8
Schwäbische.de Schwäbische.de
Bedeckt 0
Scheer
Lokales

Tierrettung endet tragisch

Stute scheut vor einem Hund, stürzt in Abhang und stirbt Stunden später – Reiterin will Anzeige erstatten
Feuerwehr, Helfer und Tierärzte versuchen am Dienstag Stute Aissa aus dem Graben zu ziehen.
Feuerwehr, Helfer und Tierärzte versuchen am Dienstag Stute Aissa aus dem Graben zu ziehen.
Thomas Warnack

Scheer sz Es sollte ein schöner Ausritt mit ihrer 15 Jahre alten Stute Aissa werden, doch der Ausflug am Dienstagnachmittag endete tragisch: Almut Spöcker aus Scheer verlor ihr Pferd.

Beim Ritt im Wald oberhalb von Scheer, von Heudorf her kommend, wurde die Reiterin von einem Hund überrascht, der das Pferd scheuen ließ. „Ich bin auf eine Bank zugeritten, auf der ein Ehepaar saß, das ich wohl bemerkt habe“, berichtet Reiterin Almut Spöcker. Den mittelgroßen Hund, der sich beim von ihr abgewendeten Ehepaar befand, sah sie nicht. „Er kam aus dem Nichts auf uns zugeschossen“, erzählt Spöcker. Das Pferd sei binnen Sekundenbruchteilen voller Panik losgerast. „Normalerweise ist sie kein Durchgänger und auch vor Hunden hat sie keine Angst“, so die Reiterin. Almut Spöcker kann nachvollziehen, dass das Pferd aufgrund der Redaktion des Hundes Gefahr gewittert haben muss. Das Pferd habe nicht mehr auf ihre Kommandos reagiert und sei im Zickzack durchs Gebüsch galoppiert. „Dabei bin ich abgestiegen“, so Spöcker, die selbst mit Prellungen davon gekommen ist, aber noch nicht beim Arzt war.

„Am Waldrand befindet sich ein tiefer Graben. Da ist sie dann regelrecht reingestochen“, sagt Spöcker, merklich mitgenommen von den Erlebnissen. Aus dem Graben sei das Pferd nicht mehr aus eigenen Kräften herausgekommen, es habe auf dem Boden gelegen, die Beine ragten in die Luft.

Gänsehaut-Situation

Eine hinzugekommene Zeugin, von der Spöcker keine Kontaktdaten hat, habe die Feuerwehr gerufen. 16 Feuerwehrleute der freiwilligen Feuerwehr Scheer und zwei hinzugerufene Tierärzte versuchten stundenlang, das am Hang liegende Pferd mit Hilfe von Gurten zu drehen und aufzurichten. „Aber wir kamen nicht unters Pferd“, erzählt die Reiterin.

Für Kommandant Tobias Braig war die Tierrettung ein außergewöhnlicher Einsatz: „Wir haben das Tier mit Flutlichtstrahlern und Decken gewärmt“, berichtet der Feuerwehrmann. Eine Rettung von Großtieren komme höchst selten vor. „Eine unserer Feuerwehrfrauen reitet selbst und kennt sich gut mit Pferden aus, dafür war ich sehr dankbar“, so Braig. „Die Rettung lief total ruhig ab, auch das Tier war ganz ruhig – es hat wohl gemerkt, dass wir ihm helfen wollten“, berichtet Braig. „Man hat in seinen Augen gesehen, dass es Schmerzen hatte, aber das ist so ungreifbar, wenn man dies selbst noch nie erlebt hat“, so Braig. „Das verursacht schon Gänsehaut“, beschreibt Braig die Situation.

In der Nacht verstorben

Jeder der Anwesenden habe sein Bestes gegeben. Unter Anweisung der Tierärzte sei das Pferd schließlich mit vereinter Manneskraft hochgezogen worden. Immer wieder habe das Tier Infusionen für den Kreislauf und gegen Schmerzen erhalten. Von allein konnte es jedoch nicht stehen. Von etwa 16.30 Uhr Bis 18.30 Uhr habe die Bergung angedauert. Zusätzliche Probleme bereitete die Dunkelheit.

Mithilfe eines Radladers eines Landwirts wurde die Stute schließlich auf einen Anhänger geladen und nach Hause gebracht. Die Hoffnung, dass das Tier wieder von allein stehen würde, hat sich für Almut Spöcker nicht erfüllt. Im heimischen Stall ist Peruaner-Araberstute Aissa nachts schließlich verstorben. Almut Spöcker vermutet, dass innere Verletzungen oder Stauchungen des Rückenmarks die Ursache dafür gewesen sind.

