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Trommlerstreit wird ins neue Jahr verschoben

Krisengespräch führt zu keinem Ergebnis – weitere Treffen geplant – Rektoren bestehen auf Mitsprache
Wer ins Trommlerkorps und zu den Landsknechten darf – das ließ sich auch in einem Krisengespräch zwischen Fördervereinen, Rutenfestkommission und Gymnasialrektoren nicht klären.
Wer ins Trommlerkorps und zu den Landsknechten darf – das ließ sich auch in einem Krisengespräch zwischen Fördervereinen, Rutenfestkommission und Gymnasialrektoren nicht klären.
Archiv: Felix Kästle

Ravensburg sz Beim Rutenfest 2018 bleibt zunächst alles beim Alten. Wer fürderhin darüber entscheidet, welche Gymnasiasten künftig mittrommeln dürfen oder nicht – dazu will ein Runder Tisch Anfang 2018 entsprechende Statuten erarbeiten. Am Wochenende hatten sich die „Kontrahenten“ in Sachen Auswahlverfahren für Trommlerkorps und Landsknechte getroffen und sich auf dieses Vorgehen geeinigt. Das Thema sorgt momentan für Aufregung in der Stadt.

„Damit kann man erstmal leben“, kommentiert Dieter Graf, Vorsitzender der Rutenfestkommission (RFK), das Ergebnis des Treffens, bei dem neben den Rektoren von Spohn, AEG, Welfen und Wirtschaftsgymnasien Vertreter der RFK, des Troko-Fördervereins und der Ehemaligenvereinigung der Landsknechte sowie der Rutenhauptmann und der Fahnenschwinger 2017 mit von der Partie waren. Alle Gruppierungen hätten ihre Standpunkte dargelegt sowie Kritik geäußert: „Das Gespräch war sehr sachlich, fair und ergebnisorientiert“, heißt es in einer gemeinsam verfassten Erklärung.

Einzelfälle prüfen

Dennoch gab’s bei dem eineinhalb Stunden dauernden Treffen kein einvernehmliches Ergebnis: Wie Mark Overhage, geschäftsführender Schulleiter der Ravensburger Gymnasien, auf Anfrage der SZ ausführt, lässt er an seiner Überzeugung nicht rütteln, dass „wir als Schule die Verantwortung“ dafür tragen, dass die Leistungen der Schüler stimmen – und nicht etwa durch das Engagement bei Troko oder Landsknechten absacken. Die Schulleiter wollen deshalb nach wie vor „aufgrund von Noten und Verhalten“ die Trommler aussuchen – oder eben „ein Veto gegen nicht geeignete Kandidaten einlegen“ (die SZ berichtete). Als nicht wählbar sollen demnach Schüler gelten, deren Notendurchschnitt schlechter als 3,0 ist beziehungsweise die nicht mit der Verhaltensnote „gut“ aufwarten.

Overhage betont, man habe nichts gegen die Trommlergruppen, viele Schüler lernten dadurch Ordnung und Disziplin – doch das Rutenfest-Engagement bedeute eben auch einen „großen Aufwand“. Weil die Trommler „die Schulfahnen durch Ravensburg tragen“, könne es nicht angehen, dass sich die Rektoren wie bisher quasi überhaupt nicht in das Besetzungsprocedere einmischen. Da es eine „Auszeichnung“ sei, im Troko oder bei den Landsknechten mitzumachen, kann sich der AEG-Rektor durchaus vorstellen, damit gute schulische Leistungen zu belohnen. Wobei er auch deutlich macht, dass man „jeden Einzelfall prüfen“ müsse. So gibt Overhage sich zuversichtlich, dass sich in Bezug auf die „Schnittstellen“ zwischen Trommlergruppen und Schulen ein für alle stimmiges Vorgehen finden lässt. Bestimmte Dinge müsse man eben „auch mal auf die heutige Zeit anpassen“. Im Stadtrecht seien die betreffenden Formulierungen freilich „etwas unscharf“.

