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Lindau (Bodensee)
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Weitere Millioneninvestition auf Lindauer Insel

Diakonie braucht Gönner und Sponsoren für die Millioneninvestition
So soll das Maria-Martha-Stift nach dem Umbau von der Zwanziger Straße her aussehen: Rechts ist der historische Bauteil, der bleibt, während Verbindungsgebäude und Neubau (links) im Stil des Alten neu errichtet werden.
So soll das Maria-Martha-Stift nach dem Umbau von der Zwanziger Straße her aussehen: Rechts ist der historische Bauteil, der bleibt, während Verbindungsgebäude und Neubau (links) im Stil des Alten neu errichtet werden.
Plan: Stadt Lindau

Lindau sz Die nächste Großbaustelle auf der Insel kündigt sich an: Das Maria-Martha-Stift will Gebäudeteile abreißen und neu bauen. Der Bauausschuss hat dem Vorhaben grundsätzlich zugestimmt, die Stadt will Baurecht schaffen. Die evangelische Diakonie als Eigentümer braucht aber noch Geld, damit sie die nötigen Millionen investieren kann.

Das Vorhaben hat eine lange Vorgeschichte, denn schon vor mehr als zehn Jahren hat die Stadt einem Bauvorhaben zugestimmt. Das scheiterte aber an Einsprüchen der Nachbarn. Deshalb wählen Stadt und Diakonie diesmal den länger dauernden aber sicheren Weg über einen Bebauungsplan.

Planungen der vergangenen Jahren analysiert

Chefstadtplaner Christian Herrling berichtete von verschiedenen Planungen in den vergangenen Jahren. Dabei ist klar, dass das Hauptgebäude erhalten bleibt. Verbindungsgebäude und Westflügel sollen abgerissen und neu gebaut werden. Zuerst hatte der Architekt einen modernen Bau geplant, der sich bewusst vom Alten abhebt. Doch der Entwurf war beim Gestaltungsbeirat durchgefallen. Die Beiräte hatten einen Wettbewerb empfohlen. Darauf hatte die Diakonie aber verzichtet und stattdessen einen Neubau planen lassen, der das historische Hauptgebäude spiegelt.

Laut Herrling ist der Gestaltungsbeirat einverstanden. Die Beiräte störten sich zwar an den an der Westfassade vorgebauden Balkonen gestört, die Diakoniechefin Anke Franke aber aus gesundheitlichen Gründen für die Bewohner als unerlässlich ansieht. Denn in den Zimmern sollen Menschen wohnen, die die Haus kaum verlassen können. Sie sollen aber zumindest im Rollstuhl auf dem Balkon frische Luft bekommen.

Haus zukunftssicher machen

Die Balkone waren auch der Grund dafür, dass Thomas Hummler (CSU) im Ausschuss gegen die Plänge gestimmt hat. Die könnten auch kleiner sein, so dass dort ein Rollstuhl Platz hat. Das wies Oliver Eschbaumer (BU) als kleinlich zurück: „Da sollen sich die Bewohner auch zweit zweit auf dem Balkon setzen und Kaffee trinken können.“ So sahen das auch alle anderen Räte und leiteten das weitere Verfahren für die Baugenehmigung ein.

„Wir wollen das Haus zukunftssicher machen“, erklärt Diakonie-Geschäftsführerin Anke Franke den Neubau: „Ein wesentlicher Punkt ist, dass wir nach Einweihung des Neubaus eine Einzelzimmer-Quote von 75 Prozent anbieten können.“ Außerdem sollen sämtliche Gebäudeteile des Altenheims ebenengleich und damit barrierefrei sein, was heute nicht der Fall ist.

Im Westflügel leben derzeit rüstige Bewohner, die nur wenig oder gar keine Pflege brauchen. Der Neubau soll voll integriert sein, sodass auch dort feste Wohngruppen untergebracht werden. In der Folge werden in jeder Wohngruppe nur noch zwölf Menschen leben. Damit bleiben die Wege für Mitarbeiter kurz, bewohnerfreundliche Gruppenstrukturen werden gestärkt. „Außerdem fällt dann auch das lästige Umziehen innerhalb des Hauses weg“, sagt Franke. Denn wenn heute ein Rüstiger intensivere Pflege braucht, muss er ins Hauptgebäude umziehen. Dieser Aufwand bleibt Bewohnern und Mitarbeitern künftig erspart.

Der Zeitpunkt für den Baubeginn ist noch unklar

Wann Abrissbirne und Bagger anrücken, ist noch nicht klar. Franke: „Wir nehmen uns lieber genug Zeit für die Vorbereitungen, damit die eigentliche Bauphase so kurz wie möglich ist.“ Während dieser Zeit wird es im Maria-Martha-Stift keinen Rüstigen-Bereich geben. „Aber wir haben schon eine gute Lösung für den Übergang“, sagt Franke: Die Zeit bis zum Baustart will das Maria-Martha-Stift nutzen, um das Zimmerangebot auf den bestehenden Flächen zu verbessern.

So entstehen im jetzigen Andachtsraum neue Bewohnerzimmer. Das ist Voraussetzung dafür, die vierte Etage mitsamt einer nicht benötigten Hausmeisterwohnung umzugestalten. So entstehen Einzelzimmer, in die dann die Bewohner des heutigen Westflügels umziehen könnten. Anke Franke hat Bewohnern und Angehörigen die Pläne bereits vorgestellt.

Neubau aufwendig

Der Umbau wird auch deshalb aufwendig, weil der Neubau auf dem aufgeschütteten Gelände am Kleinen See auf Pfähle gestellt werden muss. Das wird für den Trägerverein, die evangelische Diakonie Lindau, teuer. Allerdings hat die Diakonie Erfahrung mit aufwendigen Baumaßnahmen, Franke erinnert an die Generalsanierung des Kinderhauses St. Stephan am Alten Schulplatz.

Die erwartete Investitionssumme in Millionenhöhe kann der Verein, der nach Aussage von Kassierer Rainer Hartmann finanziell „kerngesund“ dasteht, nicht aus eigener Kraft stemmen. Der Zeitpunkt sei wegen des Zinsniveaus zwar sehr günstig. „Die niedrigen Zinsen wollen wir auf jeden Fall mitnehmen“, sagt Franke, stellt aber auch klar: „Wir sind auf Unterstützung und Förderung angewiesen, denn ein Verein mit 230 Mitgliedern und einem Jahresbeitrag von 25 Euro kann es nicht allein schaffen, dieses wichtige Projekt ohne Hilfe allein zu bewältigen.“ Deshalb hofft sie auf Zuwendungen von Gönnern und Sponsoren: „Denn bei uns springt bei Engpässen nicht die Stadt ein. Wir müssen alles aus eigener Kraft stemmen.“

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