon, dass er Computer und Computerspiele nicht mag und Fernsehen vor der Schule schon morgens verabscheut. Gefragt nach ihren Wünschen, was sie denn gerne mit ihren Eltern unternehmen möchten, antworten die Jungs: Fangen spielen, ins Hallenbad gehen, Fischen gehen, Klettern, ein Baumhaus bauen. Die Mädchen würden mit ihren Müttern gerne backen, oder – ganz oben auf der Wunschliste – Shoppen gehen. Das seien „ganz einfache Dinge, die aber Zeit mit den Eltern versprechen“, betont Stahl.

Und er zeigte den Kindern, dass sie Kraft haben, dass es manchmal auch wichtig ist sich wehren zu können, weglaufen zu können, aufmerksam zu sein. Mit Reaktions- und Rollenspielen, aber auch einem großen schwarzen Kissen, auf das jeder draufhauen durfte, gab er den Kindern Selbstvertrauen. Sie lernten keine Griffe oder Schlagtechniken, sondern wurden darin geschult, wie sie mit Angst oder Aggressionen umgehen können. „Nachher ein Mal die Eltern knuddeln“, damit entlässt Stahl die Kinder.

Michael Stahl ist mit seinem Unternehmen „M.S.E – modern self defence Education“ bereits in zahlreichen Fernsehsendungen aufgetreten und hat sich als Buchautor und Bodyguard von Prominenten einen Namen gemacht. Sein Ziel ist es, Kinder gegen Gewalt und Mobbing stark zu machen. Stahl erhielt dafür den „Werte Award“. Den Weg nach Westerheim fand er durch Silke Frank von Town und Country. Ihre Firma und die Schule teilten sich die Kosten des Projektes.

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