8
Schwäbische.de Schwäbische.de
Bedeckt -2
Emmingen-Liptingen
Lokales

Tierschützer will Bürgermeister verklagen

Füchse finden in der Nähe der Menschen einen reich gedeckten Tisch. Auch in Emmingen-Liptingen haben sich viele Füchse niedergelassen.
Füchse finden in der Nähe der Menschen einen reich gedeckten Tisch. Auch in Emmingen-Liptingen haben sich viele Füchse niedergelassen.
dpa

Emmingen-Liptingen sz Der Aufruf der Gemeindeverwaltung Emmingen-Liptingen, Fuchsbauten im Ort zu melden, damit sie verschlossen werden können, sobald sie von den Tieren verlassen wurden, ist bis ins Saarland vorgedrungen. Hartmann Jenal, der dort eine Wildtierauffangstation leitet, will wegen des Aufrufs Bürgermeister Joachim Löffler verklagen – wegen des „Aufrufs zur Ausrottung der Füchse“.

In der Gemeinde Emmingen-Liptingen sind schon seit geraumer Zeit auffallend viele Füchse unterwegs – zum Leidwesen vieler Bürger, die Angst vor Krankheiten haben, die auf sie direkt oder aber auf ihre Haustiere übertragen werden könnten. Ein Runder Tisch, besetzt unter anderem mit Vertretern des Landratsamtes, der Jägerschaft und des Gemeinderats hatte keine wirksame Lösung erarbeiten können. Es blieb deshalb bei dem dringenden Appell an die Bevölkerung, die Tiere nicht zu füttern und deren Behausungen zu verschließen, sobald die Tiere ausgezogen seien.

In Emmingen und Liptingen gibt es aber auch Bürger, denen die Füchse ans Herz gewachsen sind. Aus ihren Reihen kamen auch die Informationen, die an Hartmann Jenal gingen. Ein Verschließen der Bauten käme einem Entzug der Lebensgrundlage gleich, argumentiert der. „Die Tiere sind als Dorffüchse geboren und haben im Wald keine Chance zu überleben.“ Insofern sei der Aufruf als ein Aufruf zur Ausrottung der Füchse zu werten. Um der Klage bei der Staatsanwaltschaft mehr Aussicht auf Erfolg zu verschaffen, habe er einen Fachmann mit der Formulierung beauftragt.

 "Ängste der Bevölkerung ernst nehmen"

Die Ablehnung des Fuchses sei ein Phänomen, das sich vor allem auf dem Land zeige. „In Berlin oder Zürich zum Beispiel sind Füchse in der Stadt eine ganz normale Sache“, so der Fuchsexperte. Die Angst vor Krankheiten sei unbegründet: „Es hat sich noch nie ein Mensch direkt beim Fuchs mit einer Krankheit angesteckt.“ Sie würden allenfalls über die Haustiere übertragen, so auch der sogenannte Fuchsbandwurm. „Wenn Hund und Katze vorbeugend entwurmt werden, kann nichts passieren.“

Bürgermeister Joachim Löffler sieht der Anzeige gelassen entgegen: „Wenn die deutsche Justiz sich nicht mit größeren Problemen beschäftigen muss, geht es uns gut.“ Von einer Ausrottung könne außerdem nun wirklich keine Rede sein. Wir wollen kein Tier töten, sondern ihnen den Aufenthalt bei uns nicht mehr ganz so attraktiv machen. Jäger hätten berichtet, dass ein großer Teil der im Laufe des Jahres geschossenen Tiere krank seien, oft Räude hätten. Er nehme wahr, dass in seiner Gemeinde Besorgnis wegen der Füchse im Ort herrsche. „Es muss einem Kommunalvertreter und dem Gemeinderat ja wohl anheim stehen, die Ängste der Bevölkerung ernst zu nehmen“, so Löffler.

