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„Stadtdiakonat hat an Gewicht gewonnen“

Bernd Strohmaier geht in Ruhestand –Ulrich Föhr übernimmt

Bernd Strohmaier (links) übergibt die Leitung des Stadtdiakonats an Ulrich Föhr.
Bernd Strohmaier (links) übergibt die Leitung des Stadtdiakonats an Ulrich Föhr.
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Friedrichshafen sz Stabwechsel im Stadtdiakonat. Bernd Strohmaier, der die Einrichtung der katholischen Gesamtkirchengemeinde seit 2013 leitete, wechselte zu Jahresbeginn in den Ruhestand. Ulrich Föhr, der seit Juli 2014 mit einer halben Stelle im Stadtdiakonat mitarbeitete, übernimmt jetzt die Aufgabe ganz.

Im Haus der kirchlichen Dienste gab es gestern Abend eine Abschieds- und Willkommensfeier, musikalisch begleitet von Nikolai Gersak und Benjamin Engel, mit Gruß- und Dankesadressen von Vertretern der Stadt, des Landkreises, der evangelischen Kirche, der Tafel und der Schwäbischen Zeitung, die mit der weihnachtlichen Aktion „Häfler helfen“ die Arbeit der Diakone seit 2002 unterstützt. Knapp 850 000 Euro haben Leserinnen und Leser seither gespendet, wie Redaktionsleiter Martin Hennings sagte. Geld, mit dem die beiden Kirchen armen und bedürftigen Menschen in der Stadt helfen. „Eine Erfolgsgeschichte, die uns verbindet“, wie Hennings sagte, die aber auch das Thema Armut, Not und soziale Probleme in die Öffentlichkeit rückt und Lösungen aufzeigt. Durch Menschen wie Strohmaier habe „Häfler helfen“ Gesicht, Hand und Fuß.

Dass es auch in einer wirtschaftlich prosperierenden Stadt wie Friedrichshafen gerade genug Menschen gibt, die aus ganz verschiedenen Gründen in Not geraten, die nicht nur arm, sondern einsam und verelendet sind und von keinem noch so engmaschigen staatlichen Fürsorgenetz aufgefangen werden, betonte Strohmaier. Mit ihnen zu gehen, für sie da zu sein, sei die Aufgabe des Diakons. „Manchmal hatte ich das Gefühl, die Nöte der Menschen nicht ertragen zu können“, bekannte der Diakon. Dann aber seien Momente der Dankbarkeit gekommen, die alles übertreffen. Er habe Solidarität und Unterstützung erfahren, dass es ihm schier die Sprache verschlagen habe. Für ihn seien die Jahre im Stadtdiakonat eine Lehrzeit gewesen – „die intensivste in meinem Berufsleben“.

Als Diener und Helfer der Armen, wie Pfarrer Bernd Herbinger die Diakone nannte, haben beide reiche Erfahrungen in der Krankenhausseelsorge. Strohmaier begründete das Hospiz mit, kümmerte sich um Trauernde, Obdachlose und sorgte dafür, dass „namenlose“ Verstorbene würdig bestattet wurden. Herbinger bezeichnete Strohmaier als einen geistlichen Menschen, dessen Humor und Sanftmut auf Andere eine wohltuende Wirkung haben. Er habe viele neue Ideen gebracht, die Arbeit im Stadtdiakonat strukturiert und der Einrichtung größeres Gewicht verliehen.

„Sie sind dort reingegangen, wo’s weht tut, suchten die Nähe zu den Menschen, konnten zuhören und Orientierung geben“, sagte Bürgermeister Andreas Köster. Als „verlässlichen und kompetenten Partner“ bezeichnete Sozialdezernent Ignaz Wetzel den Diakon. Dass dem Stadtdiakonat die Arbeit nicht ausgeht, davon sei er überzeugt. Obdachlosigkeit werde uns in den nächsten Jahren ebenso stark beschäftigen wie Einsamkeit und Verwahrlosung im Alter.

Netzwerker und Brückenbauer

„Sie werden uns fehlen“, sagte Codekan Gottfried Claß von der evangelischen Kirche. Er habe Strohmaier als einen Menschen mit großer Seele und weitem Herzen kennengelernt. Auf ihn treffe zu, was Dietrich Bonhoeffer in einem Brief an sein Patenkind schrieb: Bete, tue das Gerechte und warte auf Gottes Zeit. Wer in Gott eintauche, tauche in den Armen wirder auf, sei eine Erfahrung, die er verkörpere. Dem Stadtdiakonat habe er eine bessere Struktur und ein stabileres Fundament gegeben. Renate Köster dankte im Namen der Tafel für die vielfältige Unterstützung.

Das Schlusswort blieb Ulrich Föhr vorbehalten. Er ist seit 30 Monaten an der Seite von Strohmaier und muss nicht ins kalte Wasser springen. Die neue Konzeption, die sie zusammen für das Stadtdiakonat erarbeiteten, sei hilfreich und gebe ihm Sicherheit. Föhr bezeichnete sich als Mann der Kirche mit bischöflichem Auftrag, er fühle sich als Netzwerker und Brückenbauer, und gleichzeitig als Anwalt und Partner der benachteiligten Menschen.

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