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Weingarten (Württemberg)
Lokales

Verschärftes Sicherheitskonzept für den Blutritt

Mehr Polizisten, viele Absperrungen und Kontrollen und ein zentrales Lagezentrum am Blutfreitag in Weingarten

Weingarten sz Mit einem verschärften Sicherheitskonzept und mehr Polizisten als in den Vorjahren geht die Stadt Weingarten in den kommenden Blutfreitag am 26. Mai.

So wird es während der Veranstaltung nur eine Zufahrtsstraße geben, über die Besucher und Anwohner in die Stadt gelangen. Auch sollen Kontrollen und Absperrungen verschärft werden. Um bei all dem den Überblick nicht zu verlieren, wird erstmals ein Lage- und Sicherheitszentrum im Amtshaus eingerichtet. Auch eine Warn-App könnte eingesetzt werden. „Aus gegebenem Anlass haben wir das Sicherheitskonzept überarbeitet“, sagte der städtische Verwaltungsdirektor Günter Staud bei einer Pressekonferenz am Donnerstag. „Wir haben das alles zusammengefasst und sind zuversichtlich, dass wir gut aufgestellt sind.“

Dieses Sicherheitsgefühl sei vor allem der guten Zusammenarbeit zwischen Stadt, Polizei und Kirche in den vergangenen Wochen und Monaten zu verdanken, so der einhellige Tenor bei allen Beteiligten der Pressekonferenz. Weingartens Polizeichef Harald Wanner erklärte, dass diesmal deutlich mehr als die üblichen 70 bis 80 Polizisten am Blutfreitag im Einsatz sind. Neben den üblichen Absperrungen und an der Strecke werden auch einige Beamte in Zivil unterwegs sein, die das Geschehen beobachten. Außerdem werden sechs berittene Polizisten aus Stuttgart die Prozession begleiten. „Wir wollen so gut wie nötig und so unauffällig wie möglich vor Ort sein“, sagte Wanner.

Notfall-App im Einsatz

Daher müssten sich die Besucher auch stichprobenartig auf Kontrollen einstellen. Unterstützung gibt es auch von Mitarbeitern des städtischen Ordnungsamtes. „Da werden wir in die ein oder andere Tascje auch mal hinein schauen“, sagte Wanner. Neben der Kontrolle wird auch auf das Thema Kommunikation in diesem Jahr besonders viel Wert gelegt. Neben dem Lage- und Sicherheitszentrum im Amtshaus, wo alle Fäden zusammenlaufen, könnte im Extremfall auch die Warn-App NINA (Notfall-Informations und Nachrichten-App) zum Einsatz kommen.

„Wir wollen schnellstmöglich informieren“, sagt Staud. Allerdings dürfte die App tatsächlich nur im Notfall – ob Brand, Terrorgefahr oder Wetterwarnungen – zum Einsatz kommen. Ohnehin könne man damit sicher nicht alle Teilnehmer erreichen, schließlich sei die App noch nicht so verbreitet. Im Zweifel können man aber auch ganz altmodisch über Lautsprecher informieren. „Bei der Hurricane-Warnung würden wir ganz genau hinschauen“, sagt Wanner lachend in Anspielung auf das Dauerthema „Wetter“ beim Blutritt.

Unabhängig davon habe sich das Sicherheitskonzept für den Blutritt auch in den vergangenen Jahren immer etwas verändert. „Es gilt, die weltpolitischen Entwicklungen zu betrachten – auch von unserem kleinen Weingarten aus“, sagt Wanner. Daher werde man sensible Bereiche in der Stadt in diesem Jahr etwas stärker schützen. „Das wird im Stadtbild etwas mehr auffallen, besonders an der Polizeipräsenz“, so Wanner.

Zufahrt nur von Westen

Wichtig für die tausenden Besucher dürfte vor allem aber auch die Verkehrsführung sein. Denn nach 7 Uhr, wenn die Heilig-Blut-Reliquie auf dem Basilikavorplatz an Dekan Ekkehard Schmid übergeben wird, ist Weingarten nur noch von der B 30/B 32 über die L 317, also die Schussental- und Niederbiegerstraße, erreichbar. „Die verkehrlichen Absperrungen werden etwas konsequenter als sonst sein. Ab 7 Uhr ist die Stadt dicht“, sagt Staud. Zwar kreuzt der Prozessionsweg auch die L 317, doch dürfte es immer wieder Möglichkeiten geben, Autos zwischen den einzelnen Reitergruppen durchzulassen. Die anderen Hauptzufahrtstraßen, wie die Ravensburger, Waldseer und Wolfegger Straße sind grundsätzlich gesperrt. „Über mögliche Ausnahmen entscheiden die Kollegen vor Ort. Den ein oder anderer barschen Ton möge man uns nachsehen“, sagt Wanner.

Entsprechend vorbereitet haben sich auch Dekan Ekkehard Schmid, der als Blutreiter die Prozession anführen wird, und Veterinär Christoph Ganal. Während Schmid die Verbundenheit der Reiter zum Blutfreitag und die Balance zwischen Spiritualität und Großereignis fasziniert – „Diese merkwürdige Balance macht den Blutritt aus“ –, hob Ganal die Bedeutung der rund 2700 teilnehmenden Pferde hervor. „Das ist nicht nur eine Wallfahrt auf dem Pferd, sondern auch eine Wallfahrt für das Pferd“, sagt er.

Rücksicht der Zuschauer

Mit frühzeitiger Planung und der gewachsenen Struktur sei man sehr gut aufgestellt. „Wir können es nicht verhindern, aber vieles vorbereiten“, sagt er hinsichtlich möglicher Einsätze. „Wenn etwas passiert kommen wir vom Hintergrund in den Vordergrund.“ Allerdings hoffe er, dass sein Team an diesem Tag arbeitslos bleibe. Im Umgang mit dem Pferd seien aber nicht nur die Reiter, sondern gerade auch die Zuschauer gefragt. Hektische Bewegungen, blitzende Kameras und aufklappende Schirme gelte es zu vermeiden. „Das Pferd an sich ist schreckhaft. Da braucht es auch Respekt von den Zuschauern, sagt Staud.

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