Ihr Kommentar zum Thema
Kommentare (8)
8
Beitrag melden

Zu 4. Yep, und demnächst wird wieder vor der superseltenen FSME gewarnt , die durch Zocken übertragen werden kann .Dann soll man sich wieder impfen lassen , wobei die Impfung selbst unter Umständen gefährlicher sein kann , als eine durchgestandene FSME , welche ja dann auch wie eine Impfung wirkt . Ok dies ist nicht absolut sicher , sicher ist aber dass alle beteiligten - außer dem Impfling selbst - sehr gut an einer FSME-Impfung verdienen. mehr

Bitte geben Sie den Grund der Meldung ein:

Bitte geben Sie mindestens 10 Zeichen ein!
7
Beitrag melden

Die Angst vor der Infektion mit dem Fuchsbandwurm ist niemals übertrieben, denn ist man einmal davon betroffen, war dies früher mit einem tödlichen Verlauf verbunden. Heute kann man zwar, rechtzeitig erkannt, durch die lebenslange Einnahme von Medikamenten die Krankheit nicht heilen, aber zumindest die Weiterentwicklung stoppen.
Auch ist es sehr fahrlässig, die Aussagen des Robert-Koch-Instituts einfach falsch auszulegen. Es ist richtig, es gibt keinen Nachweis, das sich Menschen durch den Verzehr von Waldfrüchten angesteckt haben, aber es gibt auch keinen Nachweis darüber, dass sie sich NICHT angesteckt haben. Das liegt ganz einfach daran, dass von der Ansteckung bis zum Ausbruch der Krankheit bis zu 15 Jahre liegen, wer soll sich noch daran erinnern, ob er Waldfrüchte gegessen hat?

Zu Verharmlsoung des Ansteckungsrisikos sollte man auch wissen, dass die gemeldeten jährlichen Neuerkrankungen in den letzten 15 Jahren um fast 400% gestiegen sind, die "Blitzeinschläge" kommen also näher!
Wenn man darüber hinaus auch noch berücksichtigt, das ein großer Teil der Erkrankten es noch garnicht wissen, weil die Krankheit als solche nie diagnostiziert wurde, und die aktuell am Fuchsbandwurm erkrankten dies wohl erst in 10 Jahren erfahren werden. Die Meldepflicht existiert nämlich erst seit 2001.

Nächster Irrtum, es ist schon eine besondere Betrachtungseise nötig, um ernsthaft zu behaupten eine Selbstregulierung finde statt, und nimmt dann die Städte als Beispiel: Die normale Fuchsdichte in unserer Offenlandschaft beträgt etwa 1,4 bis 2 Füchse (Frühjahrsbestand) auf 1 km². Die absolute Territorialität der Füchse ist zwar nicht eindeutig bestätigt, aber sie leben in der Offenlandschaft NICHT in sozialverbänden, sondern sind Einzelgänger. Erst ab einer Populationsdichte von über 20 bis 50 Füchse uf 1 km² - also die zehn bis dreißigfache Individuenanzahl beobachtet man eine Form von Sozialstruktur, und hier beginnt tatsächlich so langsam die Selbstregulierung. mehr

Bitte geben Sie den Grund der Meldung ein:

Bitte geben Sie mindestens 10 Zeichen ein!
6
Beitrag melden

Nun, hier wird Hr. Jenal als der "Rächer der armen Füchse" dargestellt. Dass gegen ihn derzeit die Staatsanwaltschaft wegen Tierquälerei ermittelt, wird dabei völlig außer Acht gelassen. Wäre ja auch eine negative publicity, wenn erwähnt worden wäre, dass er einen Fuchs auf lediglich 8 qm hält. Man hörte auch, dass Herr Jenal wohl nach Schweden auswandern will. mehr

Bitte geben Sie den Grund der Meldung ein:

