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Was sind Zeichen Gottes?

Katholische und evangelische Pfarrer sprechen in ihren Predigten zu Weihnachten über Suche und Vertrauen
 Zahlreiche Gläubige haben an Weihnachten die Gottesdienste in den katholischen und evangelischen Kirchen besucht. Unser Foto zeigt das Krippenspiel in St. Konrad im Neu-Ulmer Stadtteil Burlafingen.
Zahlreiche Gläubige haben an Weihnachten die Gottesdienste in den katholischen und evangelischen Kirchen besucht. Unser Foto zeigt das Krippenspiel in St. Konrad im Neu-Ulmer Stadtteil Burlafingen.
Felix Oechsler

Ulm/Landkreis Neu-Ulm sz Um Glauben, Vertrauen und um die Suche nach Zeichen Gottes ging es in den Predigten von evangelischen und katholischen Pfarrern in der Region zu Weihnachten. „Wie müde kann man werden in einer Beziehung, in der Beziehung zu anderen Menschen, aber auch in der Beziehung zu Gott?“, fragte Dekan Ernst-Wilhelm Gohl im Ulmer Münster in der Christmette. Seine Neu-Ulmer Kollegin, Dekanin Gabriele Burmann, beschäftigte sich mit der übertragenen und wörtlichen Bedeutung von Licht im Dunkel.

„So müde, so hoffnungslos, so realistisch, dass man nichts mehr erwartet. Ohne Hoffnung, dass da noch etwas anderes sein könnte – etwas unerwartet anderes“: Wer so von Gott denke, mache Gott müde, zitierte Gohl den alttestamentarischen Propheten Jesaja. „Wenn wir Gott unterfordern, statt ihn herauszufordern, ermüden wir ihn. Wenn wir von Gott nichts mehr erhoffen, was unsere Lebenssituation zum Guten wenden könnte – und sei sie noch so ausweglos –, ermüden wir Gott und uns. Wer von Gott nichts erwartet, weil er sich nur auf sich selbst verlässt, der ist am Schluss allein mit sich selbst: Hilf dir selbst, sonst hilft dir niemand. Eine Erwartung, die müde macht und einsam. Wir alle kennen Menschen, die gerade in der Weihnachtszeit in diese Einsamkeit fallen.“

Gott schickte ein Kind in die Welt, fuhr Gohl fort. „Hätte Gott nicht ein stärkeres Zeichen schicken können? Oft wünschen wir uns ja den starken Gott. Gott, der auch mal mit der Faust auf den Tisch haut und dem Morden in Syrien, im Jemen und wie die Kriegsgebiete der Welt heißen Einhalt gebietet. Ein Gott, der mit den Verbrechern dieser Welt aufräumt. Mit Menschen, die nur sich und ihre Interessen sehen und über Zigtausende von Leichen gehen. Einen starken Gott, der sich sichtbar durchsetzt, der erkennbar ist – klar und eindeutig! Wie oft wünschen wir uns dieses Zeichen! Doch dieses Zeichen gibt uns Gott nicht“, sagte der Dekan.

Stanislaus Igbasi, Pfarrer von St. Konrad in Burlafingen, betonte in seiner Weihnachtspredigt: „Niemand verlangt von uns, dass wir das große Geheimnis der Menschwerdung Jesu verstehen.“ Christi sei „eine besondere Botschaft für die, denen es momentan nicht gut geht, die Schwierigkeiten erleben, die sich betrogen und verlassen fühlen, die niemanden haben, der ihnen sagt, dass sie von ihm geliebt sind“. Das Geheimnis der Weihnacht gebe eine Chance, neu zu beginnen, wenn es notwendig ist.

Einen „Seitenwechsel Gottes“ nannte Gabriele Burmann die Geburt Christi: „Er probiert nicht nur mal eben kurz die Situation eines Kindes in Palästina zur Zeit des Kaiser Augustus.“ Sondern er gehe den Weg der Erlösung bis zum Tod am Kreuz. „Von diesem Leben geht eine lichte Botschaft aus und hat sich seither durch die Zeiten nicht mehr stoppen lassen.“ Burmann zitierte aus einer Erzählung Leo Tolstois, in der ein des Lebens überdrüssiger König von seinen Untertanen Gott gezeigt bekommen will. Ein Kleidertausch mit einem Hirten lässt den König Gott begreifen.

Bernhard Mooser, katholischer Stadtpfarrer in Weißenhorn, ging auf das für die Kirche Mariä Himmelfahrt neu gekaufte Christkind ein: „Es kann uns motivieren, nicht einfach Traditionen zu übernehmen, sondern uns neu mit dem Kern von Weihnachten zu beschäftigen: Das Kind in der Krippe will uns ansprechen! Es liegt mit offenen Armen vor uns. Es sind auch 33 Jahre später die ausgestreckten Arme des Gekreuzigten. Jesus als Kind und Jesus Christus als unser Erlöser: Er lädt uns alle ein: ‚Komm zu mir! Bei mir findest du Ruhe und Frieden in deiner Seele!‘ Unsere Antwort soll Staunen, aber auch dankbare Gegenliebe sein“, sagte Mooser.

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