Eltern bislang nicht mit am Tisch

Das sieht Frank Kirchner, ehemaliger Landsknecht und am Samstag für die RFK bei dem Gespräch zugegen, ähnlich: „Knackpunkt“ sei der Wahlmodus – wobei die Aktivität in einer Trommlergruppe „in meinen Augen eine schulische Veranstaltung ist“. Kirchner setzt nun auf den Runden Tisch, der voraussichtlich Anfang 2018 an den Start gehen und eine Lösung austüfteln soll, mit der alle leben können. Darauf hofft auch Jürgen Zell vom Troko-Förderverein. Er macht jedoch deutlich: „Da wir uns als selbstständige Organisation empfinden“, könne das Troko mit dem Ansinnender der Schulleiter, das Wahlprocedere zu ändern, „nicht mitgehen“.

Dass zu diesen Treffen bislang Vertreter der Stadtverwaltung, nicht aber der Eltern eingeladen sind, stößt dem Gesamtelternbeiratsvorsitzenden, Johannes Volz, sauer auf: „Wir müssen mit an den Tisch“, fordert er. Schließlich seien die Trommler in der Regel minderjährig – weshalb seiner Meinung nach abgesehen von den Schülern selbst allein die Eltern über ein Freizeit-Engagement am Rutenfest entscheiden sollten. Überdies „fehlt uns die Rechtsgrundlage“ dafür, dass die Rektoren die Trommler aussuchen. Doch selbst wenn diese gegeben sein sollte, ist es Volz’ Meinung nach Sache der Schulkonferenz, über das Thema zu entscheiden. Immerhin habe es für einen jungen Ravensburger lebenslange Folgen, ob er mal beim Troko oder den Landsknechten war. Nicht zuletzt deshalb wünscht sich Dieter Graf, die Rektoren der Gymnasien „wüssten etwas mehr über die Zusammenhänge des Rutenfestes“ .

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Kommentare (5)
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Ist denn jede Aktivität, bei der Schüler mitmachen eine schulische Veranstaltung? Muss es bei schulischen Veranstaltungen dann nicht zumindest eine Aufsichtspflicht oder eine irgendwie geartete Verantwortung der Schule(n) geben? Welchen Beitrag leisten denn die Schulen beim Trommlerkorps oder bei den Landsknechten? Es wurde jetzt schon so oft darüber berichtet, aber noch kein Redakteur konnte diese Fragen klären. Aussagen ohne Erklärung wie „Aktivität in einer Trommlergruppe ist in meinen Augen eine schulische Veranstaltung“ sind doch leere Floskeln ohne Tiefgang. mehr

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Erstmal doch sehr sinnvoll, dass sich alle mal getroffen haben und das gemeinsam klären wollen, warum die Eltern da nicht dabei sind, ist mir auch unverständlich, warum das ganze im Vorfeld mit sowenig Kommunikation durch die Herren Lehrer ablief, auch seltsam, naja egal.
Aber schon auch bemerkenswert, wie hier die Schwäbische Zeitung schon tendenziös abschließend, den Herrn Graf mit einem Satz zitiert, der natürlich Wasser auf die Mühlen aller ist, denen es auf gedeih und verderb darum geht alles genau so zu lassen wie es immer war, weil in der Rutenfest-Filterblase ja alles so gut und toll ist. Aber wenn man halt nicht von Anfang an dabei ist, am besten geboren in RV, dann hat man eh keine Ahnung und darf daran auch bloß nichts kritisieren.
Der Zell kann sich auch als empfinden, was er möchte, ändert nix daran, dass die seine Trommler eine schulische Gruppe sind.
Wieso die Beteiligten mit einer Einzelfallprüfung, die hier nochmal genannt ist, soviele Probleme haben, erschließt sich mir auch nicht. mehr

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Ich würde auch den Jugendlichen den Sport im Verein untersagen. So gehts doch nicht. Nur Leistung zählt.

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Gleichberechtigung hört halt irgendwo auf! Das geht heutzutage doch auch nicht das jeder das machen darf was er grad will! Vätterleswirtschaft wäre das mal!

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Herr Overhage, von Ravensburger Tradition haben Sie sehr wenig Ahnung.
Haben die Rektoren zu wenig im Kerngeschäft zu tun? Es scheint so, sonst würde man sich nicht in solche Angelegenheiten einmischen. mehr

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