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Südbahn: Neues Fahrplanangebot stärkt Aulendorf

Knotenbahnhof gewinnt mit dem Fahrplanwechsel 2020 an Bedeutung – Drittes Gleis am Bahnhof war jedoch zu teuer

Durch die neuen Zugverbindungen, die mit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2020 dazu kommen, gewinnt der Knotenbahnhof Aulendorf an Bedeutung.
Durch die neuen Zugverbindungen, die mit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2020 dazu kommen, gewinnt der Knotenbahnhof Aulendorf an Bedeutung.
Archiv dpa: Felix Kästle

Aulendorf sz Die Bauarbeiten für die Elektrifizierung der Südbahn zwischen Ulm und Lindau sollen laut Ministerpräsident Winfried Kretschmann noch in diesem Jahr beginnen. Wann der Termin für den Spatenstich ist, steht allerdings noch nicht fest. Der angestrebte Fahrplanwechsel im Dezember 2020 bringt auch viele Veränderungen für den Knotenbahnhof in Aulendorf, an dem täglich rund 7700 Zugfahrer ein-, aus- und umsteigen. Laut Wilfried Franke, Geschäftsführer der Interessengemeinschaft (IG) Südbahn, wird es in Aulendorf ein „deutlich verbessertes Angebot“ geben.

Das heißt: „Schnelle Züge fahren alle durch, der langsame Verkehr wird in Aulendorf gebrochen.“ Um Letzteres zu vermeiden, hätte am Aulendorfer Bahnhof ein drittes Bahngleis für zehn Millionen Euro gebaut werden müssen. Das war dem Land allerdings zu teuer.

„Es wird alles deutlich besser“

Zum Fahrplanwechsel im Dezember 2020 sollen die Züge auf der Südbahn elektrisch fahren und auch die Neubaustrecke zwischen Ulm und Stuttgart soll bis dahin fertig gebaut sein. Von einem „völlig neuen Bahnzeitalter“, spricht Franke und betont, dass keine Verbindungen weggestrichen oder reduziert werden – im Gegenteil: „Mit dem neuen Fahrplankonzept wird alles deutlich besser.“ Das gelte auch und besonders für Aulendorf, denn künftig werde es von den großen Südbahn-Haltepunkten aus (neben Aulendorf zählen dazu Biberach, Laupheim, Ulm, Ravensburg, Meckenbeuren und Friedrichshafen) einen Halbstundentakt von schnellen Zügen geben, die die Fahrgäste in rund einer Stunde umsteigefrei nach Stuttgart bringen, genauso in die Gegenrichtung.

Zudem fahren Regionalbahnen weiterhin die kleineren Haltepunkte entlang der Südbahn an. Wie Franke erläutert, wird der langsame Regionalbahnverkehr in Aulendorf gebrochen und in einen südlichen und nördlichen Bereich unterteilt. Wer also beispielsweise von Ummendorf nach Mochenwangen fahren will, muss in Aulendorf umsteigen. „Das ist auch heute schon so und wird so bleiben. Es wird nichts weggestrichen, was es heute schon gibt“, sagt Franke. Das liege daran, dass es zu wenig Pendler gebe, die über Aulendorf hinausfahren, egal, ob aus südlicher oder nördlicher Richtung. „Es gibt nur wenige Menschen, die von kleinen Haltepunkten im Norden zu kleinen Haltepunkten im Süden fahren wollen“, erläutert Franke. Das sei von Gutachtern überprüft worden. Die wenigen Fahrgäste, die diese Strecken nutzen, müssen in Aulendorf umsteigen. Das trifft auch weiterhin auf die Fahrgäste der Bodensee-Oberschwaben-Bahn zu, die beispielsweise von Friedrichshafen nach Ulm wollen.

