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„Verein muss man leben“

Hubert Appenmaier ist seit 40 Jahren Mitglied des Musikvereins Tettnang
Hubert Appenmaier beim Wunschkonzert im April – souverän leitet er die Stadtkapelle, bis ein neuer Dirigent gefunden ist.
Hubert Appenmaier beim Wunschkonzert im April – souverän leitet er die Stadtkapelle, bis ein neuer Dirigent gefunden ist.
Angela Schneider

Tettnang sz Aufzählen, was Hubert Appenmaier schon alles für seinen Verein getan hat? Unmöglich. Er hatte in 40 Jahren viele verschiedenen Ämter inne: Uniform- und Zeugwart, Beisitzer, seit 1991 Vizedirigent, auch zehn Jahre lang Vorsitzender war er. Insgesamt drei Mal hat er als Dirigent die musikalische Leitung übernommen, als die Stadtkapelle ohne dastand. „Er ist immer da, wenn wir ihn brauchen“, lautet in Dankesreden dann die übliche Floskel, und gut möglich, dass dieser Satz auch in seiner Laudatio am Samstag, wenn Hubert Appenmaier für 40 Jahre Mitgliedschaft im Musikverein ausgezeichnet wird, fällt. Aber was heißt das denn nun?

„Verein muss man leben, sonst kann man es gleich ganz bleiben lassen“, sagt Hubi, wie ihn alle im Verein nennen, gern. Er ist ein Macher. Klar packt er an. Baut auf, baut ab, fährt Traktor oder Stapler, schafft was weg. Buddelt höchstselbst auf dem eigenen Acker die Kartoffeln aus, aus denen die Stadtkapelle dann 80 Kilo Kartoffelsalat zum Verkauf beim Bähnlesfest macht. Aber er kann auch das andere, nämlich planen, organisieren, den großen Rahmen im Blick behalten. Ideen entwickeln und sie mit gutem Gespür für das Machbare umsetzen. Er ist sich für nichts zu schade, gleichzeitig steht er auch gerne vorne dran, im Rampenlicht. Und er hat eine herausragende Fähigkeit, die alle sofort zu spüren bekommen, die mit ihm zu tun haben: Er ist verlässlich und möchte, dass es allen gut geht. Eigentlich ist das nicht bloß eine Fähigkeit. Es ist eine Eigenschaft, die Hubert Appenmaiers Persönlichkeit grundlegend ausmacht und dazu führt, dass er dem Verein so ungeheuer freigiebig zukommen lässt, was er hat.

Wenn es allen gut geht, geht es ihm auch gut

Seine Vereinskameraden, von denen viele inzwischen selbst Familie haben, und auch die Papas des Stadtkapellen-Nachwuchses, die selber gar nicht im Verein aktiv sind, können davon ein Lied mit vielen Strophen singen. Vor sieben Jahren hat Appenmaier die „Vater-Kind-Hütte“ ins Leben gerufen. Seither reisen Väter und Kinder in wachsender Anzahl einmal im Jahr ins Vorarlbergische in die Sommerfrische, und für viele der Kinder sind diese Tage ein absoluter Höhepunkt des Jahres. Kümmerer und Küchenchef: Hubert Appenmaier. Das ist nur eines von vielen Beispielen, an denen sich festmachen lässt, was den Hubi so umtreibt. Er hat eine neue Idee für seinen Verein, er setzt sie um. Er bleibt dran. Er zieht andere mit, spannt sie ein, schafft Begegnung und Gemeinschaftsgefühl. Wenn es allen gut geht, geht es ihm auch gut.

Natürlich hat Appenmaier in 40 Jahren enorme Mengen an Zeit für den Verein aufgebracht. Dennoch gibt es zwei weitere Dinge in seinem Leben, um die er sich ebenso intensiv kümmert. Seine Familie steht für ihn an erster Stelle. Frau Karin und Sohn Max, und dann auch die eigenen Eltern und Geschwister, sind sozusagen sein zweites Lebensstandbein. Und er hat eine dritte Leidenschaft: Sein Stück Land mit einem Gemüseacker und Obstbäumen oberhalb seines Hofes in Neuhäusle. Dort baut er Gemüse zum Selberernten an und vor allem auch Kräuter, die er sorgfältig zusammen mit Karin zu Tees und Heilmitteln verarbeitet. Dazu hat er sich in vielen Jahren enormes Wissen angeeignet und sich weitergebildet.

Arbeit hätte der gelernte Bank- und Versicherungskaufmann, der inzwischen bei einer Bank als Vertriebscoach arbeitet, eigentlich mehr als genug. Aber draußen auf dem Acker zu sein, den eigenen Hofladen mit selbst erzeugten Produkten umzutreiben, bringt ihm eben auch Entspannung und Befriedigung, macht den Kopf frei und führt immer mehr zu der Gelassenheit, ohne die es nicht geht, drei so wichtige Herzensangelegenheiten ausgewogen zu leben.

Das Herbstkonzert in der Stadthalle am Samstag, 18. November, beginnt um 19.30 Uhr mit dem Jugendblasorchester der Musikschule. Die Stadtkapelle spannt unter der Leitung ihres neuen Dirigenten Julian Bucher anschließend einen musikalischen Bogen von Ost nach West, von klassisch nach modern. Als besondere Gäste kommen die Sängerinnen des Frauenchors „Allegro“ unter der Leitung von Elke Sorg auf die Bühne.

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