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Weingarten (Württemberg)
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Wenn es das Pferd im Kreuz hat

Pferdeosteopathin Stefanie Metzler aus Weingarten hilft bei Schmerzen und Fehlhaltungen

Pferdeosteopathin Stefanie Metzler aus Weingarten.
Pferdeosteopathin Stefanie Metzler aus Weingarten.
Jasmin Bühler

Weingarten sz Klagen Menschen über Rückenschmerzen, verstauchen sie sich den Fuß oder kugeln sie sich die Schulter aus, gehen sie zum Physiotherapeuten. Was aber machen Pferde in einem solchen Fall? Sie bekommen Hilfe von Stefanie Metzler. Die 36-jährige Weingartenerin ist ausgebildete Pferdeosteopathin und -physiotherapeutin und zur Stelle, wenn es bei den Vierbeinern schmerzt und zwickt. Metzler massiert Muskeln, dehnt Faszien und mobilisiert Gelenke. Krankengymnastik fürs Pferd sozusagen.

„Menschen können beschreiben, was ihnen weh tut, Pferde nicht“, sagt Stefanie Metzler. Ihre Aufgabe sieht sie darin, die Problemstellen ausfindig zu machen und zu behandeln. Die Sitzungen würden ähnlich ablaufen wie beim Menschen, meint Metzler: Die Expertin schaut sich den Patienten genau an, macht eine Ganganalyse, beobachtet die Bewegungsabläufe, geht die Gelenke durch und untersucht, wo es Auffälligkeiten gibt. Wie die Therapie aussieht und wie lange sie dauert, hängt laut Metzler vom Pferd und der Diagnose ab: „Bei akuten Sachen reicht meist eine Behandlung, bei älteren Problemen ist es langwieriger.“

Oft ist der Reiter schuld

Die Schwierigkeit bei der Arbeit mit Pferden sei, dass oft nur die Symptome behandelt werden könnten, nicht aber die Ursachen. Aus diesem Grund würde sie bei jeder Therapiestunde wieder von vorne anfangen müssen, so Metzler. „Der Mensch sagt, was ihm das letzte Mal gut getan oder weniger gut getan hat“, schildert Metzler das Problem. Beim Pferd müsse sie das selbst herausfinden. Nach jeder Behandlung verordnet Metzler dem Pferd 48 Stunden Ruhe. In dieser Zeit darf es nicht geritten werden. „Diese Regeneration ist wichtig“, erläutert die 36-Jährige. Zudem gibt sie den Besitzern Hausaufgaben auf, also bestimmte Übungen, die sie mit ihrem Pferd machen sollen, um die Symptome zu lindern.

Doch wie entstehen die Beschwerden überhaupt? „Die häufigsten Verletzungen beim Pferd sind vom Menschen gemacht“, sagt Stefanie Metzler. Heißt: durch falsches Reiten, eine feste Hand oder einen unpassenden Sattel. „Das führt zu Problemen in der Schulter, im Hals- und Lendenbereich sowie bei den Rückenwirbeln“, erklärt die Weingartenerin. Doch stellt sie fest, dass viele Pferdebesitzer „wahnsinnig wach“ seien und frühzeitig reagieren. „Die Prophylaxe wird auch im Pferdesport immer wichtiger“, sagt Metzler. Als Pferdeosteopathin arbeitet sie mit Tierärzten, Hufschmieden, Zahnärzten und Sattlern zusammen. Sie erklärt: „Ich mache nur das, was in meinen Bereich fällt. Alles andere überlasse ich anderen Spezialisten.“

Sensibilität statt Knochenbrechen

Der Bekanntheitsgrad von Tierosteopathen hat vor allem der „Knochenbrecher“ Tamme Hanken aus Ostfriedland gesteigert, der bis zu seinem Tod im Oktober 2016 eine eigene TV-Sendung hatte. Jedoch betont die Weingartenerin Stefanie Metzler, dass Osteopathie nichts mit Knochenbrechen zu tun hat. Vielmehr müsse man sich eingehend mit der Anatomie und der Biomechanik der Tiere beschäftigen. „Die Arbeit erfordert Sensibilität und Präzision“, sagt Metzler. Beim Lösen von Blockaden gehe es darum, wenige Gelenke mit wenig Spannung zu bearbeiten und den Körper zu Anpassungsreaktionen zu veranlassen. Metzler: „Erst das macht das große Ganze aus.“

Allerdings erlebt auch die Weingartenerin hin und wieder ein Wunder. Eines blieb ihr besonders im Gedächtnis: Vor ein paar Jahren hatte sie es mit einem Freizeitpferd zu tun. Das Pferd lahmte von Zeit zu Zeit vorne. Aus unerklärlichen Gründen. Nicht einmal das Röntgenbild hatte etwas ergeben. Metzler behandelte das Tier an Schulter und Brust, widmete sich insbesondere den Faszien. Danach war das Pferd so müde, dass es sich hinlegte und zehn Minuten schlief. „Das waren die längsten zehn Minuten in meinem Leben“, gesteht die Pferdeosteopathin. Dann die Überraschung: Das Pferd stand auf, streckte sich und war quietschfidel. „In diesem Moment war ich wirklich überwältigt davon, was Osteopathie leisten kann“, erzählt Stefanie Metzler.

Gelernt auf dem ABC-Gestüt Sipple

Stefanie Metzlers Großvater besaß den letzten Fuhrmannsbetrieb in Weingarten. Schon die Generationen vor ihr waren begnadete Turnier- und Blureiter. Nach ihrem Abitur im Jahr 2000 hat Metzler auf dem ehemaligen ABC-Gestüt Sipple (heute Schnyder-Ranch) im Ravensburger Westen eine Ausbildung zur Pferdewirtin gemacht. Danach war sie zwei Jahre lang als Berufsreiterin auf einem Hof in Westfalen. Dort hat sie pro Tag zwischen zehn und zwölf Pferde geritten. „Es war ein Knochenjob“, erinnert sich Metzler. Im Jahr 2004 kam sie nach Oberschwaben zurück. Es folgte eine Ausbildung als Humanphysiotherapeutin und später berufsbegleitend als Pferdephysiotherapeutin und -osteopathin. Heute macht Metzler beides zur Hälfte.

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