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Scheer
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Trampolin-Springer verlassen Heudorf

Kursanbieterin Melanie Rundel beugt sich einem vor Gericht ausgetragenen Streit mit einer Nachbarin

Melanie Rundel möchte ihre gute Laune behalten und ihre Fitnesskurse weiterführen. Deshalb zieht sie mit ihrem Angebot nach Mengen.
Melanie Rundel möchte ihre gute Laune behalten und ihre Fitnesskurse weiterführen. Deshalb zieht sie mit ihrem Angebot nach Mengen.
privat

Scheer sz Nach einem Jahr in Heudorf zieht Melanie Rundel mit ihren Fitnesskursen und ihrem Team nach Mengen um. Dabei hat es ihr in den Räumen in der ehemaligen Heudorfer Grundschule sehr gut gefallen und ihre Angebote im Trampolin-Jumping, Indoor-Cycling und verschiedenen Fitnesskursen sind sehr gut angenommen worden. Grund ihres Weggangs ist ein Konflikt mit einer direkten Nachbarin. Die hatte sie wegen Ruhestörung angezeigt, die Verhandlung ging zugunsten der Nachbarin aus. Nun muss Rundel nicht nur hohe Auflagen erfüllen, sondern auch die Prozesskosten tragen. „In Heudorf zu bleiben ist mir zu riskant“, sagt sie. „Schließlich geht es um meine Existenz.“

Dabei hatte alles so gut begonnen. Vor einem Jahr war sich Melanie Rundel mit der Stadtverwaltung Scheer einig geworden, Räume in der ersten Etage des Schulgebäudes für ihre Fitnesskurse anzumieten. „Es war eine Win-Win-Situation“, sagt sie. „Der Bürgermeister war froh, dass die Räume wieder genutzt werden und für mein Angebot war das genau passend.“ So wurden Trampoline in ein Klassenzimmer getragen, ein Umkleidezimmer und ein Empfangsbereich eingerichtet. Die ersten Kursteilnehmer waren von der besonderen Atmosphäre der Schule begeistert. „Ich hatte auch das Gefühl, dass die Heudorfer sich freuen, dass bei ihnen im Ort mal wieder etwas neues angeboten wird“, sagt Rundel. Für die Jumping-Kurse seien die Teilnehmer aber auch von weiter her nach Heudorf gekommen. „Schließlich bietet das nicht jeder an.“

Schnell stutzig geworden

Schnell konnte Rundel ihr Kursangebot ausbauen und weitere Trainer einstellen. „Ich wusste nicht, dass nebenan eine Zeitbombe tickt.“ Kontakt zur Nachbarin, die nebenan wohnt, habe sie nicht gehabt, höchstens einmal die Tochter auf dem Schulhof getroffen. „Einmal wollten wir die Trampoline nach draußen stellen und ich hatte nachgefragt, ob es in Ordnung ist“, erinnert sich Rundel. „Da sagte die Frau, dass wir doch eh machen, was wir wollen.“ Dies habe sie schon etwas stutzig gemacht.

Die Tür blieb verschlossen

Im Dezember sei ihr dann ein Anwaltsschreiben ins Haus geflattert. Im dem sei ihr Ruhestörung vorgeworfen worden und gefordert worden, die Musik runterzudrehen und die Fenster während der Kurse geschlossen zu halten. „Ich war total überrascht, denn die Frau ist nie zu uns gekommen und hat nie gesagt, dass wir ihr zu laut sind“, sagt Rundel. „Wir hätten doch über alles reden und einen Kompromiss finden können.“ Sie selbst habe mehrfach das Gespräch gesucht, ihr sei aber nie die Tür geöffnet worden. „Wir haben uns im Team besprochen und sind den Forderungen soweit wie möglich nachgekommen“, sagt Rundel. Weil sie nichts mehr von der Nachbarin gehört habe, sei sie davon ausgegangen, dass es jetzt in Ordnung sei.

