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Vogt ist gegen voreiligen Kiesabbau

Vogt sz Die Gemeinde Vogt steht weiterhin kritisch zum geplanten Kiesabbau auf ihrer Gemarkung. Jüngst beschäftigte sich der Gemeinderat wieder mit diesem Thema und beschloss, im Falle eines sogenannten Zielabweichungsverfahrens Einwendungen abzugeben: Die Gemeindeverwaltung hat ein Rechtsanwaltsbüro beauftragt, die Sache rechtlich zu überprüfen.

Um was geht es konkret? Wie bereits mehrfach berichtet, will der Regionalverband Bodensee-Oberschwaben den Regionalplan fortschreiben, in dem es unter anderem auch um die Versorgung der Region mit Rohstoffen geht. In diesem Falle also mit Kies, der sowohl im Straßenbau als auch sonst beim Bau von Gebäuden gebraucht wird. Um den Bedarf zu decken, soll der Kiesabbau in Grenis (Gemarkung Amtzell) erweitert werden. Zudem soll ein neues elf Hektar großes Kiesabbaugebiet im Altdorfer Wald beim Vogter Teilort Grund entstehen.

Kritik an Satellitenkonzept

Geplant ist, dass mit zwei Lastwagen der Kies von dort mit 18 Touren (36 Bewegungen) nach Grenis transportiert wird, damit er dort verarbeitet werden kann. Das sagte der Geschäftsführer der Betreiberfirma Meichle und Mohr, Rolf Mohr, bei einer Informationsveranstaltung für Gemeinderäte und Bürgermeister Mitte Juli in Grenis. An diesem sogenannten Satellitenkonzept stört sich nun vor allem Vogt, weil der Lastverkehr durch die Gemeinde rollen soll.

Meichle und Mohr hat angekündigt, einen Antrag auf ein sogenanntes Zielabweichungsverfahren beim Regierungspräsidium Tübingen zu stellen, damit schneller mit der Arbeit in der neuen Kiesgrube begonnen werden kann. Laut Vogts Bürgermeister Peter Smigoc ist ein solches Verfahren noch nicht beantragt worden. „Wir wollen das rechtlich prüfen lassen, nicht dass durch eine solche Vorabgenehmigung Tatsachen geschaffen werden“, sagt der Bürgermeister im Gespräch mit der „Schwäbischen Zeitung“. Außerdem hat die Gemeinde Vogt einen Geologen damit beauftragt, die Wasserversorgung zu überprüfen, weil die Vogter wegen der Tiefe des Kiesabbaus Sorge um ihr Trinkwasser haben. Da will man Sicherheit haben.

Der Widerstand in der Bevölkerung rund um Grenis – also in den betroffenen Gemeinden Amtzell, Waldburg, Wolfegg und Vogt– wächst. Die Unterschriftenliste der Interessengemeinschaft Grund/Grenis um Bruno Werner von Kreit zählt mittlerweile mehr als 1200 Unterzeichner. Die Interessengemeinschaft glaubt, dass der Ausbau der bestehenden Kiesgrube Grenis und das neue Kiesabbaugebiet als Grund für den Weiterbetrieb der Asphaltmischanlage dient. Denn die Erlaubnis für den Betrieb der Anlage ist laut Genehmigung an den Kiesabbau gekoppelt. Die Behörden sehen das aber anders.

Scharpf: Umwelt wird zerstört

In einer Stellungnahme hat sich der Vogter Gemeinderat Max Scharpf zu Wort gemeldet, der zu den Kritikern zählt. Darin schreibt er unter anderem: „Etwa die Hälfte an Kies und Sand wird aus dem Verbandsgebiet hinaus verkauft. [...] Wird der Kies in Regionen verkauft, wie den Neckar-Alb-Raum, die über keine eigenen nennenswerten Kiesvorkommen verfügen, ist das solidarisch und gut. Wird der Kies aber nach Bayern, Österreich oder in die Schweiz verkauft, die eigene Kiesvorkommen haben, ist das unsolidarisch und schlecht. Denn es geht auf Kosten unserer Natur, unserer Gesundheit, Lebensqualität und Infrastruktur.“ Außerdem kritisiert er den Regionalverband, dass dieser den größten zusammenhängenden Wald Oberschwabens mit seinem Grundwasserreservoir ins Rennen schickt. Er fordert, „in Erfahrung zu bringen, wie viel Kies und Sand, wohin exportiert wird.“

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