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Laichingen
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Stehende Ovationen für Tenor Girard Rhoden im Alten Rathaus


Gelungener Jahresauftakt der vierzehntägigen Kammermusik-Konzerte: Tenor Girard Rhoden vom Ulmer Theater, einfühlsam begleitet von Pianistin Fay Neary am Steinway-Flügel im Rathaussaal.
Gelungener Jahresauftakt der vierzehntägigen Kammermusik-Konzerte: Tenor Girard Rhoden vom Ulmer Theater, einfühlsam begleitet von Pianistin Fay Neary am Steinway-Flügel im Rathaussaal.
jk

Laichingen sz Egal, was er singt: Tenor Girard Rhoden berührt die Herzen der Zuhörer. In der Kammermusikstunde hat er in Laichingen am Sonntag schöne Mädchen und geheimnisvolle Vollmond-Nächte besungen, einsame Wanderer und tanzende Bootsleute, lebenslustige Vagabunden und schlaue Ganoven. Der Opernsänger aus Chicago, seit 1995 Ensemble-Mitglied am Ulmer Theater, hat eine wunderschöne Stimme, die man nicht mehr vergisst.

Weich, stark und klar klingt diese Stimme, mit einem raumfüllenden Volumen. Live gesungen ein echtes Erlebnis. Unmittelbar erreichen die Schallwellen das Ohr, auf direktem Weg, ganz ohne Technik. Kein Vergleich zu Fernseh- oder Video-Aufnahmen oder von Tonträgern abgespielte Musik. Das gilt generell, insbesondere jedoch für den klassischen Gesang, der mit seiner Reichweite beeindruckt und auf ein Mikrophon nicht angewiesen ist.

Live kann diese selten gewordene Kunst ihre volle Kraft entfalten. Die Stimme ist das schönste Instrument, das es gibt. Sie ist dem Menschen am nächsten und hat vor allen anderen Instrumenten existiert, denn sie ist ein Teil von uns selbst. Der Rathaussaal war voll besetzt. Dennoch hat das Publikum – im Vergleich zu der üblichen Größe solcher Konzerte – den Auftritt des Sängers aus nächster Nähe erlebt. Tenor Rhoden war auf jeden Fall exklusives Erlebnis zum Jahresbeginn des Kammermusik-Programms.

Rhoden ist jedoch nicht nur ein virtuoser Profi-Sänger. Bereits mit zehn Jahren begann er eine Bühnenausbildung als Schauspieler. Das zeigt sich auch bei seinen Auftritten als Sänger. Er kann sich wunderbar in seine Rollen und Figuren hineinversetzen. Ausdrucksstark und individuell interpretierte er die romantischen Lieder von Ralph Vougham Williams (1872-1958). Die gefühlsbetonten Werke sind Spiegelbilder unterschiedlicher Stimmungen. Die englischen Texte sind ausgeschmückt mit verschlüsselten Symbolen.

Handlung blieb im Dunkeln

Das Publikum hatte einen Flyer mit der deutschen Übersetzung in der Hand. Beim Verständnis der Bedeutung brauchte man jedoch auch im Deutschen Phantasie und Einfühlungsvermögen. Die „gesungenen Geschichten“ waren nur angerissen, die Handlung blieb im Dunkeln. Es ging um die Darstellung verschiedener Gefühlslagen und Befindlichkeiten, nicht um die „Story“ selbst. Stattdessen haben die Lieder die romantischen Gefühle künstlerisch verdichtet zu einem Kaleidoskop mit breitem Spektrum an Stimmungen.

Ähnlich war das auch bei den „Old American Songs“ von Aaron Copland (1900-1990). Der Liederzyklus bot jedoch auch einige Teile mit lustigen Landliedern. Schnatternde Gänse, grunzende Schweine und wiehernde Pferde brachten das Publikum zum Lachen – und Rhodens Talent zur Komik. Anrührend war das Schlaflied für Kleinkinder, mitreißend die Stücke über Vagabunden und Ganoven. Natürlich kamen auch die Liebesgeschichten nicht zu kurz.

Der Dritte Teil bestand aus fünf „Negro Spirituals“. Die gesungenen Gebete des schwarzen Tenors hatten eine eindrucksvolle Intensität. Eines erinnerte an das Leid der Südstaaten-Sklaven, wo nur Gott die Geschundenen erhörte. Andere waren voller Heiterkeit, darunter der bekannte Gospel-Hit „He’s got the Whole World in His Hand“. Ab und zu durfte das Publikum mitklatschen. Girard Rhoden hatte die Gäste im Rathaussaal immer auf seiner Seite. Der Kontakt riss nie ab. Am Ende gab es zu recht: stehende Ovationen.

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