Stattdessen brachte der Postbote als nächstes eine Vorladung zu einer Verhandlung vor dem Landgericht in Ravensburg. Offenbar hatte die Nachbarin sie wegen Ruhestörung angezeigt und gleich die entsprechenden Dezibelmessungen als Beweis mitgeliefert. „Wir wussten gar nicht, wann und wo das gemessen worden war“, so Rundel. Die Stadtverwaltung sei als Vermieterin der Räume nicht angeklagt worden, sondern sie als Mieterin. „Ich wusste gar nicht, was ich machen sollte“, sagt sie. „Ich bin noch nie verklagt worden.“ Sie habe sich einen Pflichtverteidiger nehmen müssen. Die Verhandlung habe dann stattgefunden. „Natürlich hat die Richterin auch gefragt, warum die Nachbarin nicht auf uns zugegangen ist und ein klärendes Gespräch gesucht hat“, so Rundel. „Aber das konnte ich ihr auch nicht erklären."

Die Klägerin sei im Gerichtssaal gar nicht erschienen, sondern habe sich von ihrem Ehemann und ihrem Anwalt vertreten lassen. „Es hieß aber, sie habe sich durch unsere Lautstärke provoziert gefühlt und ihr Kind habe nicht schlafen können.“

Hohe Auflagen für den Weiterbetrieb

Um weitere Messungen machen zu können, wurde die Verhandlung ausgesetzt. Beratung und Urteil fanden nichtöffentlich statt, Melanie Rundel bekam am 28. April das Urteil der Richterin per Post zugestellt. Sie kam dabei nicht der Forderung der Nachbarin nach, den Sportbetrieb von Melanie Rundel ganz zu untersagen. „Aber aufgrunddessen, dass wir die Dezibelzahl der TA Lärm bei offenem Fenster nicht einhalten können, wurden mir hohe Auflagen für den Weiterbetrieb gemacht“, sagt Rundel.

Sollte sie während des Betriebs künftig mit offenem Fenster erwischt werden, drohe ihr eine Geldstrafe von bis zu 250.000 Euro. Die Musik und das Trampolinspringen dürfen außerdem bestimmte Dezibelwerte von 60 Dezibel von 8 bis 20 Uhr sowie 55 Dezibel zwischen 20 und 22 Uhr an Werktagen nicht überschreiten.

10.000 Euro Gerichtskosten

Außerdem muss sie die Gerichtskosten in Höhe von 10.000 Euro tragen. „Das war schon ein Schock, wo soll ich die denn hernehmen?“, sagt Rundel. 15 Kurse hat sie derzeit in der Kernzeit zwischen 17 und 20 Uhr laufen, zwölf Trainer gehören zu ihrem Team. „Ich werde die Summe monatlich abstottern müssen.“

Die Stadtverwaltung und der Gemeinderat sind Melanie Rundel nach dem Urteil mit der Miete und dem geplanten Einbau von Schallschutzfenstern entgegen gekommen. Trotzdem konnten sie Rundel nicht halten. Sie hat ihren Mietvertrag nun doch gekündigt und wird ab dem 28. Juni ihre Kurse in Mengen in den Räumen des ehemaligen Lifestyle-Studios anbieten. „In den vergangenen Wochen hat es auch immer wieder Unmut bei anderen Nachbarn wegen der Parkplatzsituation gegeben und es sind weitere Beschwerden beim Landratsamt eingegangen“, sagt sie. „Es hat einfach keinen Wert mehr.“ Um die Räume in Mengen bekommen zu können, habe sie schnell handeln müssen.

Bürgermeister Lothar Fischer ist natürlich enttäuscht, dass Rundel Heudorf wieder verlässt. „Aber verständlich ist die Situation natürlich, da können wir nichts machen.“ Die Nachbarin war für eine Stellungnahme gegenüber der Schwäbischen Zeitung nicht zu erreichen.