Bitte geben Sie mindestens 10 Zeichen ein!
5
Beitrag melden

So ernst die Ängste der Bevölkerung auch zu nehmen sind, so ist die Fuchsbandwurminfektion beim Menschen nach wie vor eine äußerst seltene Erkrankung, selbst in einem Endemiegebiet wie der Schwäbischen Alb.
Der Mensch ist nämlich, im Gegensatz zu Mäusen, kein geeigneter Zwischenwirt für den Fuchsbandwurm. In Baden-Württemberg wurden seit Beginn der Meldepflicht im Jahr 2001 bis zum Jahr 2013 beim Robert Koch-Institut in Berlin insgesamt 102 Krankheitsfälle registriert. Das sind im Schnitt knapp 8 Neuerkrankungen pro Jahr. Hauptsächlich davon betroffen sind Hundehalter, deren Tiere häufig Mäuse erbeuten und nicht regelmäßig entwurmt werden. Im Vergleich dazu kamen allein im vergangenen Jahr in Baden-Württemberg bei Verkehrsunfällen 465 Menschen ums Leben und 45.640 Menschen wurden verletzt.
Bejagung bzw. Fuchsbauvernichtung verhindert jedoch nicht die Ausbreitung des Fuchsbandwurms, sondern führt im Gegenteil zu einem beschleunigten Ortswechsel der überlebenden Tiere und damit zur Ansteckung von Beutetieren auch weiter entfernten Fuchsrevieren.
Dagegen wären Entwurmungsköder zur Bekämpfung des Fuchsbandwurms weitaus erfolgversprechender. Solche wurden beispielsweise von 2003 bis 2007 im Landkreis Starnberg ausgelegt. Waren am Anfang der Aktion noch über die Hälfte der Füchse infiziert, so sank die Befallsrate im Jahr 2007 auf unter ein Prozent. Um einen möglichst großen Anteil der Füchse zu entwurmen, ist allerdings ein möglichst geringes Ausmaß an Wanderbewegungen innerhalb der Fuchspopulation Voraussetzung. Da die Fuchsjagd die räumliche Dynamik der Füchse jedoch erheblich erhöht, ist die Auslegung von Entwurmungsködern nur dort sinnvoll, wo nicht oder nur wenig gejagt wird.
Wenn die allgemeinen Hygieneregeln beachtet, Füchse nicht gefüttert oder durch attraktive Nahrungsquellen (offener Kompost, Haustierfütterung im Garten, etc.) angelockt und Hunde regelmäßig entwurmt werden, ist die Gefahr, am Fuchsbandwurm zu erkranken, verschwindend gering. mehr

Bitte geben Sie den Grund der Meldung ein:

Bitte geben Sie mindestens 10 Zeichen ein!
4
Beitrag melden

Gerade sind die sogenannten Fuchswochen, da schießen Jäger auf alles was einen roten Pelz trägt. Und regelmäßig wird vor solchen jagdlichen Großereignissen auf die angebliche Gefahr durch die Übertragung von Krankheiten hingewiesen. Auch wenn das statistisch wegen Mangel an Fällen gar nicht nachweisbar ist. Klar gibt es dann einige dann Angst bekommen bei diesem Jägerlatein. Wenn Bürgermeister Joachim Löffler keine anderen Probleme hat als Füchsen die Behausungen zu zerstören scheint es ihm zu gut zu gehen... mehr

Bitte geben Sie den Grund der Meldung ein:

Bitte geben Sie mindestens 10 Zeichen ein!
3
Beitrag melden

Anmerkung zu @2
Die Reaktion auf die Glockenspielgeschichte zeigt nur, dass mit unserer Gesellschaft etwas nicht stimmt:
http://www.mimikama.at/allgemein/medienjagd-veganerin/

Bitte geben Sie den Grund der Meldung ein:

Bitte geben Sie mindestens 10 Zeichen ein!
2
Beitrag melden

Da passt doch (Gerade im TV gesehen): Extra3, Irrsinn der Woche, Limburg, Fuchs du hast die Gans gestohlen Glockenspiel abgestellt.
Als ob die Welt keine anderen Probleme hätte.

t-online de nachrichten panorama buntes-kurioses kinderlied-nach-protest-abgestellt mehr

Bitte geben Sie den Grund der Meldung ein:

Bitte geben Sie mindestens 10 Zeichen ein!
1
Beitrag melden

Der Tierschützer sollte sofort unterschreiben müßen dass er für durch Füchse übertragene Fuchsbandwürnmer die Verantwortung übernimmt. Jeden Erkrankten entschädigen wird. Hallo Katzenfreunde lasst eure Tiere nicht mehr aus dem Haus. Je mehr Füchse desto schneller habt ihr die Krankheit in euren 4 Wänden mehr

Bitte geben Sie den Grund der Meldung ein:

Bitte geben Sie mindestens 10 Zeichen ein!

 
URL: http://www.schwaebische.de/region_artikel,-Tierschuetzer-will-Buergermeister-verklagen-_arid,10615635_toid,694.html
Copyright: Schwäbisch Media Digital GmbH & Co. KG / Schwäbischer Verlag GmbH & Co. KG Drexler, Gessler. Jegliche Veröffentlichung, Vervielfältung und nicht-private Nutzung nur mit schriftlicher Genehmigung.
Bitte senden Sie Ihre Nutzungsanfrage an online@schwaebische.de.