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Trotz Lebens im Slum eine Perspektive

Mitschwester von Theresia Steidle berichtet von einem 2017 unterstützten Projekt
Den ärmsten Kindern eine Schulbildung ermöglichen – das ist Ziel des Projekts der Ancillae-Mitschwestern (rechts Schwester Marykutty) der Spaichingerin Theresia Steidle.
Den ärmsten Kindern eine Schulbildung ermöglichen – das ist Ziel des Projekts der Ancillae-Mitschwestern (rechts Schwester Marykutty) der Spaichingerin Theresia Steidle.
Ancillae-Säkularinstitut

Spaichingen sz Während in Deutschland derzeit von der RWE ein uralter Wald gerodet wird, um Braunkohle abzubauen, spüren anderswo Menschen am eigenen Leib den weltweiten Klimawandel. Ein Projekt, das in diesem Jahr durch die Vermittlung der Spaichinger Ancillae-Schwester Theresia Steidle dank Ihrer Spenden, liebe Leser, unterstützt werden soll, hilft diesen Menschen. Genauer, vor allem ihren im Slum der Vorstadt des indischen Mumbai Ulhas Nagar lebenden Kindern.

Es sind inzwischen auch Inder unter den in Deutschland ankommenden Flüchtlingen. Doch die meisten Migranten aus ländlichen Regionen der verschiedensten Bundesstaaten stranden in den Großstädten wie Mumbai. Hier arbeiten Schwester Theresias Mitschwestern – sie selbst hat viele Jahre in Indien gewirkt, war an leitender Stelle im Säkularinstitut der Ancillae-Schwestern.

Zu Fuß machten sich die Migranten aus den ländlichen Gebieten auf. Dürrekatastrophen lässt die Tiere hungern, die nach und nach verkauft oder geschlachtet werden. Meist kommen die Familien mit nur wenigen Habseligkeiten in Mumbai an, wo die Väter als Tagelöhner arbeiten, die Mütter Wasch- und Putzjobs für wenig Geld machen und die Kinder den Gefahren der Slums ausgesetzt sind. Die bedrückenden Bilder des Films „Slumdog Millionär“ sind weitgehend realistisch. Und wenn die Migranten erkennen, dass sie kaum zu essen, keine sichere Arbeit, Krankheiten, kein Trinkwasser, ärmlichste Versorgung haben, ist es zu spät: Zurück können sie nicht mehr.

Schwester Marykutty Michael schildert unseren Lesern die Situation und das Projekt, dem ein Teil der Weihnachtsspenden zufließen soll. Zwei große Probleme haben die Kinder der Migrantenfamilien: Zum einen leben viele mit den Eltern auf der Straße oder in einer Blech-oder Plastikhütte unter erbärmlichen hygienischen und sonstigen Bedingungen im Slum. Zum anderen können sie nicht auf die staatlichen Schulen gehen, weil sie aus anderen Bundesstaaten mit ganz anderen Sprachen kommen. Also bleibe nur die English Medium School. Englisch ist neben den vielen Landessprachen eine in ganz Indien gesprochene Sprache. Aber diese Schule ist kostenpflichtig.

Die Ancillae-Schwestern Marykutty und Betty sind beide Sozialarbeiterinnen und haben ein Internat für junge arbeitssuchende Frauen und eine Beratungsstelle für Migrantinnen aufgebaut. Beides laufe sehr gut.

Doch das Projekt, Migrantenkindern zu einer Schulbildung zu verhelfen, begann vor zehn Jahren mit 20 Schulkindern „wie ein Tropfen im Meer“, so Marrtykutty Michael. Heute sind es 200 Kinder zwischen vier und 20 Jahren, die durch das Ancillae-Projekt mit Zahlung des Schulgeldes (im Durchschnitt 120 Euro pro Jahr) unterstützt werden. Es sind die Bedürftigsten, ohne Ansehen der Person oder Religion.

„Von allen Seiten physisch und psychisch gequält“

Weil viele Kinder aber Bücher und Uniform nicht bezahlen können, „werden sie von den Lehrern geschumpfen und von Mitschülern ausgelacht. Zu Hause haben sie nicht genug zu essen. Die Eltern sind nicht in der Lage, ihnen im Lernen zu helfen, weil die meisten Analphabeten sind. Wirklich, sie sind von allen Seiten psychisch und physisch gequält und leiden.“

Doch es gibt unter diesen Kindern weitere 40, die noch schlimmer dran sind, denn sie sind aidskrank, meist schon von Geburt. Mit ihnen gibt es regelmäßige Treffen, bei denen sie spielen, Süßigkeiten und Tee bekommen und wo die Schwestern über verschiedene Themen mit ihnen sprechen. Die Mütter genössen, mit ihnen ein paar Stunden gelöst und geschützt verbringen zu können.

Die Kinder entwickelten sich und „sie sind sehr froh, dass sie sich bei uns zuhause fühlen und mit Respekt aufgenommen werden.“ Das ist in Indien mit seinem gnadenlosen System der sozialen Unterscheidungen nicht selbstverständlich. Es ist also auch Zuwendung, die die Schwestern geben. Sie freuen sich sehr, dass sie aus Deutschland unterstützt werden.

schwaebische.de/weihnachtsspendenaktion

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