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Ergänzung zu Kommentar 13:

Es ist unfair, die Nachbarin jetzt öffentlich als "Spaßbremse" bloßzustellen. Man möchte nicht in ihrer Haut stecken.

Höchst aufschlussreich ist diese Aussage:
„Aber aufgrunddessen, dass wir die Dezibelzahl der TA Lärm bei offenem Fenster nicht einhalten können..."
Die gesetzliche Vorgabe ist nun mal "...60 Dezibel von 8 bis 20 Uhr sowie 55 Dezibel zwischen 20 und 22 Uhr"
Ob "können" oder "wollen", wird eingeräumt, dass der verursachte Lärm bei offenem Fenster lauter ist als erlaubt, und schließen "kann" man es nicht.

Solche Einschränkungren gibt es nicht zuletzt deshalb, weil Lärm definitiv krank machen kann.

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Zu 12
Volle Zustimmung!
Man kann nicht einfach so tun, als gäbe es keine Baunutzungsverordnung, kein Bundes-Immissionsschutzgesetz und keine TA Lärm.
Im übrigen ist es nicht verwerflich, sondern legitim, sich auf gesetzliche Regelungen zu berufen.

Es ist unfair mehr

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Ich finde das Urteil des Gerichts vollkommen in Ordnung, hätte man von Anfang an mit offenen Karten gespielt ( ordnungsgemäß ein Baugesuch eingereicht ) dann wäre die Situation nie aus dem Ruder gelaufen, so muss die Mieterin teures Lehrgeld bezahlen für nichts und daran ist die Gemeinde nicht unschuldig. mehr

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Bevor man nicht ganz genau weiß, was der gerichtlichen Klärung voraus ging, kann man sich eigentlich gar kein objektives Urteil über den Ablauf bilden.

@10
"Ich komme aus Heudorf und kann ihnen sagen, dass die Lärmbelästigung, für mein Empfinden, gut aus zu halten war."

Wohnen Sie in genau der gleichen Entfernung und Lage zu genau den gleichen Anwesenheitszeiten? mehr

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@9 Dem muss ich deutlich widersprechen. Im Verhandlungsfall (Ich nehme an sie meinen die Suche nach einem Kompromiss) hätte die Nachbarin Ihr Gesicht gewahrt. Sie hätte Respekt verdient. Ansehen erhalten. Nun ist die Nachbarin die schrullige Dame die nicht mal die Jumper akzeptieren kann. Ich komme aus Heudorf und kann ihnen sagen, dass die Lärmbelästigung, für mein Empfinden, gut aus zu halten war. mehr

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Zu 8: im Verhandlungsfall hätte die Nachbarin nur verlieren können, für einen warmen Händedruck nimmt heute niemand mehr Nachteile in Kauf.

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@7 Ich denke hier wird in erster Linie das Vorgehen verurteilt. Es wäre sicher besser gewesen, wenn man ein Gespräch gesucht hätte. Im Übrigen gibt es viele Möglichkeiten des Schallschutzes. Für beide. Da wären die 10 000,- € besser angelegt gewesen. Soweit ich informiert bin war auch hier nun der Bürgermeister wieder vermittelnd tätig. Allerdings ohne Erfolg. Mit manchen kann man nicht verhandeln. Manche sind nicht gesellschaftsfähig. mehr

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@5
"Im übrigen gilt ja hier derjenige, der auf den Schmutz hinweist, für viel gefährlicher als der, der den Schmutz macht."

Bei diesem Tucholsky-Zitat könnte man "Schmutz" durch "Lärm" ersetzen und schon passt es; und solange man nicht selbst betroffen ist ...



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Zu 5 : Mir wären als Nachbar spielende und kreischende Kinder auf jeden Fall lieber, als nächtlich laute Musik und stöhnende Frauen im besten Alter der Fortpflanzung.

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Die Klägerin sollte sich schämen. Einfach nur ekelhaft wie manche Menschen sich aufführen. Soll sie arbeiten gehen, dann ist sie ausgelastet und nicht so frustriert!

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