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Reichenbach am Heuberg
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Sonnwendfeuer: Jung und Alt packen mit an

Seit Dienstagabend steht wieder eine Holzpyramide auf dem Hexensattel bei Reichenbach

Dank vieler Helfer und eines großen Engagements: Die Holzpyramide auf dem Hexensattel bei Reichenbach steht wieder, die Unbekannte angezündet hatten. Das Sonnwendfeuer kann nun am Freitag entzündet werden.
Dank vieler Helfer und eines großen Engagements: Die Holzpyramide auf dem Hexensattel bei Reichenbach steht wieder, die Unbekannte angezündet hatten. Das Sonnwendfeuer kann nun am Freitag entzündet werden.
Heike Siegemund

Reichenbach/Täle sz In Reichenbach und darüber hinaus hält man zusammen – das zeigt sich dieser Tage auf beeindruckende Weise: Auf dem Hexensattel zwischen Reichenbach und Unterböhringen steht wieder eine Holzpyramide – zwölf Meter hoch, mit einem Durchmesser von zehn Metern. Sie ist fast so hoch wie der vorherige Holzstapel, den Unbekannte in der Nacht zu Sonntag mutwillig in Brand gesetzt hatten (wir berichteten bereits kurz). Einer stimmungsvollen Sonnwendfeier am Freitag, 23. Juni, steht also nichts mehr im Wege.

Acht Wochen lang hatten die rund 20 jungen Leute der Reichenbacher Dorfjugend täglich drei Stunden lang geschuftet und Unmengen an Holz auf die Ebene geschafft. Der Schock saß tief, als die Nachricht von der niedergebrannten Holzpyramide die Runde machte. Doch von der Fassungslosigkeit und Wut war bereits am Montagabend fast nichts mehr zu spüren.

Im Gegenteil: Die Reichenbacher Dorfjugend war baff erstaunt, als etwa 70 freiwillige Helfer den Weg auf den Hexensattel fanden. Jung und Alt stellten ihre Muskelkraft zur Verfügung und packten fünf Stunden lang mit an. Der Löschzug Reichenbach der Freiwilligen Feuerwehr Deggingen war vor Ort und löschte den noch immer heißen Ascheberg.

Ein ähnliches Bild bot sich am Dienstagabend, als ebenfalls zahlreiche Menschen auf die Ebene strömten und dabei halfen, das Holz aufzuschichten. „Die meisten kamen aus Reichenbach und Unterböhringen, aber zum Beispiel auch aus Gingen und Kuchen“, erzählt Patrick Maier. Einige Unternehmen stellten Fahrzeuge wie Radlader und Traktoren zur Verfügung. Privatleute brachten Holzpaletten und alte Balken auf den Hexensattel; das meiste Holz aber spendete Matthias Schulz aus Auendorf.

Der Inhaber eines Forstbetriebs stiftete 100 Festmeter, die die Firma Kurt Gansloser aus Reichenbach auf den Hexensattel transportierte. Dass die Hilfsbereitschaft so groß sein würde, davon hätten Patrick Maier und die anderen Mitglieder der Reichenbacher Dorfjugend nicht zu träumen gewagt. „Das baut auf jeden Fall auf“, sagt Julian Drexler, der am Sonntag noch am Boden zerstört war.

Für alle war es selbstverständlich zu helfen – auch für den Holz-Spender Matthias Schulz: „Es ging mir ans Herz, wie die jungen Leute deprimiert waren am Sonntag“, erzählt er. Deshalb hat er nicht lange gefackelt und gleich am Montagmorgen eine Holzlademaschine auf dem Hexensattel aufgestellt. „Für mich ist es Ehrensache, das Holz zu spenden. Es freut mich, wenn junge Leute etwas auf die Beine stellen wollen. Das ist keine Selbstverständlichkeit“, betont Matthias Schulz. Das Holz gehe jetzt eben nicht an die Industrie, sondern werde für einen guten Zweck verwendet. „Dafür muss man auch mal was übrig haben“, betont der Unternehmer.

Ganz begeistert von der Hilfsbereitschaft sind auch Rudi Werner und Jürgen Durner aus Reichenbach, die ebenfalls kräftig mit angepackt haben. Die beiden Männer zählen zu der früheren Veranstalter-Generation des traditionellen Sonnwendfeuers und verfügen deshalb über einen gewissen Erfahrungsschatz. „Diese Aktion hat richtig zusammen geschweißt“, betont Rudi Werner. Am Montagabend seien immer mehr Menschen auf den Hexensattel gekommen - es sei erstaunlich gewesen. Nach getaner Arbeit sei man noch zusammengestanden, habe etwas gegessen und getrunken. „Dieser Abend war grandios“, schwärmt Jürgen Durner.

Auch Rainer Hemminger aus Reichenbach zählte zu den Helfern in den vergangenen Tagen. „Man hilft sich schon im Dorf, aber so extrem erlebt man es selten“, schwärmt er. Die Hilfe komme aber auch aus anderen Ortschaften, ergänzt das Mitglied des Technischen Hilfswerks Geislingen. So kamen zum Beispiel seine Vereinskameraden am Dienstagabend nach Reichenbach. „Normalerweise hätten wir Ausbildungsdienst gehabt“, erzählt Rainer Hemminger. Doch für alle sei es selbstverständlich gewesen, der Reichenbacher Dorfjugend unter die Arme zu greifen.

Die Helfer jedenfalls haben ganze Arbeit geleistet: Innerhalb von wenigen Tagen haben sie die Holzpyramide fertig aufgeschichtet. Am heutigen Donnerstag baut die Dorfjugend mit Unterstützung des Schützenvereins noch die Verkaufsstände auf. Dann kann das Event steigen.

Übrigens: Dem Holzstapel kann bis morgen Abend nichts mehr passieren. Die jungen Leute bewachen die Pyramide mit Argusaugen und schauen auch nachts nach dem Rechten.

Die Sonnwendfeier am Freitag, 23. Juni, beginnt um 19 Uhr auf dem Hexensattel zwischen Reichenbach und Unterböhringen. Es gibt rote Wurst und Getränke. Bei Einbruch der Dunkelheit gegen 22 Uhr entzündet die Reichenbacher Dorfjugend mit Fackeln die Holzpyramide. hei

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