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Sogar der Pfarrer hat ’nen Bierdurst

Großartige Jahresfeier mit Theateraufführung bei Machtolsheimer Schützen

Machtolsheim sz Beste Unterhaltung ist bei den Jahresfeiern des Machtolsheimer Schützenvereins geboten gewesen. Die Schauspieler der Theatergruppe wuchsen bei den Vorstellungen am Freitag und Samstag über sich hinaus. Und zeigten einiges an nackter Haut.

Der Theateraufführung war der Auftritt des Schützenchors unter der Leitung von Elke Tuchnowski vorausgegangen. Die sangesfreudigen Schützen feiern in diesem Jahr ihr 40-jähriges Bestehen; 35 Jahre wurden sie von Rolf Bühler geleitet. Drei Sänger der ersten Stunde – Edwin Geist, Helmut Haßler und Erich Mändle – wurden anlässlich der Jahresfeier vom Vorsitzenden Gerd Gund ausgezeichnet. Vier Lieder gab der Schützenchor zum Besten: „Warum bist du gekommen?“ aus der Oper Bajazzo, das weinselige Trinklied „Crambambuli“ und „Sierra Madra del Sur“. Als Zugabe hatten die Sänger acht Verse über „Machedhoi da auf dr Alb“ gedichtet und nahmen darin die Beziehungen zwischen Machtolsheim und Merklingen, örtliche Politik und Zeitgeschehen aufs Korn. Bahnhalt, Eros-Center und reger Fahrverkehr am „Stoigle“ erheiterten die Zuhörer. Und auch das Schießen selbst wurde veräppelt: „Schützen schießed fleißig, treffed nie.“

Kampf gegen Zusammenlegung

Dann kam die Theatergruppe zum Einsatz. Mit „Feurio – Aufruhr im Spritzenhaus“ hatten sich die Schauspieler um Regisseur Alexander Quintus eine Perle kurzweiliger Unterhaltung herausgesucht. Die Kulissen von Andreas Wagner, Heiko Müller und Uwe Lamparter, sowie die Maske von Kathrin Kreitner und Sabrina Bohnacker waren perfekt darauf abgestimmt. Und zur Freude der Gäste wurde die Geschichte so umgearbeitet, dass sich im Stück nicht nur bekannte Machtolsheimer Örtlichkeiten, sondern auch örtliche Persönlichkeiten wiederfanden.

Inhalt: Ein kleines Dorf auf der Alb – Machtolsheim – kämpft um seine Unabhängigkeit, und die Freiwillige Feuerwehr aufgrund veralteter Technik und mangels Manpower ums Überleben. Die Wehr wehrt sich vehement gegen die Zusammenlegung mit der verhassten Truppe aus Merklingen. Der Fortbestand ist fraglich, trotzdem plant Kommandant Florian Brändle (Michael Bleher) ein großes Feuerwehrfest mit Gesangseinlagen, Theater – und Stripper.

Brändles Widerstandskampf eskaliert, als er sich trotz Einspruchs seiner Frau Brigitte (Anja Häußler) erneut zum Kommandanten wählen lässt. Brändle wird zuhause rausgeworfen und muss ab sofort im Gerätehaus wohnen. Dort wird immer wieder Kriegsrat gehalten mit Kumpel Johannes Schöninger (Stefan Haßler), alternder Casanova, und dem stotternden Bernhard Kälble (Jochen Mändle). Auch Pfarrer Kaslinger (Jörg M. Haßler) unterstützt die gebeutelten und mit ihren Frauen gestraften Feuerwehrmänner moralisch und hilft kräftig mit, den Biervorrat im Kühlschrank zu dezimieren. Sehr zum Ärger seiner Haushälterin Anna Rehbein (Debütantin Selina Sinn). Nur Kommandantentöchterlein Eva (Dinah Schmidt) hält zu ihrem Papa.

Auch die Damen überzeugen

Das sehr männlich dominierte Stück lebte von der Spielkunst der Darsteller. Alle Rollen waren dermaßen passend besetzt, dass das Publikum sich sofort eingebunden fühlte. Bleher alias Kommandant Florian Brändle, den ganzen Abend nur in Unterwäsche unterwegs (so wie ihn seine wild gewordene Ehefrau mit Bratpfanne durchs Dorf gescheucht hatte), brillierte in seiner Rolle. Stefan Haßler war so überzeugend und authentisch als Casanova wie Jochen Mändle komisch und großartig dummdreist war. Aber auch die Damen überzeugten schauspielerisch, sie gaben einen tollen Gegenpol zu ihren ständig gegen die Weiblichkeit hetzenden Männer ab. Noch vor seiner Ehe hatte Brändle zum heiligen Florian gefleht: „Heiliger St. Florian, schick ihr einen andren Mann.“ Dass selbst der Pfarrer mit seiner „besseren Hälfte“ Probleme hatte, belebte die Szenerie zusätzlich.

Am Ende fand zusammen, was zusammen gehört – Alkohol-Exzesse selbst der Pfarrhaushälterin („dahingerafft vom schlechten Himbeersaft“), eine Verbrüderung der Kommandantentochter mit dem Sohn des verhassten Nachbarortskommandanten und der Zusammenbruch des altersschwachen Feuerwehrfahrzeuges inklusive.

Die beiden Vorstellungen waren sehr gut besucht. Hätte sich im Vorfeld der unterhaltsame Auftritt von Feuerwehrstripper Jochen Mändle herumgesprochen („Best Feuerwehrstripper 2018“), der Vorverkauf wäre sicherlich durch die Decke gegangen und die knapp 750 Karten hätten niemals ausgereicht.

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