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Roland Ray

Unterm Maien betet lächelnd Benedikt

Die Freiwillige Feuerwehr Bronnen gewinnt auch dieses Jahr den SZ-Maibaumwettbewerb – hauchdünn vor der Landjugend Baltringen
Ende Februar ist Joseph Ratzinger als Papst zurückgetreten – ihm ist der Bronner Maibaum gewidmet.
Roland Ray

LAUPHEIM sz Sie können längst wieder lachen, doch die Empörung sitzt noch immer tief. „So eine Gemeinheit“, schimpfen Christof Huchler und Julian Beck von der Katholischen Landjugend Baltringen. Einen extra langen Maibaum hatten sie und ihre Freunde ausgesucht und ihn am Dürnachufer gelagert. Vor ein paar Tagen hat jemand nachts die Spitze abgesägt.

Was tun mit dem 3,33 Meter kurzen Teil? „Wir haben das Beste draus gemacht“, sagt Corinna Bogenrieder. Sozusagen als Zweitbaum haben die jungen Baltringer das Stämmchen neben den (immer noch ziemlich) großen Maien gestellt und einen aus Sperrholz ausgesägten Storch befestigt, der – was sonst – zwei Babys bringt. Am großen Baum hängt ein Nest, zwei Adebare umkreisen es. Und auch den Stamm schmückt ein Langschnabel, von Fabian Seeler geschnitzt.

Die SZ-Jury, die am Dienstag insgesamt elf Bäume unter die Lupe nahm, ist hingerissen. Wunderschön hat die Landjugend ein aktuelles Ereignis im Dorf aufgegriffen: Nach einer halben Ewigkeit brüten dieses Jahr endlich wieder Störche auf dem Baltringer Kirchendach.

Platz zwei ist der Landjugend gewiss. Einen einzigen Konkurrenten bewerten die Juroren noch einen Tick besser, wirklich nur einen Tick: den Maien der Freiwilligen Feuerwehr Bronnen. Die hat schon 2011 und 2012 gewonnen, nun haben Roland und Steffi Schick erneut alle Register gezogen. Dem zurückgetretenen Papst Benedikt XVI. ist der Baum des Jahrgangs 2013 gewidmet. Da kniet er lächelnd neben einem Kirchlein, zwischen Gebetstafeln, Ziersteinen, Frühlingsblumen und Bux, das Ganze von einem Zaun gefasst. Auch das Schnitzwerk am Siegerbaum ist grandios: Eine Monstranz und Benedikts Wappen, darüber wachen der Heiland und eine Kirchenzwiebel.

Der Bronner und der Baltringer Maien sind eine Klasse für sich, unter beiden Kronen ist am Dienstagabend tüchtig was los. Mit Abstand folgen drei Bäume, die in der Wertung so nah beisammen liegen, dass die Jury sich entschließt, drei dritte Gewinner zu küren: Landjugend und Feuerwehr Obersulmetingen, Freiwillige Feuerwehr Orsenhausen, Landjugend Untersulmetingen.

Die Orsenhauser, das muss man sagen, sind dieses Jahr gehandicapt. Buchstäblich bis zum Maienstellen wurde unmittelbar neben dem Platz an der Ortsdurchfahrt gearbeitet. Baucontainer haben alles Grün erdrückt, die Hockete steigt ein paar Meter weiter auf dem Lindenweg.

Beim Eintreffen in Obersulmetingen reibt sich der Ortsvorsteher Elmar Dehler, Schirmherr des SZ-Maibaumwettbewerbs 2013, verwundert die Augen: Es ist 20.30 Uhr, und der Maien noch immer nicht aufgerichtet. Lässig lehnen Feuerwehrleute an dem Stamm, zur Untätigkeit verurteilt. Der bestellte Kranwagen lässt auf sich warten. „Unser Maien gewinnt die Sonderwertung liegende Bäume“, witzelt Dehler. Erst gegen 21 Uhr ragt die Krone himmelwärts.

Einen Sonderpreis für die originellste Themenfindung erkennt die Jury der Roter Landjugend zu. Sie hat einen „HaMaii-Baum“ gestaltet. Lustige Plastikäffchen und Papageien turnen in luftiger Höhe, an den Kränzen flattern keine Bänder, sondern Blumenketten. Auch die Jugendlichen tragen Blumen um den Hals, sie schlürfen Cocktails aus ausgehöhlten Melonenhälften. „Der Winter war so lang, da wollten wir ein sommerliches Motto für unseren Baum“, sagen sie.

Zu den Aufsteigern gehört der Baum der Laupheimer Feuerwehr. Michael Held hat das Wort Feuerwehr in den Stamm geschnitzt. Er sagt: „Wenigstens in der Bahnhofstraße soll ein schöner Laupheimer Gemeindemaien stehen, das war ein Ansporn für uns.“

Zu den Letzten, die ihren Baum vollenden, gehören die Mitglieder der Dürnachbude Laupheim. Auch sie mussten auf den Kran warten. Als Gewinner dürfen sich am Ende freilich alle fühlen: Sie sorgen dafür, dass ein altes Brauchtum weiterlebt.

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