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Biberach an der Riß
Lokales

Tango: Ein getanzter Dialog

Tanzsportverein Risstino gibt es seit über einem Jahr –Übungsstunde am Samstag
Tango Argentino in Biberach - Michaela Berg und Uwe Hämmer zeigen,wie es geht
mhl

Biberach mhl Der Saal mit den hohen Wänden ist von einer melancholischen Geige und dem Klang des Bandoneons erfüllt. Die Paare gleiten über den hellen Parkettboden, während spanischer Gesang einsetzt, der klingt als stamme er aus einem Grammophon. Die Musik hat etwas Nostalgisches und Anmutiges, ebenso wie der Tanz.

Im Sennerhof wird Tango Argentino getanzt. Dabei handelt sich um eine freie Form des Tango, bei der Improvisation groß geschrieben wird. Die Tänzer greifen dabei auf ein erlerntes Repertoire von Schritten und sogenannten Figuren zurück, die sie während des Tanzes beliebig zusammensetzen. „Das Interessante ist, dass man auf die Tanzfläche geht und nicht weiß, was passiert“, sagt Tanzlehrer Günter Späth. „Dadurch hat der Tanz ein hohes Suchtpotenzial. Man vergisst alles um sich herum.“ Späth beschäftigt sich seit rund 20 Jahren mit dem Tango. Er und Tanzpartnerin Michaela Berroth sind die Tangolehrer des Biberacher Vereins Risstino. „Jeder muss auf den anderen Acht geben“, sagt Berroth. „Es ist nonverbale Kommunikation, ein getanzter Dialog“, ergänzt Günter Späth.

Der Tango Argentino unterscheidet sich von dem Tanz, der bei Turnieren gezeigt wird. „Was auf Wettbewerben getanzt wird, ist standarisierter Tango, bei dem die Schrittfolgen genau festgelegt sind“, sagt Günter Späth. Beim Tango Argentino führt der Mann. „Die Oberkörper sind enger beieinander als beim Standard-Tango“, erklärt Vereinsmitglied Thorsten Schweikardt. „Dafür sind die Beine freier. Der Blick geht dabei Richtung Hände, die man sich auf einer Seite gibt.“ Wenn man während des Tanzens auf den Körper seines Tanzpartners achtet, nimmt man Bewegungsandeutungen besser wahr, ohne dass der führende Tänzer in eine Richtung drücken muss. Bestimmte Schrittfolgen werden durch die Veränderung der Geschwindigkeit vom führenden Tänzer angekündigt, ganz ohne Worte.

Auch das Ehepaar Thomas und Michaela Berg empfindet diesen Tanz als intensiven Dialog. Vor drei Jahren haben sie den Tango Argentino für sich entdeckt. „Es ist nicht nur eine schöne Freizeitbeschäftigung, sondern auch eine gemeinsame Basis für unsere Beziehung“, sagt Thomas Berg. „Es hat mir eine intensive und persönliche Auseinandersetzung mit meiner Frau ermöglicht.“ Michaela ergänzt: „Man entwickelt auf jeden Fall ein anderes Körpergefühl, aber auch soziale Kompetenz im Umgang mit anderen Menschen.“ Denn auch wenn die Tänzer mit einem Tanzpartner zur Übungsstunde kommen, wechseln sie die Partner untereinander und müssen sich jedes Mal neu auf den anderen einlassen. Für Hobby-Tänzer Thorsten Schweikardt ist Tango nicht nur Freizeitbeschäftigung, sondern Lebensfreude. „Das Schöne ist, dass die Tangoszene sehr offen und lebhaft ist. Selbst wenn man alleine auf einen Tangoabend geht, wird man schnell zum Tanz aufgefordert.“

Tango tanzen in Biberach

Für die Teilnahme am Einführungskurs empfiehlt es sich mit einem Partner zu kommen, es ist aber nicht zwingende Voraussetzung. Grundsätzlich ist Tango Argentino für jedes Alter geeignet. „In unserem Verein liegt der Altersdurchschnitt geschätzt bei 45 Jahren“, sagt Vorsitzender Uwe Hämmer. Vor drei Jahren erhielt er einen Tangokurs als Geburtstagsgeschenk und seitdem hat ihn das Tanzfieber gepackt. „Von Ulm bis Bregenz ist eigentlich fast jeden Abend eine Milonge, so nennen sich Tango Argentino Veranstaltungen.“ Schnell kam der Wunsch auf, auch in Biberach zu tanzen.

Februar 2011 gründete Uwe Hämmer mit Freunden schließlich den Tanzsportverein Risstino. „Das Wort Risstino ist eine Mischung aus Argentino und Biberach an der Riß“, erklärt Hämmer. Inzwischen hat der Verein 76 Mitglieder, die sich regelmäßig zu Übungsstunden und anschließenden offenen Tanzabenden treffen. Jeder, der Freude an der Bewegung hat, kann für fünf Euro Mitglied werden und Reinschnuppern. Der Einführungskurs besteht aus insgesamt sechs Übungsstunden. „Allerdings sollte man Zeit mitbringen, denn wenn einen die Muse erst mal küsst, dann ist man unterwegs“, warnt Vorsitzender Hämmer mit einem Augenzwinkern.

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