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Bad Saulgau
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Stadt stellt Strafanzeige gegen Facebook-Nutzer

Feuerwehrleute sind schockiert nach Beiträgen im sozialen Netzwerk – Grenzen klar überschritten
Bei Facebook verbreitet ein Nutzer Hass-Posts gegen die Freiwillige Feuerwehr Bad Saulgau. Die Stadtverwaltung stellt Strafanzeige gegen den Unbekannten.
Bei Facebook verbreitet ein Nutzer Hass-Posts gegen die Freiwillige Feuerwehr Bad Saulgau. Die Stadtverwaltung stellt Strafanzeige gegen den Unbekannten.
Stephan Jansen/dpa

Bad Saulgau sz Nach dem Kellerbrand in einem Mehrfamilienhaus an der Sießener Straße in Bad Saulgau hat ein Nutzer im sozialen Netzwerk Facebook die Einsatzkräfte der Freiwilligen Feuerwehr mit seinen Beiträgen attackiert. So sehr, dass die Stadtverwaltung Strafanzeige gegen den anonymen Nutzer stellen will – „nicht zuletzt, weil wir damit unseren Einsatzkräften signalisieren, dass sie unsere Unterstützung haben“, sagt Bad Saulgaus Pressesprecher Thomas Schäfers.

Die Freiwillige Feuerwehr war vor knapp zwei Wochen ausgerückt, um den Kellerbrand zu löschen. Ein Junge im Grundschulalter hatte gezündelt und das Feuer nicht mehr kontrollieren können. Drei Bewohner erlitten dabei Rauchgasvergiftungen, die Feuerwehrleute konnten Schlimmeres verhindern. Einen Tag später trauten die Einsatzkräfte ihren Augen nicht, als bei Facebook mittels unerträglicher Posts Hass verbreitet wurde. Der vermeintliche Nutzer wolle der Feuerwehr Zucker in den Tank schütten, die Fahrzeuge beschädigen. Und er billigte bei Facebook sogar den Tod von Feuerwehrleuten, die beim nächsten Einsatz „ins Gras beißen“ sollten.

Einfangen und motivieren

Für Bad Saulgaus Stadtbrandmeister Karl-Heinz Dumbeck sei damit eine Grenze überschritten worden. „Die Feuerwehrleute, die sich ehrenamtlich selbst in Gefahr bringen, waren schockiert. Das ist unterste Schublade.“ Dumbeck habe mit einigen Kameraden Einzelgespräche führen müssen, weil sie kurz davor gewesen sein sollen, aus der Feuerwehr auszutreten. „Ich war damit beschäftigt, die Kameraden wieder einzufangen und sie zu motivieren“, so Dumbeck, der die Reaktionen seiner Truppe mehr als nachvollziehen kann. „Das ist eine massive Bedrohung, die wir uns wirklich nicht gefallen lassen müssen.“ Das sei schon keine Frechheit mehr, sondern eine riesige Sauerei.

Bei der Jahreshauptübung am vergangenen Samstag jedenfalls hatte die Freiwillige Feuerwehr ihren Zusammenhalt und Schlagkräftigkeit eindrucksvoll bewiesen.

In der Freiwilligen Feuerwehr sind etliche Familienväter, deren Ehefrauen nach den Beiträgen eines Anonymen bei Facebook Angst um ihre Männer haben. „So weit es ist leider schon gekommen.“ Solche Menschen, so Dumbeck, „sollen uns in Ruhe unsere Arbeit machen lassen“. Dass soll laut Dumbeck nicht heißen, dass die Feuerwehr nicht bereit sei, auch Kritik anzunehmen, wenn sie denn gerechtfertigt sei. „Wir haben immer ein offenes Ohr.“ Aber in diesem Fall sei die Grenze deutlich überschritten worden.

Die Stadt Bad Saulgau, die Strafanzeige stellen will, steht hinter ihrer Feuerwehr. „Feuerwehrleute sind ehrenamtlich tätig. Deshalb ist es besonders schade, dass dieser Einsatz offensichtlich bei zumindest einigen wenigen Subjekten gelinde gesagt keine Würdigung erfährt“, ergänzt Thomas Schäfers. Die Stadt müsse nicht alles tolerieren, denn auch bei Facebook sollte eine grundlegender Anstand gewahrt bleiben. „Das ist hier definitiv nicht mehr der Fall. Wir wollen das nicht einfach so abhaken.“

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