Schwäbische.de Schwäbische.de
Bedeckt 1
Riedlingen (Donau)
Lokales

Vom Alptraum zum Lebenstraum

Die Dr. Eder Mollè Stiftung unterstützt in Kamerun Mädchen in Not
Durch die Stiftung von Dr. Reginamaria Eder und Patience Mollè Lobè erhalten die Mädchen im Sozialzentrum HUPJEFI wieder eine Lebensperspektive.
Durch die Stiftung von Dr. Reginamaria Eder und Patience Mollè Lobè erhalten die Mädchen im Sozialzentrum HUPJEFI wieder eine Lebensperspektive.
privat

Riedlingen sz In Douala in Kamerun leben etwa 200 000 Mädchen, die verstoßen, vergewaltigt oder zur Überlebensprostitution gezwungen sind. Ihnen zu helfen, ist Dr. Reginamaria Eder aus Riedlingen und Patience Mollè Lobè aus Douala ein Herzensanliegen. Die beiden Frauen betreiben ehrenamtlich seit 1998 das Sozialzentrum HUPJEFI (halte utile pour jeunes filles), was soviel bedeutet wie „Helfender Halt für junge Mädchen“. In den inzwischen drei Zentren werden derzeit 80 Mädchen betreut. Damit die Arbeit weitergehen und das neue Projekt, die Schneiderschule Doriana, ausgebaut werden können, braucht es Unterstützung, denn nur so wird Hilfe zur Selbsthilfe für die Mädchen möglich.

Seit der ersten Anschubfinanzierung vor 19 Jahren durch die Riedlinger Pfarrgemeinde für das erste Sozialzentrum für junge Mädchen, ist viel passiert. Knapp 700 Mädchen zwischen 14 und 20 Jahren konnte ein Leben außerhalb der Prostitution ermöglicht werden. In den Sozialzentren werden die Mädchen in Not aufgefangen, bekommen eine warme Mahlzeit und finden Familienersatz. Neben Unterricht in schulischen Fächern, lernen sie nähen und kochen, bekommen christliche Werte und auch Computerkenntnisse vermittelt. Der Aufbau von Selbstvertrauen und das Einüben praktischer Entscheidungshilfen für den Alltag sind wichtige Bestandteile des Unterrichts. Ein sexualpädagogisches Programm gehört im von Aids gebeutelten Afrika dazu.

Dr. Reginamaria Eder hat viele Schicksale kennengelernt. Eines davon brachte die 17-jährige Konji in das Sozialzentrum. Das Mädchen irrte mit ihren Habseligkeiten des Nachts durch die Gassen der Metropole Douala, um eine Unterkunft zu finden. Die Tränen versucht sie zu unterdrücken, denn dafür ist keine Zeit. Seit ihrer Geburt wird sie von Oma zu Tanten und Onkels weitergereicht, führt ein Aschenputtel-Dasein und wird oft sexuell ausgenutzt. Ob sie sich schon mit dem HIV/Aids-Virus angesteckt hat oder nicht, wagt sie nicht zu denken. Alles, was sie will, ist: in eine Schule zu gehen. Doch da ist keine Menschenseele, die sich um sie kümmert. Eben wurde sie hinausgeworfen, weil sie es wagte, eine entfernte Verwandte, die sie immerhin drei Jahre aufgenommen hatte, an das versprochene Schulgeld zu erinnern. Eine Freundin vermittelt sie an den nächsten Freier. So landet sie auf dem Strich.

Als Konji ins Sozialzentrum kam, war sie die ersten Monate hoch traumatisiert. HUPJEFI gab ihr zum ersten Mal in ihrem Leben eine Bezugsperson, Hoffnung und ein wachsendes Selbstwertgefühl. Hier lernte sie Grundkenntnisse im Schneidern und wurde in eine Schneiderlehre weiter vermittelt. Heute ist Konji selbständige Schneiderin und kann sich und ihre Familie versorgen.

Die Riedlingerin Reginamaria Eder hat in Douala viele Mädchen kennengelernt, die ähnliche Schicksale mit sich herumtragen und deren Zukunft trostlos bleibt, wenn ihnen nicht geholfen wird. „Wie viele der Mädchen versuchen, sich nach Europa abzusetzen, um dann umzukommen oder in die Hände von Sklavenjägern, wie jetzt in Lybien, oder von Bordellbesitzern fallen, wissen wir nicht“, sagt Eder. Sie und Mollè wollen ihren Teil dazu beitragen, dass durch diese drei Sozialzentren viele Mädchen eine bessere Zukunft und eine Lebensperspektive in Kamerun finden.

Hintergrund

Dr. med. Reginamaria Eder stammt aus Riedlingen und arbeitet seit 1987 als Entwicklungshelferin und Public Health Ärztin in Afrika. Patience Mollè Lobè ist Kamerunerin und von Beruf Bauingenieurin. Seit Jahrzehnten engagiert sie sich in der Beratung und Unterstützung von Frauen. Sie war im Antikorruptionsrat der Regierung und ist mehreren Attentaten entgangen.Gemeinsam haben die beiden Frauen 2009 die Dr. Eder und Mollè Stiftung gegründet und ihr gesamtes Vermögen eingebracht. Die in Deutschland ansässige Stiftung trägt die in Douala/Kamerun initiierten Projekte.

Zweck der Stiftung ist die Hilfe zur Selbsthilfe für Frauen in Afrika, insbesondere in Kamerun. Die Situation der Frauen und Mädchen ist durch Zerfall der Familien, Aids-Waisen, hohe Arbeitslosigkeit, Landflucht, Wirtschafts- und Finanzkrisen und den Zerfall traditioneller und christlicher Werte besonders problematisch – und dies bei zunehmender Armut, Missbrauch von Arbeitskraft und sexueller Ausbeutung der Frauen. Seit 1998 helfen Eder und Mollè Lobbè den jungen Frauen, aus dieser Situation herauszukommen.

Alle Beiträge der SZ-Weihnachtsaktion sind unter www.schwaebische.de/weihnachtsspendenaktion zu finden

Ihr Kommentar zum Thema

 
URL: http://www.schwaebische.de/region_artikel,-Vom-Alptraum-zum-Lebenstraum-_arid,10781059_toid,581.html
Copyright: Schwäbisch Media Digital GmbH & Co. KG / Schwäbischer Verlag GmbH & Co. KG Drexler, Gessler. Jegliche Veröffentlichung, Vervielfältung und nicht-private Nutzung nur mit schriftlicher Genehmigung.
Bitte senden Sie Ihre Nutzungsanfrage an online@schwaebische.de.