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Spider Mofa Gang: Mit Tempo 35 über die Ostalb

Eine Mischung aus Schrauben, Nostalgie und Abenteuer: In Aalen teilen mehrere Männer ein kurioses Hobby

Aalen sz Schnapsideen sind manchmal die richtig guten Einfälle. Das beste Beispiel dafür ist eine Mofa Gang in Aalen, die im Mai vergangenen Jahres während einer Geburtstagsparty gegründet wurde.

Es war nachts um drei, als die lustige Gesellschaft beschloss, das Mofa des 30-jährigen Geburtstagskindes wieder zu beleben. Also holte man das mittlerweile mehr oder weniger gute Stück aus dem Keller, trug es mit vereinten Kräften in die Wohnung des jungen Mannes und brachte es mit viel Herumschrauben, gutem Zureden und einer Flasche Salatöl wieder zum Laufen. „Das war geil“, sagt Patrick Bauer im Gedenken an den Moment der Geburtsstunde der Spider Mofa Gang Ostalb.

Mofas sind fast alle älter als ihre Fahrer

Zwei Wochen später hatten sich die Männer, die sich noch aus Schulzeiten, vom Fußball oder vom Musikmachen kennen, sechs weitere Mofas und einen Namen zugelegt. Sie nennen sich Spider Mofa Gang in Anlehnung an die Spider Murphy Gang mit ihrem bekannten Song von Rosie. „Wir haben auch eine Rosie“, erzählt Gangmitglied Michael Heim, genannt Michi. Allerdings sitzt die bei einer Versicherung, ist die Mutter eines der Mitglieder und kümmert sich um die Mofazulassungen der Männer, die zwischen 21 und 34 Jahre alt sind.

Warum die teils gestandenen Männer sich auf Mofas schwingen, ist wohl auch einer Art Nostalgie zuzuschreiben. „Die Mofas sind fast alle älter als wir.“ Mit 17 Jahren habe man die alten Teile noch für etwa 150 Euro verkauft, jetzt zahle man auch 600 Euro dafür, das gute Stück wiederzubekommen. Manche der Gang-Mitglieder lassen sogar ihre PS-starken Motorräder für das Mofa stehen.

„Der Vorteil ist, dass man sehr viel selber dran machen kann“, sagt Michi. Der Aufbau der Maschinen sei simpel, das Fahrfeeling umso besser. „Wir können auch Off-Road fahren und uns nebenher immer unterhalten.“ Getunt werden die Bikes aber nicht – „Das schnellste fährt 35 Kilometer pro Stunde.“

Ziel: 600 Kilometer an den Gardasee

Geht die Spider Mofa Gang auf Fahrt, dann fährt die Gruppe erst einmal die obligatorische Runde über den Stadtring und wenn es dabei noch keine Streuverluste gibt, geht es weiter auf die Wasseralfinger Festtage oder den Hammerschmiedesee oder was sonst in erreichbarer Nähe liegt. Doch die Männer lassen sich auch von dem scheinbar Unerreichbaren nicht schrecken und haben sich für nächstes Jahr schon ehrgeizige Ziele gesteckt: Etwa 200 Kilometer an den Bodensee oder im Jahr darauf 600 Kilometer weit an den Gardasee soll es gehen. „Je nachdem wie die Mofas es packen“, sagt Michi.

„Jede Fahrt ist ein Abenteuer“, erzählen die Männer. Wobei das Abenteuerliche sich dabei auf das Durchhaltevermögen ihrer Mofas bezieht. Schon im zarten Alter ihrer Ganghistorie können sie Geschichten erzählen, bei denen mancher Biker mit den Ohren schlackern würde. Geschichten, bei denen die Gang zu acht los fährt und nach wenigen Kilometern vier Mitglieder auf der Strecke lassen muss.

Band aus Oldenburg schreibt einen Song für die Gruppe

Tritt dieser Fall des Falles ein und eines der Mofas macht Zicken, werde nicht lange gefackelt, dann lässt die Gang ihrem geballten Schrauber-Ölnachkipper-und-Rußentferner-Trieb vollen Lauf. Und wenn das dann auch nicht hilft, heißt es eben schieben. „Einer läuft immer – das Mofa oder du.“ Genügend Mofa-Sprüche, die einen kurzweiligen Heimweg garantieren, haben sie jedenfalls drauf. „Für den Ersten im Stau ist es ja nicht schlimm“, meinen die Männer fröhlich.

Das Hobby der Männer stößt auf eine große Resonanz in der Öffentlichkeit, oft werden sie bei Ausfahrten auf ihre Mofas angesprochen. Auf Fahrten gebe es Leute die schauen, hupen, den Daumen nach oben zeigen. Und auf dem Zenit der öffentlichen Wahrnehmung angekommen, hat sich eine Band namens Run Zero aus Oldenburg bei den Männern gemeldet und ihnen ein Lied geschrieben. „Uns schreiben andere Gangs an, wollen Patches mit uns tauschen“, erzählt Michi. Insgesamt erhalte er eine positive Resonanz.

Bisher ist die Gang eine reine Männerdomäne, wobei die Mitglieder einer tüftelbegeisterten Frau nicht prinzipiell abgeneigt seien. Es dürften auch Nicht-Mitglieder mit auf Touren gehen, allerdings wollen sie den Kreis der festen Mitglieder erst mal nicht erweitern. Eines wolle er der Öffentlichkeit noch mitteilen, sagt Michi: „Die Leute sollen bitte nicht hupen, wenn sie hinter uns fahren. Wir fahren schon so schnell wie möglich.“

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