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Sommer, Sonne, Rutenfest – 50 000 Zuschauern geht das Herz auf

Festzug lockt so viele wie lange nicht in die Ravensburger Altstadt – Pünktlich zum Rutenmontag stellt sich bestes Wetter ein
  • Die Landsknechte präsentieren den Reichsadler, auf den die Gymnasiasten Dienstagnachmittag schießen werden. Im vergangenen Jahr schoss ein Troko den Hauptpreis - den Reichsapfel.
    Felix Kästle
  • Die Landsknechte präsentieren den Reichsadler, auf den die Gymnasiasten Dienstagnachmittag schießen werden. Im vergangenen Jahr schoss ein Troko den Hauptpreis - den Reichsapfel.
    Felix Kästle

Ravensburg sz Na also: Der Sommer hat sich rechtzeitig zum Höhepunkt des Rutenfests also doch noch eingestellt. Selten zog es so viele Besucher zum Historischen Festzug am Rutenmontag, der bei blau-weißem Himmel und Sonnenschein gefeiert werden konnte. 4500 Darsteller und 1200 Musiker unterhielten die rund 50 000 Festzugsbesucher, die nur eines im Sinn hatten: feiern und küssen!

Schon frühmorgens donnern die Böllerschüsse über Ravensburg, Trommlergruppen ziehen durch die Stadt, damit niemand verschläft und den Historischen Festzug verpasst. Bereits vor acht zieht ein Menschenstrom ins Stadtzentrum. Die größte Sorge: einen guten Platz zu finden. Die begehrtesten Plätze sind auch in diesem Jahr die Fenster und Dachterrassen entlang des Festzugs.

Kaum ist ein Platz gefunden, dröhnen die Schüsse vom Mehlsack. Fünf an der Zahl. Die Ravensburger Kinder kennen die Böller und zählen furchtlos mit. Nur ein paar Kleinere halten sich erschrocken die Ohren zu. Dann beginnt die Musik zu spielen, die Rutenkinder strömen durchs Obertor und der anfängliche Schreck ist vergessen. Die ersten Trommelwirbel klingen durch die Häuserfluchten – der Herzschlag des Rutenfestes.

Jetzt wird Ausschau gehalten. Nach Geschwistern, Kindern, Nachbarn und allen Menschen, die man irgendwoher kennen könnte. Eine Zuschauergruppe in der Marktstraße macht sich einen Spaß daraus und sucht in jeder Gruppe nach einem bekannten Gesicht. Ist einer gefunden, wird er mit lautem Geschrei im Chor begrüßt. Und findet sich keiner, müssen halt die begleitenden Lehrer herhalten. „Hallo, Frau Lehrerin, Huhu!“, schallt es einige dutzend Male durch die Marktstraße. Quittiert wird das Geschrei durch Gelächter und Jubel bei den Darstellern und im Publikum.

Aber auch die jungen Eltern, deren Tochter mitläuft, halten Ausschau – bis Laura endlich entdeckt ist. Ganz aufgeregt winkt ihre kleine Schwester. Sie selbst ist noch zu jung, um mitzulaufen. Kaum ist seine Tochter um die Ecke verschwunden, gibt ihr Vater Fersengeld: Am Ende des Zugs will er sie abholen. Unterdessen rollen die Wagen der Springgaben vorbei. Ein bisschen schnell holpern sie die Marktstraße hinunter. Hier wird nicht mehr geschoben, sondern die Kinder tun alles, um die Wagen zu bremsen.

Zwischen den Wagen, die mit Spielen von Ravensburger ausstaffiert sind, toben einige „Fang den Hut“-Figuren. Und zwischendrin kullert ein großer schwarzer Würfel. Einige Spieler werfen ihn mit so viel Schwung, dass die anderen Figuren fast darüberfallen. Zwischendurch kommen Blaskapellen vorbei, die Erwachsenen klatschen und schunkeln mit. Und auch die Kleinen, die kaum aus eigener Kraft stehen können, wippen kräftig mit den Knien.

Stau in der Marktstraße

Und dann passiert’s: 9.15 Uhr. Der erste Stau in der Marktstraße. Die Imker kommen nicht weiter und sind zum Anhalten gezwungen. Die Postboten sind eifrig mit Winken beschäftigt und laufen ungebremst auf das Stau-Ende auf. Doch außer einem Stolperer und viel Gelächter ist nichts passiert. Die Postboten nutzen die Zeit, Karten und selbst geschriebene Briefe an die Zuschauer zu verteilen. Rebecca von der Neuwiesenschule schreibt einem unbekannten Zuschauer: „Gönn dir ein Eis!“ Bei dem Sonnenschein lässt sich das keiner zweimal sagen.

Dass die Sonne seit den Morgenstunden scheint, wird nach der Auflösung des Staus manchem zum Verhängnis: Die Feuerwehr löscht nämlich keineswegs den Brand auf dem eigenen Wagen, sondern hält munter in die Zuschauerreihen. Glücklich, wer vorgesorgt hat und einen Schirm in der Tasche hat. Blitzschnell wird abgetaucht. Manche flüchten gar in Hauseingänge oder in Seitenstraßen, um nicht nass zu werden.

Am Straßenrand werden unterdessen Kindheitserinnerungen wach. „In dem Kostüm bin ich auch mal gelaufen“, erzählt eine junge Frau, „das hat furchtbar gekratzt.“ Ein junger Mann bemerkt dazu: „Die haben alle gekratzt.“ Aber solange kratzende Kostüme das größte Problem beim Rutenfestzug sind, können alle zufrieden sein.

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