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Tierschutzteam kämpft für Kastrationsverordnung

Bad Wurzach/Arnach sl Sophie, Luna, Leo, Victor und Oskar fühlen sich wohl in Arnach. Sie leben in einer schönen Wohnung mit einem Garten. Und das mietfrei. Darüber hinaus werden sie und ihre ihre elf Mitbewohner zweimal täglich gefüttert.

Denn bei Sophie, Luna und Co. handelt es sich um Katzen und Kater. Um sie kümmert sich der Verein Tierschutzteam Bad Wurzach, der in Arnach ein sogenanntes Katzenhaus unterhält.

Neue Vorsitzende

33 Mitglieder plus zwei Ehrenmitglieder (Elisabeth Kneer aus Arnach und Monika Probach aus Eintürnen) hat der Verein. An seiner Spitze steht Bettina Weidle-Loris aus Obergreut, die bei der jüngsten Hauptversammlung die nicht mehr kandidierende Kerstin Krämer als Vorsitzende ablöste.

Die neue Vereinschefin hat 2010 die Arnacher Wohnung gekauft, den Sachkunde-Nachweis abgelegt und daraufhin vom Veterinäramt die „tierheimähniche Haltung“ genehmigt bekommen.

Nicht vermittelbar

Seitdem haben dort Katzen und Kater ein Zuhause. Manche nur kurzzeitig, bis sie an neue Besitzer vermittelt werden. Manche aber auch für den Rest ihres Lebens, weil sie wegen chronischer Krankheit, hohen Alters oder nie abgelegter Scheu vor Menschen keiner will.

„Die Vierbeiner kommen aus dem Tierheim in Karbach, laufen uns zu, werden bei uns abgegeben oder von uns eingefangen“, erzählt Bettina Weidle-Loris.

Tiere kastrieren

Viel Zeit und Geld, oft aus privaten Mitteln, stecken die Mitglieder in das Katzenhaus sowie in vier Futterstationen in Humberg, Riedschmiede, Jordanstraße und Rahmhaus. Aber das Hauptanliegen des Tierschutzteams ist es, so viele Katzen und Kater wie möglich kastrieren zu lassen. Bei Arztkosten von bis zu 120 Euro pro Kastration geht auch das mächtig ins Geld.

Geld, das der Bad Wurzacher Verein über Mitgliedsbeiträge, Zuschüsse der Stadt sowie Einnahmen beim Stadtfest und beim Weihnachtsmarkt erwirtschaftet. Außerdem hat Bettina Weidle-Loris aus eigenen Mitteln eine Stiftung gegründet, deren Erträge dem Tierschutzteam zugute kommen.

„Ein Fass ohne Boden“

Doch um die Vierbeiner kastrieren lassen zu können, muss man sie natürlich erst einmal haben. Und so sind die Vereinsmitglieder oft unterwegs, um die Tiere einzufangen. Eine mühselige Angelegenheit und ein „Fass ohne Boden“, wie Weidle-Loris sagt. „Aber man muss es machen; den Tieren zuliebe.“

Das Tierschutzteam fordert wie alle anderen deutschen Tierschutzvereine und die Deutsche Tierärztekammer seit Jahren eine Kastrations- und Kennzeichnungsverordnung. In Baden-Württemberg hat die Landesregierung diese Möglichkeit den Kommunen an die Hand gegeben.

Kommunen stellen sich quer

Doch noch keine einzige hat eine solche Verordnung erlassen. Begründet wird dies meist mit einem zu hohen bürokratischen Aufwand, fehlenden Kontrollmöglichkeiten und daraus resultierend einer absehbaren Erfolglosigkeit.

Die 67-jährige Weidle-Loris sieht das anders: „Wenn gleichzeitig tätowiert und kastriert wird, kann man das Einhalten der Verordnung sehr wohl kontrollieren.“ Doch sie weiß um die fehlende Akzeptanz der Idee gerade in ländlichen Gegenden. „Es ist ein Kampf gegen Windmühlen“, bedauert die engagierte Tierschützerin, die als Heilpraktikerin für Menschen und Tiere gearbeitet hat. „Vor allem die Bauern lassen ihre Katzen einfach nicht kastrieren, sprechen von natürlicher Auslese und davon, dass viele ja sowieso überfahren werden.“

Vom Gelände gejagt

Erfahrungen in dieser Richtung haben Weidle-Loris und ihre Mitstreiter oft genug gemacht. „Vor kurzem durften wir auf einem Hof einmal Katzen fangen und kastrieren lassen. 32 Stück haben wir gefunden. Da hatten wir mal Glück. Aber es gibt auch Höfe, da werden wir mit der Mistgabel vom Gelände gejagt.“

Entmutigen lassen sich die Tierschützer nicht. Ihr Credo fasst Weidle-Loris so zusammen: „Wenn wir schon die großen Probleme wie Massentierhaltung und Massentransporte nicht verhindern können, so wollen wir doch in unserer Umgebung so vielen Tieren wie möglich ein artgerechtes Leben ermöglichen.“

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