Neue Verbindungen

Zwar sei es im Gespräch gewesen, auch die „sogenannten langsamen Verkehre“ durchfahren zu lassen, dafür wäre aber am Aulendorfer Bahnhof ein drittes Bahngleis für mindestens zehn Millionen Euro nötig gewesen. „Die Höhe der Kosten im Gegensatz zu dem geringen Fahrgastpotenzial, die von einem kleinen Haltepunkt zu einem anderen kleinen Haltepunkt wollen, rechtfertigen das dritte Bahngleis nicht“, so Franke. „Wer hätte das bezahlen sollen? Das Land hat gleich gesagt: Wir zahlen das nicht.“

Da aber in Aulendorf künftig sogar mehr Züge halten (beispielsweise die Verbindung Basel-Ulm), werde das Angebot laut Franke vergrößert. „Es wird nichts reduziert, sondern es kommen neue Möglichkeiten hinzu.“

Barrierefreiheit am Bahnhof dauert noch

Der Aulendorfer Bahnhof ist ein wichtiger Knotenbahnhof in der Region. Mindestens 7700 Menschen nutzen dort täglich die Bahn. Mit der Elektrifizierung der Südbahn gewinnt der Bahnhof weiter an Bedeutung, denn zusätzlich zum bisherigen Angebot kommen neue Verbindungen hinzu. Noch gibt es keine konkreten Pläne, den Bahnhof auch entsprechend seiner Bedeutung barrierefrei auszubauen.

Wie Bürgermeister Matthias Burth erläutert, liegt es an der Bahn, die Kosten für einen barrierefreien Ausbau des Bahnhofs zu ermitteln. „Das würde vermutlich Millionen kosten und die Frage ist: Wer soll das bezahlen?“. Die Bahn hatte vergangenen Herbst im Gemeinderat erste Ideen und eine 7,7 Millionen Euro schwere Kostenschätzung vorgestellt. Das Vorhaben solle, so Burth, jedoch in das gemeinsame Bahnhof-Modernisierungsprogramm von Bund, Bahn und Land aufgenommen werden, das noch bis 2019 läuft. Danach müsse ermittelt werden, welche Bahnhöfe in welcher Reihenfolge modernisiert werden. „Wir gehen davon aus, das Aulendorf als Knotenbahnhof dabei ist. Aber das wird noch etliche Jahre dauern. Wichtig ist, dass wir jetzt in die Planungen einsteigen“, erklärt Burth. Die Stadt beteiligt sich an den ersten Planungskosten mit 120 000 Euro. Das sanierungswürdige Bahnhofsgebäude, das der Bahn gehört, ist bislang außen vor. Der Busbahnhof wird im Zuge des Poststraßen-Projekts barrierefrei ausgebaut. (kik)

Bürgermeister will einspurige Autobrücke

Im Zuge der Elektrisierung der Südbahn wird die Rugetsweiler Brücke in Aulendorf abgerissen und soll durch eine Geh- und Radwegbrücke ersetzt werden. Bauen müsste sie die Bahn, die Stadt müsste allerdings rund ein Drittel der Kosten in Höhe von fast 800 000 Euro übernehmen. Ob die Brücke künftig nur eine Fuß- und Radwegbrücke sein wird oder doch auch einspurig von Autos befahren werden kann, das will die Stadt noch vor der Sommerpause klären.

„Der Gemeinderat muss darüber entscheiden, das hängt natürlich von den Kosten ab“, sagt Bürgermeister Matthias Burth. Für ihn ist jedoch klar: „Eine einspurige Autobrücke muss sein.“ Ein Hauptgrund dafür seien Rettungswege. Denn sobald die große Aulendorfer Brücke einmal ausfallen sollte (beispielsweise wegen einer Sperrung), müssten Rettungskräfte große Umwege über Mochenwangen oder Bad Schussenried fahren. Denn die Rugetsweiler Brücke, die die beiden Ortsteile Zollenreute und Rugetsweiler verbindet, ist neben der großen Brücke die einzige Möglichkeit in der näheren Umgebung, um die Bahngleise und die Schussen zu überqueren. (kik)

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