1
Schwäbische.de Schwäbische.de
Heiter 1
Biberach an der Riß
Lokales

Vier Kommunen treiben gemeinsames Industriegebiet voran

Geplanter Zweckverband mit viergleichberechtigten Partnern

Warthausen/Biberach bvl/gem In einer gemeinsamen Sitzung der Gemeinderäte aus Biberach, Warthausen, Schemmerhofen und Maselheim soll in Warthausen am heutigen Montag der Zweckverband für das interkommunale Industriegebiet (IGI) Rißtal auf den Weg gebracht werden. Alle vier Bürgermeister betonen im Vorfeld die Wichtigkeit dieses gemeinsamen Projekts.

Das geplante IGI Rißtal liegt verkehrsgünstig an der Bahnlinie und der B30. Der erste Erschließungsabschnitt befindet sich im Bereich von Herrlishöfen, „im Bereich des früheren Rappenhofs“, sagt Biberachs Oberbürgermeister Norbert Zeidler. Auslöser für die Planungen ist ein bereits vor Jahren formulierter Erweiterungsbedarf der Biberacher Unternehmensgruppe Handtmann. „Sie wird“, so Zeidler, „die erste Firma sein, die sich im neuen Gebiet ansiedelt.“ Weitere Interessenten aus Biberach und der Region gebe es bislang noch nicht. „Diese werden aber kommen“, ist sich Zeidler sicher.

„Ich bin mit dem Begriff ,historisch’ etwas vorsichtig, aber ein solches Industriegebiet gemeinsam auf den Weg zu bekommen, ist schon ein großes Signal“, sagt der Biberacher OB. „Wir pflegen damit den Ast, auf dem Biberach und die ganze Raumschaft sitzen.“

Geplant ist, das Industriegebiet schrittweise zu erschließen. Der erste Abschnitt soll nach Angaben von Schemmerhofens Bürgermeister Mario Glaser zehn bis 15 Hektar groß werden. Weitere Abschnitte werden folgen. „Wir sprechen von den Jahren bis 2035“, so Glaser.

Damit im Rißtal ein solches Industriegebiet ausgewiesen werden kann, ist – wie immer, wenn von den Zielen der Raumplanung abgewichen wird - ein sogenanntes Zielabweichungsverfahren nötig. Der entsprechende Antrag liegt dem Regierungspräsidium seit Januar vor. Glaser rechnet mit einer Entscheidung im Herbst dieses Jahres. Wenn alles ideal laufe, könnten Ende 2018 die Erschließungsarbeiten ausgeschrieben werden, sagt er. Zeidler schließt sich dem an. „Wir wollen und müssen Gas geben, der Flächenbedarf ist da“, so Glaser.

Die beteiligten Bürgermeister sehen im IGI die Chance, gemeinsam zu erreichen, was die einzelne Kommune für sich nicht könnte. Biberach fehlen die Flächen, um den Firmen die entsprechenden Erweiterungsgrundstücke anzubieten. Maselheim, Schemmerhofen und Warthausen wären jeder für sich nicht in der Lage, ein so großes Industriegebiet auszuweisen. Der Zweckverband sieht vier gleichberechtigte Partner vor. Die Kommunen teilen Kosten und Erträge, insbesondere die Gewerbesteuer, zu jeweils 25 Prozent unter sich auf.

„Auf Augenhöhe“

„Die vier Kommunen befinden sich auf Augenhöhe miteinander“, hebt Glaser hervor. „Uns geht es darum, die Firmen, die Arbeitsplätze und den Wohlstand in der Region zu halten.“ In Schemmerhofen lebten viele Bürger, die bei den großen Firmen in Biberach arbeiteten. Für Schemmerhofen sei das IGI Rißtal eine gute Sache, findet er.

„Wenn man so ein Gebiet ausweisen will, muss man es interkommunal machen“, betont Warthausens Bürgermeister Wolfgang Jautz. Warthausen allein hätte nicht die Firmen für so ein Gebiet. „Und vom Regierungspräsidium erhielten wir die Aussage, dass uns ein solches Industriegebiet nicht genehmigt werden würde.“

Das Industriegebiet bedeute Flächenverbrauch, aber im Gegenzug auch Arbeitsplätze und Wohlstand, so Jautz. Einnahmen aus der Einkommens- und der Gewerbesteuer könne Warthausen gebrauchen, sagt er mit Blick auf den Kita-Ausbau. Die wirtschaftliche Entwicklung in der Region zu sichern heiße auch, dass man dem Bürger kulturelle Angebote machen könne, die Kommunen in ökonomisch schwachen Regionen eben nicht bieten könnten.

„Mit dem IGI Rißtal tragen wir unseren Teil zur weiteren Entwicklung im Landkreis bei“, sagt Maselheims Bürgermeister Elmar Braun. Maselheim profitiere schon jetzt von den Arbeitsplätzen der großen Biberacher Unternehmen. „Die Leute wohnen bei uns und zahlen somit bei uns Steuern.“ Er hoffe natürlich auch auf Gewerbesteuereinnahmen aus dem IGI. „Aber das wird dauern“, sagt Braun und fügt hinzu: „Ich will die Erwartung bremsen, dass Maselheim dann plötzlich im Geld schwimmt.“

Als Grüner sei er natürlich nicht begeistert von einem Industriegebiet im Rißtal. „Wenn wir es nicht machen würden, müssten wir zu den Firmen sagen, verlasst die Region, und zu unseren Bürgern, arbeitet woanders und zieht weg.“

Der Zweckverband Industriegebiet Rißtal soll bei der Sitzung der Gemeinderäte von Biberach, Maselheim, Schemmerhofen und Warthausen am heutigen Montag um 18 Uhr in der Turn- und Festhalle Warthausen gegründet werden.

Ihr Kommentar zum Thema
Kommentare (1)
1
Beitrag melden

Was genau macht hier Biberach ? keine der Flächen liegt auf Biberacher Gemarkung !
Ich denke mal nicht , dass Biberach bei seinen eigenen Gewerbegebieten auch die Umlandgemeinden mit an den Tisch genommen hat. Deshalb denke ich , dass das die Gemeinden auch alleine ohne Biberach hinbekommen werden . mehr

Bitte geben Sie den Grund der Meldung ein:

Bitte geben Sie mindestens 10 Zeichen ein!

 
URL: http://www.schwaebische.de/region_artikel,-Vier-Kommunen-treiben-gemeinsames-Industriegebiet-voran-_arid,10634578_toid,112.html
Copyright: Schwäbisch Media Digital GmbH & Co. KG / Schwäbischer Verlag GmbH & Co. KG Drexler, Gessler. Jegliche Veröffentlichung, Vervielfältung und nicht-private Nutzung nur mit schriftlicher Genehmigung.
Bitte senden Sie Ihre Nutzungsanfrage an online@schwaebische.de.