Zeugin gesucht

Almut Spöcker ist enttäuscht über die Reaktion des Ehepaars mit Hund, dass das Geschehen relativ teilnahmslos verfolgt habe und kaum Einsatz gezeigt haben soll. „Sie haben sich nicht mal bemüht, über den Acker zu kommen.“ Verständnis für den Vorfall an sich hat Almut Spöcker dennoch: „Es herrscht im Wald keine Leinenpflicht, das kann schon passieren, nichtsdestotrotz handelt es sich um eine Nachlässigkeit“, so Spöcker.

Wie der Schaden und die Kosten der Rettung begleichen werden, ist noch nicht klar. „Wir werden Anzeige erstatten“, sagt Spöcker.

Die im Artikel beschriebene Zeugin wird gebeten, sich bei Almut Spöcker oder der Polizei zu melden.

Ihr Kommentar zum Thema
Kommentare (8)
8
Beitrag melden

Schmerzliche Erfahrung aus der Begegnung Raubtier und Fluchttier. Manches verhalten ist für uns Menschen unbegreiflich.

Bitte geben Sie den Grund der Meldung ein:

Bitte geben Sie mindestens 10 Zeichen ein!
7
Beitrag melden

zu6: auch Tiere sterben- wie alle anderen Lebewesen. Also kann auch geschrieben werden, das ein Pferd verstorben ist- es hat auf alle Fälle seine Richtigkeit.

Bitte geben Sie den Grund der Meldung ein:

Bitte geben Sie mindestens 10 Zeichen ein!
6
Beitrag melden

Erstens VERENDEN Tiere - verstorben heisst es bei Menschen ! Zweitens ist die Halterin des Pferdes verantwortlich, wenn nicht mit Absicht das Pferd erschreckt wird !

Bitte geben Sie den Grund der Meldung ein:

Bitte geben Sie mindestens 10 Zeichen ein!
5
Beitrag melden

Wenn ich mit meinem Hund spazieren gehe, begegnen wir öfter mal auch Pferden. Da hat es noch nie Probleme gegeben. Die Reiter haben ihr Pferd im Griff und ich meinen Hund (ohne Leine).

Bitte geben Sie den Grund der Meldung ein:

Bitte geben Sie mindestens 10 Zeichen ein!
4
Beitrag melden

Wie der Schaden und die Kosten der Rettung begleichen werden, ist noch nicht klar. ... Es gibt für Pferdebesitzer für solche Fälle entsprechende Versicherungsmöglichkeiten.

Bitte geben Sie den Grund der Meldung ein:

Bitte geben Sie mindestens 10 Zeichen ein!
3
Beitrag melden

Da sind Sie als Jäger aber leider falsch informiert. Siehe: http://www.forstbw.de/erleben-lernen/waldknigge/haustiere/

Bitte geben Sie den Grund der Meldung ein:

Bitte geben Sie mindestens 10 Zeichen ein!
2
Beitrag melden

Leider gibt es in Baden Württemberg keine Leinenpflicht für Hunde im Wald.
In vielen anderen Bundesländern ist Leinenpflicht im Wald gesetzlich vorgeschrieben.Hier irrt der Waidmann.

Bitte geben Sie den Grund der Meldung ein:

Bitte geben Sie mindestens 10 Zeichen ein!
1
Beitrag melden

Im Wald herrscht sehr wohl Leinenpflicht für Hunde(Ich bin Jäger und weiß das):
ich würde auf jeden Fall eine Anzeige machen, das bringt leder Ihr Pferd nicht zurück, aber das ist doch wohl das letzte.... mehr

Bitte geben Sie den Grund der Meldung ein:

Bitte geben Sie mindestens 10 Zeichen ein!

 
URL: http://www.schwaebische.de/region_artikel,-Tierrettung-endet-tragisch-_arid,10615448_toid,73.html
Copyright: Schwäbisch Media Digital GmbH & Co. KG / Schwäbischer Verlag GmbH & Co. KG Drexler, Gessler. Jegliche Veröffentlichung, Vervielfältung und nicht-private Nutzung nur mit schriftlicher Genehmigung.
Bitte senden Sie Ihre Nutzungsanfrage an online@schwaebische.de.